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| 20:03 Uhr

Fotostrecke – vor 40 Jahren
So kämpfte die Lausitz1978/79 gegen den Winter

Winterkampf gegen Schnee und Kälte in der Lausitz 1978/1979 FOTO: Lausitzer Rundschau Medienhaus / Erich Schutt
Cottbus/Senftenberg. Tagebau Jänschwalde, 2. Januar 1979: Panzer der NVA sind im Einsatz. Denn es heißt: „Winterkampf“! Die Braunkohle ist eingefroren, die Energieversorgung der DDR liegt zum Teil brach. Neben Bergleuten müssen in der Lausitz Soldaten und Polizisten ran.

(oht/skl/SvD/trz) Zu Silvester 1978 beginnt in der Lausitz das, was auf Rügen und anderswo im Norden Deutschlands als Schneekatastrophe bekannt ist – einer der heftigsten Wintereinbrüche seit Jahren. Die Temperaturen sinken auf minus 20 Grad Celsius, zeitweise und örtlich sogar auf minus 30 Grad. In den Tagebauen der Lausitz, darunter in Jänschwalde und in Meuro, friert die wasserhaltige Braunkohle fest. Geräte und Lkw bleiben liegen. Der Winterkampf, offiziell in der DDR auch so genannt, geht los. Soldaten der NVA und Volkspolizisten der Bereitschaften werden abkommandiert, um den Bergleuten zu helfen.

Schließlich geht es auch darum, die Energieversorgung der DDR aufrecht zu erhalten. Es müssen eingefrorene Bandanlagen wieder in Betrieb genommen werden. Die Braunkohle ist festgefroren, dagegen kommen Bohrhämmer und Notstromaggregate aus dem Westen, aus der Bundesrepublik Deutschland, zum Einsatz. Das war eigentlich verpönt, Hilfe aus dem Westen. Aber nun, im Winterkampf, habe es geheißen: „Was braucht ihr?“, sagte Dieter Baumann, während des Extremwinters 1978/1979 Hauptdispatcher bei der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Cottbus und für die Rohkohle-Verteilung zuständig, in einem Interview mit der RUNDSCHAU am Neujahrstag 2009.

Wieso war es so schlimm gekommen? Zunächst hatte es Ende Dezember 1978 in der Lausitz stark geregnet. In den Tagebauen war es schlammig. Dann fielen zu Silvester die Temperaturen extrem. Die gesamte Bandanlage sei am 31. Dezember ein Eispanzer gewesen. „Das war das erste Mal im Leben, dass ich völlig hilflos gewesen bin“, sagte Dieter Müller, damals Leiter des Tagebaus Meuro, 2009 der RUNDSCHAU.

Dennoch gelang es Müller und seinen Lausitzer Bergleuten zusammen mit 1000 abkommandierten Soldaten, den Tagebau-Betrieb in Meuro am Neujahrstag 1979 wieder anzufahren. Alle hätten in den kommenden Wochen Schwerstarbeit geleistet.

So war es vielerorts in der Lausitz. Deswegen mussten zum Beispiel auch Tausende Cottbuser in der Stadt und anderswo Sonderschichten leisten. In Cottbus fiel zeitweise der Strom aus, aber immerhin hielt die Wasserversorgung der extremen Kälte stand.

„Wir waren froh, dass alle unsere Maßnahmen für die normale ­Winterbereitschaft so gut griffen“, erinnerte sich Wolfgang Wollgram, 1979 Abteilungsleiter im VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Cottbus, in einem Interview mit der LR am 6. Januar 2009. Wollgram war später und bis 2004 Chef der Lausitzer Wasser Gesellschaft (LWG).

Erst ab 7. Januar 1979 ließ der Frost in der Region spürbar nach. NVA-Soldaten waren noch bis Februar 1979 im Einsatz und unterstützten die Arbeiten in Tagebauen und anderswo. Dies berichtet der frühere LR-Fotograf Erich Schutt, der für die LAUSITZER RUNDSCHAU eindrucksvolle Fotos aus jenen Tagen gemacht hat.

www.lr-online.de

Winterkampf gegen Schnee und Kälte in der Lausitz 1978/1979 FOTO: Lausitzer Rundschau Medienhaus / Erich Schutt
(oht/skl/SvD/trz)