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| 17:05 Uhr

Ausstellung im Stadtmuseum Cottbus
Blick durch die Fotolinse auf Zeit des Wandels

Marie Seyberth mit Tochter Ruth und Schwägerinnen im Wasser.
Marie Seyberth mit Tochter Ruth und Schwägerinnen im Wasser. FOTO: Seyberth
Cottbus. Stadtmuseum vermittelt mit „Cottbuser Dachbodenfund – Fotografien von Friedrich Seyberth“ ein authentisches Bild der Zeit ab 1912. Von Ulrike Elsner

Authentischer geht es nicht: Die Ausstellung „Cottbuser Dachbodenfund – Fotografien von Friedrich Seyberth“ im Stadtmuseum zeigt eine gutbürgerliche Lebenswelt in den Jahren nach 1912.  Zudem gebe sie Einblick in eine Zeit des Wandels von Technik, Alltag und Freizeitgestaltung in dieser Stadt, betonte Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend.

Adolph Seyberth und Ehefrau Minna geb. Schneider, 1913/1914
Adolph Seyberth und Ehefrau Minna geb. Schneider, 1913/1914 FOTO: Seyberth

Bei dem Schatz, der bis Ende April im Tresorraum des Museums der Öffentlichkeit zugänglich ist, handelt es sich um mehr als 50 Bilder des Cottbuser Hobbyfotografen Friedrich Seyberth (1882–1949). Hauptberuflich war Seyberth als Diplomkaufmann tätig und leitete ab 1915 das Geschäft der Familie „Adolf Seyberth – Woll- und Garn-Agentur“. Seine ersten Fotografien entstanden 1912 mit einer Plattenkamera. Die Ausstellung präsentiert vor allem Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1912 und 1915, dazu einige Familienfotos aus den Dreißiger Jahren.

Friedrich Seyberth, Ottilienhof 4, 1912
Friedrich Seyberth, Ottilienhof 4, 1912 FOTO: Seyberth

Dass diese Bilder von beträchtlichem historischem und künstlerischem Wert jetzt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind, ist einer Verkettung glücklicher Umstände zu verdanken: Bei Sanierungsarbeiten in der Bautzener Straße 41, der früheren Bellevuestraße 41, dem Wohnhaus von Friedrich Seyberth, wurden auf dem Dachboden zwei Holzkisten mit Glasnegativen entdeckt. Petra Zimmermann, Enkelin von Friedrich Seyberth, stellte sie sicher und übergab sie später dem befreundeten Fotografen Thomas Kläber. Der gab sie weiter an seinen Kollegen Jürgen Matschie, der einen Teil der Fotoplatten in die Ausstellung des Sorbischen Museums Bautzen „Wotmolowane – Mit Licht gemalt“ einfließen ließ.

Unbekannte Familie, 1915/1916
Unbekannte Familie, 1915/1916 FOTO: Seyberth

Jetzt hat das Cottbuser Stadtmuseum das Fotoplatten-Konvolut übernommen. Zuvor hatte Jürgen Matschie die rund 240 Negative gesichtet, gesäubert und digitalisiert. „Beim Durchsehen aller vorliegenden Aufnahmen taucht man in eine vergangene Epoche einer uns fremden bürgerlichen Familie in Cottbus ein“, sagt Jürgen Matschie. „Auch wenn man die Menschen nicht persönlich kennt, fangen die Bilder trotzdem an zu erzählen. Das macht den Reiz der Aufnahmen aus. Ordnet man sie, sieht man die Tochter heranwachsen, fährt mit in die Sommerfrische und bekommt die Verwandtschaft vorgestellt.“ Friedrich Seyberth sei ein vielseitig interessierter Mann gewesen, der die Fotografie nicht nur für Familienbilder benutzte.

Die Bilder zeigen Aufnahmen der Stadt, insbesondere das Wohnhaus der Familie in der heutigen Bautzener Straße, aber auch das Gut  Ottilienhof, das sich auf dem Gelände des heutigen Sportzentrums befand und wo die junge Familie Marie und Friedrich Seyberth zur Zeit der Geburt ihres ersten Kindes lebte. Tochter Ruth ist wohl eines der meistfotografierten Kinder jener Zeit – ob am Wasserhahn auf dem Ottilienhof oder mit Bauklötzen spielend in einem zum Fotoatelier umdekorierten Zimmer.

Aber der vielseitig interessierte auf Profi-Niveau agierende Hobbyfotograf nimmt auch sein heutiges Publikum mit auf eine Entdeckungsreise durch Cottbus und die Region. So entdeckt der Ausstellungsbesucher ein Paar in wendischer Kirchgangstracht im Burger Café Thomas um 1915. Oder kann sich dank des Zeitzeugen hinter der Kamera ein Bild von der Notlandung des Zeppelin-Luftschiffs am 6. April 1913 an der Rennbahn in Cottbus machen.

Zur Ausstellung haben die Städtischen Sammlungen gemeinsam mit dem Cottbuser Regia-Verlag eine Friedrich Seyberth gewidmete Publikation der Reihe „Das Fenster“ herausgegeben. Die Broschüre ist im Museum sowie im Buchhandel zum Preis von 14 Euro erhältlich.