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Form gibt die Töpferscheibe vor

Gemma Graf bei ihrer Arbeit an der Töpferscheibe.
Gemma Graf bei ihrer Arbeit an der Töpferscheibe. FOTO: Elsner
Cottbus. Sieben Werkstätten in Cottbus und Umgebung laden am Samstag, 11. März und Sonntag, 12. März, zum Tag der offenen Töpferei ein. Ulrike Elsner

Handgemachtes Geschirr findet immer mehr Anhänger. Wie viel Mühe und Kunstfertigkeit es aber erfordert, damit aus einem Stück Ton Tassen, Schüsseln, Kannen oder Teller werden, macht erst ein Blick hinter die Kulissen deutlich. Sieben Werkstätten in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis geben am Wochenende beim landesweiten Tag der offenen Töpferei Einblick in ihr Schaffen. Geöffnet ist am Samstag und am Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Auch Keramikermeisterin Gemma Graf öffnet ihren "Töpferstall" am Bruderberg in Groß Gaglow. Erreichbar ist die idyllisch am grünen Ortsrand gelegene Werkstatt über die Siedlerstraße. Zu sehen gibt es hier jede Menge schönen und gleichzeitig funktionellen Geschirrs. Die Cottbuserin, die neben dem Meisterbrief auch einen Abschluss der Keramischen Fachschule Landshut vorweisen kann, fertigt frei gedrehtes Steinzeug, das bei hohen Temperaturen gebrannt und dank der selbst entwickelten Glasuren mit besonderer Farbigkeit besticht. Die zahlreichen Liebhaber ihrer Produkte schätzen neben der Form vor allem das spezielle Kobaltblau und Türkisgrün.

Gemma Graf ist die Tochter des früh verstorbenen Cottbuser Künstlers Rudolf Graf, der unter anderem den von den Cottbusern geliebten Stadtbrunnen am Stadttor geschaffen hat, der im Jahr 2002 aber wegen Verfalls abgerissen werden musste. Auf die Frage nach dem Einfluss des Vaters auf ihre Arbeit sagt die Töpferin: "Am ehesten ist es die Ermutigung, sich etwas zuzutrauen, keine Angst vorm Probieren zu haben. Geht nicht, gab's bei ihm nicht."

Dass Gemma Graf das praktiziert, beweisen die sorgsam dokumentierten Probereihen mit färbenden Metalloxiden. "Eine Glasur zu entwickeln, dauert Jahre", stellt die 47-Jährige fest. "Spezielle Struktureffekte gibt es nur bei mir."

Die Form gibt die Töpferscheibe vor, und der Gebrauchswert steht im Vordergrund. Doch der Anspruch der Keramikerin geht weiter. Sie sagt: "Wenn das Design dazu einlädt, dass man meine Tasse als Erstes aus dem Schrank nimmt, bin ich zufrieden." Mit den Jahren sei die Töpferei ihr Traumberuf geworden. "Weil man etwas mit den Händen macht, etwas herstellt und von A bis Z selbstverantwortlich arbeitet."

Gemma Graf freut sich auf das Wochenende, die Möglichkeit, Besuchern zu erklären, wie aus einer Tüte Rohton ein formschönes und funktionelles Produkt wird. "Drehen ist nur zehn Prozent der Arbeit", sagt sie. "Vorher muss der Ton geschlagen und geknetet werden, damit er ganz homogen wird." Das muss anfangs immer wieder geübt und später ständig praktiziert werden.

Mit Freude haben auch die Cottbuser Töpfer in den letzten Jahren eine Rückbesinnung auf das Handwerk festgestellt. "Ein handgefertigter Teller fühlt sich eben anders an", sagt Gemma Graf.

Zum Thema:
Töpferei Elke Piezonka, Weidenweg 15, Burg, Tel. 035603/598, www.toepfereipiezonka.deTöpferstübchen Möbert, Kurparkstraße 17, Burg, Tel. 035603/61887, Vorführung des Handwerks www.keramik-moebert.de , Töpferei Birgit Werner, Ringweg 7, Kolkwitz/OT Limberg, Töpfern für Groß und Klein - mit und ohne Töpferscheibe, Tel. 035604 41081,wilhelm_werner@t-online.de, Dekorative Keramik, Inh. Ralf Siewert, Berliner Str. 17, Kolkwitz, Werkstattführung, Kaffee u. Kuchen, Arbeiten mit Ton,Tel. 0355 288104, www.dekorative-keramik.de , Christina Baumbach, Bautzener Str. 102a, Cottbus, Tel. 0355 49384993, www.baumbach-keramik.de , Töpferstall Gemma Graf, Am Bruderberg 7a (am Endeder Siedlerstraße), Cottbus, OT Groß-Gaglow, Tel. 0355 5267914, toepferstall-graf.jimdo.com Keramikwerkstatt Ilona Möbert,Taubenstraße 23/24, Cottbus, Tel. 0355 23116,Dekorieren von handgetöpferten Ostereiern und Geschirrfür Groß und Klein bei Kaffee und Kuchen www.keramik-moebert.de