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| 16:41 Uhr

Update für Fontane
Effi Briest als Teenie und Rebellin

 Henriette Hotzan, Luisa Krake, Tamina Hägler und Alpha Heidel nenen sich selbst die „Goldfedern“. Sie haben zusammen mit Swantje Kautz einen Teil von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ in die heutige Zeit versetzt.
Henriette Hotzan, Luisa Krake, Tamina Hägler und Alpha Heidel nenen sich selbst die „Goldfedern“. Sie haben zusammen mit Swantje Kautz einen Teil von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ in die heutige Zeit versetzt. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Cottbus. Mehr als nur Schulstoff: Junge Autorinnen der Literaturwerkstatt haben Theodor Fontanes Klassiker modernisiert. Die neue Effi Briest hat mehr mit ihren Erschafferinnen gemeinsam, als diese erst dachten. Von Liesa Hellmann

Effi Briest – vereinsamt, fremdbestimmt, tragische Heldin? Im Gegenteil: Effi trägt ihre Haare neongelb und eckt an, wo sie kann. Effi trinkt gern Cappuccino und auch mal ein Bier (oder ein paar mehr). Und wenn sie „einen drauf machen“ will, dann macht sie das in Tamina Häglers (15) Kurzgeschichte so: Auf ihren Einkauf, der nur aus Schokolade und Gummibärchen besteht, legt sie beim skeptischen Blick der Kassiererin noch eine Packung Kaubonbons oben auf.

Effi Briest, wie sie sich die jungen Autorinnen der Cottbuser Schreibgruppe „Goldfedern“ ausgedacht haben, ist auf den ersten Blick also ganz anders als die Titelheldin aus Theodor Fontanes Roman. Ihre Effi heiratet keinen mehr als doppelt so alten Mann und sitzt auch nicht in einem Landhaus mit Hausgeist zwischen Ostseedünen fest. Stattdessen feiert sie ihren Schulabschluss und macht sich allein auf den Weg nach England zu einem Onkel mit romantisch verwunschenem Herrenhaus. Die Liebe spielt natürlich trotzdem eine Rolle: In der modernen Version in Gestalt des gleichaltrigen Jerry, der praktischerweise zum Herrenhaus gehört und Effi mit verschmitztem Blick und lässigen Sprüchen den Kopf verdreht.

Effi ist eine Identifikationsfigur

„Wir haben uns eine Geschichte für Effi so ausgedacht, wie man sie sich für sie gewünscht hätte“, sagt Alpha Heidel (16), die Mitglied bei der Schreibgruppe in der Literaturwerkstatt im Glad-House ist. 200 Jahre nach Fontanes Geburtstag hat die Romanfigur deshalb alle Freiheiten, die junge Menschen heute haben – und die damit verbundenen Probleme. „Hast du dir schon Gedanken über deine Zukunft gemacht?“, ist eine Frage, die die moderne Effi ständig hört.

Das geht auch den jungen Autorinnen so. „Seit der siebten Klasse werden wir gefragt, was wir später machen wollen“, erinnert sich Luisa Krake (16), und das finden die fünf jungen Frauen anstrengend. „Effi steht für viele Jugendliche von heute, die nicht wissen, was sie nach der Schule machen wollen, und ist deshalb eine Identifikationsfigur“, erklärt Swantje Kautz (18).

Dass der Weg in die Freiheit nicht einfach ist, merkt man Effi in den Texten der Jugendlichen an. Wenn auf der Abiturfeier alle ihre Berufswünsche rufen, bleibt Effi still. Den Weg zum Flughafen möchte sie unbedingt ohne ihre überbehütenden Eltern bestreiten, auch wenn alles schiefgeht und sie schließlich ihren Flug nach England verpasst.

„Effi Briest“ heißt jetzt „eff.i19“

Die jugendlichen Autorinnen treffen sich bereits seit Jahren in der Literaturwerkstatt im Glad-House. An einer gemeinsamen Geschichte zu schreiben, war jedoch für alle neu. „Spannend ist, wie die verschiedenen Schreibstile zusammenkommen“, so Henriette Hotzan (13). Ihre Erzählung ist Teil von „eff.i19“, einem Projekt des Pressenetzwerks für Jugendthemen. Fünf Schreibgruppen aus Brandenburg haben Abschnitte von Fontanes Roman „Effi Briest“ bearbeitet. Die Cottbuser „Goldfedern“ haben sich für den Part entschieden, als Effi Briest im fiktiven Kessin ankommt. Ihre moderne Effi muss sich nicht wie bei Fontane an der Ostsee langweilen, sondern macht unter anderem London unsicher.

Das ganze Schuljahr haben sich die Brandenburger Schreibgruppen mit dem Projekt beschäftigt. Das Ergebnis, eine moderne Fassung des Romans mit Kurzgeschichten, Zeichnungen und einem Musical-Libretto, wurde in einem Buch mit dem Titel „eff.i19“ veröffentlicht.Als ihnen die Leiterin der Literaturwerkstatt, Ines Göbel, das erste Mal von der Idee erzählt hatte, sei sie skeptisch gewesen, erzählt Tamina Hägler. Der Name Fontane hat nicht für Begeisterungsstürme bei den Jugendlichen gesorgt. Das Thema – eine junge Frau macht die ersten Schritte in ein neues Leben – sei hingegen besser angekommen, berichtet Göbel. In den Worten der jungen Autorin Luisa Krake: „Effi ist eine Person, mit der man sich identifizieren kann. Sie hat die gleichen Probleme wie wir.“

 Henriette Hotzan, Luisa Krake, Tamina Hägler und Alpha Heidel nenen sich selbst die „Goldfedern“. Sie haben zusammen mit Swantje Kautz einen Teil von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ modernisiert.
Henriette Hotzan, Luisa Krake, Tamina Hägler und Alpha Heidel nenen sich selbst die „Goldfedern“. Sie haben zusammen mit Swantje Kautz einen Teil von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ modernisiert. FOTO: LR / Liesa Hellmann