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| 12:09 Uhr

Folge der Trockenheit
Kleine Kartoffeln, größere Preise

 Der sehr trockene Sommer bringt nicht nur kleine, sondern auch deutlich weniger Kartoffeln.
Der sehr trockene Sommer bringt nicht nur kleine, sondern auch deutlich weniger Kartoffeln. FOTO: dpa / Christoph Schmidt
Cottbus. Die Landwirtschaft ächzt unter dem zweiten Dürresommer in Folge. Brandenburgs und Sachsens Bauern kämpfen auch dieses Jahr mit niedrigen Erträgen. Was bedeutet das für den Verbraucher? Von Henning Dommann

Für den Einzelhandel sind die Konsequenzen der Dürre mittlerweile spürbar, manche Läden bekommen ihre Ware verspätet oder müssen Obst und Gemüse mit geringerer Qualität anbieten. Alexander Schömmel betreibt den Naturkostladen „Ährenkranz“ in der Cottbuser Altstadt. Er sagt, Engpässe gebe es bei ihm zwar keine. „Aber wir müssen teilweise auf andere Lieferanten zugreifen, beispielsweise bei Steinobst wie Pflaumen.“ Dass die Erzeugnisse unter der Hitze leiden, sieht man auch in seinem Laden. „Wir bekommen im Moment zum Beispiel viel kleinere Äpfel und Kartoffeln.“ Die Auswirkungen auf den Verbraucher würden sich laut Schömmel aber in Grenzen halten: „Die Produkte sind schon etwas teurer als im letzten Jahr, aber in keinem Fall so, dass man sagen könnte, die Dürre treibe die Preise in die Höhe“.

Was heißt das in Fakten? Die LR hat nachgefragt:

Getreide: Laut dem Landesbauernverband Brandenburg (LBV) wurden in diesem Jahr bisher 2,3 Millionen Tonnen Getreide im Land geerntet, 13,3 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. Auffallend seien laut dem LBV die regionalen Unterschiede. Selbst innerhalb von Gemeinden kam es in diesem Jahr zu unterschiedlichen Erträgen. Das ist auch in Sachsen zu beobachten, teilt der Sächsische Landesbauernverband (SLB) mit. Hier seien die Erträge zwar höher als im letzten Jahr, dennoch herrsche ein unterdurchschnittliches Ertragsniveau, erklärt Juliane Stäps, Referentin für Acker- und Pflanzenbau beim SLB. „Der Verbraucher wird von der schlechten Ernte nichts spüren, da im Handel Importe genutzt werden und die Preise der Einzelhandel macht“, so Stäps.

Äpfel: Auch Deutschlands beliebteste Frucht bleibt nicht von den klimatischen Problemen verschont. Im September hat in Brandenburg die Apfelsaison begonnen. Die Prognosen für die Ernte sind erneut schwach. Laut Andreas Jende vom Gartenbauverband Berlin-Brandenburg ist die Situation sogar angespannter als im letzten Jahr. In Brandenburg wird voraussichtlich die schlechteste Apfelernte seit acht Jahren eingefahren werden. Das liegt laut Jende nicht nur an der Dürre, sondern auch an den Spätfrösten von April und Mai. Hinzu käme, dass der Verbraucher regionale Produkte verstärkt nachfrage. Diese Nachfrage könne derzeit „nicht im erforderlichen Umfang bedient werden“, sagt Jende in Hinblick auf die Tendenz im Handel.

Der Landesverband Sächsisches Obst rechnet gar mit einer geringeren Ernte als im letzten Dürrejahr. Erwartet werden weniger als 70000 Tonnen Äpfel, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Wegen der geringen Erntemenge kann laut dem Verband in diesem Jahr die Eigenversorgung mit Äpfeln in Sachsen nicht gewährleistet werden.

Spargel: Durch das Wasserdefizit in den Böden fällt auch die Spargelernte in 2019 schwach aus. Der Bauernverband Südbrandenburg spricht von durchschnittlich fünf Tonnen pro Hektar, damit sogar weniger als im letzten Jahr. Da Spargel als regionale Kultur direkt vermarktet wird, bestimmen hier Angebot und Nachfrage den Preis. Laut dem Verband sind die Preise in diesem Jahr durchschnittlich.

Kartoffeln: Die Kartoffeln standen in den letzten zwei Sommern unter enormem Druck. Auch hier gibt es in diesem Jahr Einbußen bei der Ernte. Reik Kasper von der Agrargenossenschaft Forst, rechnet mit noch geringeren Erträgen als 2018. „Im Vergleich zum vorigen Jahr sieht es schlimmer aus, da die Kartoffeln Stress ab der Knospe hatten und somit nicht blühen konnten“, sagt der Leiter der Kartoffelproduktion. In Forst schwanken die Erträge momentan zwischen 150 und 220 Dezitonnen pro Hektar. Das wäre laut Kasper ungefähr die Hälfte des Normalwerts. „Die Preise sind dafür etwas zwar etwas teurer, fangen die geringen Erträge aber kaum auf“, erklärt Kasper.

Zumindest bei Bio-Produkten scheint sich die Dürre noch nicht in den Preisen niederzuschlagen. Im Erdbär, einem Bioladen und Bistro in Cottbus, sei laut Betreiberin Kathrin Faustmann der letzte Sommer schlimmer gewesen: „Letztes Jahr haben wir die Folgen der Trockenheit stärker zu spüren bekommen. Durch die Ernteausfälle bei Äpfeln und Getreide mussten auch wir die Preise im Laden erhöhen. Allerdings kommt so etwas auch ohne Dürre vor. Brot kann in schlechten Jahren auch mal 20 Cent teurer und in guten wieder billiger werden.“

Aber auch sie bekomme über ihre Lieferanten mit, dass viele kleine Bio-Bauern mit der Trockenheit zu kämpfen hätten. „ Für den ein oder anderen wird da natürlich die Bewässerung schwierig. Trotzdem haben wir in diesem Jahr bis jetzt keine Engpässe. Und auch unsere Preise müssen deswegen nicht erhöht werden. Schlimme Ausfälle gab es bei unseren Lieferanten nicht.“

Genaue Prognosen zur Preisgestaltung zu treffen ist schwierig. „Hier spielen zu viele Faktoren abseits der Trockenheit eine Rolle. Kann der Händler beispielsweise auf Lieferanten ausweichen, die nicht von solchen Witterungsereignissen betroffen sind“, sagt Christian Böttcher, Pressesprecher des Bundesverbandes des deutschen Lebensmittelhandels. Trotzdem geht er von Preisschwankungen aus: „Wenn Probleme im Freilandanbau auftreten, dann hat das letztlich auch Einfluss auf die Angebotsmenge.“