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Flutwiesen an Kutzeburger Mühle

Die geplante Deichsanierung und damit verbundene Fällung von Bäumen sorgte besonders rund um die Kutzeburger Mühle für Empörung. Nun wird in Fachkreisen stattdessen darüber diskutiert, in dem Bereich Überflutungsflächen zu schaffen.
Die geplante Deichsanierung und damit verbundene Fällung von Bäumen sorgte besonders rund um die Kutzeburger Mühle für Empörung. Nun wird in Fachkreisen stattdessen darüber diskutiert, in dem Bereich Überflutungsflächen zu schaffen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Spree ist wieder gut gefüllt. Aber mit einem Pegel von 1,13 Meter am Montagmorgen ist der Fluss noch weit entfernt von einem Hochwasser. Peggy Kompalla

Trotzdem ist Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) froh, dass die Arbeitsgruppe Hochwasser im Oktober wieder ihre Arbeit aufnimmt. Im Fokus der Expertenrunde wird dabei das Gebiet um die Kutzeburger Mühle stehen. "Beim Landesamt für Umwelt hat erfreulicherweise ein Umdenken eingesetzt", erklärt der Dezernent. "Es sollen nicht mehr die Bäume auf den Deichen entfernt werden, sondern Wiesen als Überflutungsflächen hergerichtet werden." Damit das Wasser in einem solchen Fall nicht nach Gallinchen läuft, seien bauliche Veränderungen an Geländehöhen, aber auch den Wasserbauwerken nötig. "Wir müssen an der Kutzeburger Mühle einen Überlauf schaffen."

Das Hochwasser von 2010 hatte der Stadt schmerzlich vor Augen geführt, in welch schlechten Zustand die Deiche waren. Daraufhin legten Stadt und Landesumweltamt gemeinsam ein Sanierungsprogramm auf, in dessen Folge Tausende Bäume gefällt wurden. Für besonders große Empörung sorgten die Pläne damals rund um die Kutzeburger Mühle und in die Madlower Schluchten. In dem Gebiet zeichnet sich nun eine Lösung ab. Dennoch betont der Dezernent: "Der beste und effektivste Hochwasserschutz sind gepflegte und ordnungsgemäße Deiche." In Cottbus gibt es rund 14 Kilometer Schutzwälle. Die Sanierung ist weitgehend abgeschlossen.

Unabhängig davon läuft die Sanierung des städtischen Grabensystems weiter. Welche Bedeutung das im Hochwasserschutz hat, zeigte sich ebenfalls im Jahr 2010. "In Kahren und Skadow war damals Land unter", erinnert sich Thomas Bergner. Derzeit sind Schmellwitz und Branitz die Arbeitsschwerpunkte. In beiden Stadtteilen sollen die Gräben bis zum Jahr 2020 auf Vordermann gebracht werden. "In den vergangenen Jahren haben wir rund drei Millionen Euro für die Grabensanierung ausgegeben."

All das ist aktiver Hochwasserschutz. Zusätzlich hat das Ingenieurbüro Gerstgraser für die Stadt eine Hochwassersimulation erarbeitet, die genau sagt, wer wann nasse Füße bekommt - von 70 Kubikmeter Wasser je Sekunde bis 199 Kubikmeter. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2013 führte die Spree bis zu 110 Kubikmeter Wasser je Sekunde. "Jetzt wissen wir genau, was wir bei bestimmten Wassermengen zu tun haben und können die Einsatzkräfte gezielt einsetzen", betont der Dezernent. Es gebe nun ein festgelegtes Regime. "Wir haben uns mit dem Hochwasserplan gut aufgestellt und bekommen auch größere Wassermengen durch die Stadt."

Die beiden Hochwasser 2010 und 2013 brachten eine wichtige Erkenntnis. "Wir müssen die Alarmstufen nach unserem schwächsten Glied ausrichten", sagt Thomas Bergner. "Bei Alarmstufe eins waren an der Sandower Brücke noch die oberen Stufen der Treppe zu sehen und in Maiberg und Döbbrick drückte es schon am Deich." Das sei im überarbeiteten Hochwasserplan berücksichtigt.

Die Cottbuser Brücken waren ebenso wenig hochwassertauglich. Wie die Deiche und die Gräben gibt es zumindest für zwei von ihnen Hilfe aus dem Hochwasserfonds des Landes Brandenburg. Die Skadower Brücke wurde 2016 eingeweiht, die Sanzebergbrücke wird derzeit erneuert. Dafür wurden die beiden Holzbrücken Wernersteg und Lönssteg infolge ihre Schäden durch das Hochwasser abgerissen.

Glücksfall Talsperre
Die Talsperre Spremberg hat eine wichtige Funktion im Hochwasserschutz für Cottbus. Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) sagt: "Das gibt uns in die komfortable Situation, dass Wassermassen relativ elegant reguliert werden können. Die Staulamelle gibt einiges her." Zudem das 52 Jahre alte Bauwerk über mehrere Jahre komplett überholt worden.