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| 15:32 Uhr

Flüchtlingsdebatte in Cottbus
Mit Fakten gegen Vorurteile

Cottbus. Unsicherheit und Unwissen bestimmen die Diskussion rund um das Thema Asylbewerber. Ein weit verbreitetes Gerücht: Flüchtlinge bekommen mehr Geld als Deutsche. Ein Faktencheck.

Eine Frage bewegt derzeit in der Region Cottbus viele Gemüter: Wie umgehen mit Menschen, die als Flüchtlinge nach Cottbus gekommen sind. Immer wieder werden dabei massive Vorwürfe erhoben. Weit verbreitet ist die Behauptung, Flüchtlinge bekämen mehr Geld als Deutsche. 

FOTO: LR

Stefanie Kaygusuz-Schurmann, Leiterin der Asylkoordination, arbeitet seit 19 Jahren im Bereich Integration. „Die Erfahrung zeigt, dass man mit Fakten vieles entkräften kann, was auf der Straße oder im Internet behauptet wird“, sagt sie.

Beim Thema Finanzen sind die Regelungen eindeutig: Flüchtlinge sind zu keinem Zeitpunkt besser gestellt als Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Stefanie Kaygusuz-Schurmann: „In den ersten 15 Monaten ihres Aufenthaltes bekommen Asylsuchende in Cottbus Unterstützung nach Regelsätzen im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes.“ In den Erstaufnahmeeinrichtungen in Eisenhüttenstadt und Doberlug-Kirchhain  werden hier zum großen Teil Sachleistungen gewährt. Asylbewerber in Cottbus erhalten Bargeld – zu den „Grundleistungen zur Sicherung des physischen Existenzminimums“ kommt ein Taschengeld. Beides zusammengerechnet liegt unter den üblichen Hartz IV-Sätzen. Stefanie Kaygusuz-Schurmann: „Diese Leitungen können zusätzlich vom Sozialamt gekürzt werden, wenn ein Asylbewerber seiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommt, also etwa nicht bei der Feststellung seiner Identität hilft.“

Nach Auskunft der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit bekommen Asylbewerber im laufenden Verfahren übrigens kein Kindergeld – auch das wird in den Sozialen Medien immer wieder anders behauptet.

In Cottbus leben derzeit 628 Menschen, die sich im Asylverfahren befinden oder geduldet sind. Ihre Kosten werden nach Auskunft der Verwaltung komplett vom Land übernommen.  Der weitaus größte Teil der Flüchtlinge – 2650 Menschen – hat bereits eine Asyl- oder Bleiberechtigung und wird daher einem anderen Rechtskreis zugeordnet. Diese Gruppe wird über das Jobcenter betreut und bekommt Leistungen nach SGB II – bekannt als Hartz IV. Neben diesem Regelbedarf werden Kosten für Wohnung und Heizung gezahlt, bei Deutschen ebenso wie bei Flüchtlingen. Kindergeld wird auf die Hartz IV-Bezüge angerechnet.

„Im Internet kursieren immer wieder scheinbare Belege für extrem hohe Zahlungen an Geflüchtete“, sagt die Koordinatorin. „Doch wenn man genau hinschaut, werden dort oft Kosten veranschlagt, die Behörden so niemals auszahlen würden.“ Stefanie Kaygusuz-Schurmann wird immer wieder mit Gerüchten und Vorurteilen konfrontiert. Sie hält mit Fakten dagegen – und mit ihren Erfahrungen. „Ich habe viele Jahre lang irakische Kurden betreut. Sofort nach dem Tod von Saddam Hussein sind sie in den Irak zurückgekehrt.“ Auch viele der jetzigen Flüchtlinge wären ihrer Einschätzung nach froh, wenn sie gefahrlos in ihre Heimat zurück könnten. „Wir haben gerade ein kleines Projekt gestartet und alphabetisieren Geflüchtete in ihrer Herkunftssprache.“ Bei einer späteren Rückkehr sei das ein ungeheurer Vorteil im Heimatland.

(hil)