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| 22:02 Uhr

Cottbus
Flüchtlinge werden zur Nebensache

Beim Bürgerdialog in der Lausitz-Arena war die Stimmung ruhig und ausgeglichen. Allerdings waren deutlich weniger Menschen zu der Veranstaltung in der Spremberger Vorstadt gekommen, als Platz war. Die Cottbuser wurden bei der Gelegenheit viele Fragen los.
Beim Bürgerdialog in der Lausitz-Arena war die Stimmung ruhig und ausgeglichen. Allerdings waren deutlich weniger Menschen zu der Veranstaltung in der Spremberger Vorstadt gekommen, als Platz war. Die Cottbuser wurden bei der Gelegenheit viele Fragen los. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Beim Bürgerdialog in der Spremberger Vorstadt tragen die Einwohner ihre Probleme und Fragen vor. Ausländer stehen dabei allerdings nicht im Mittelpunkt. Von Peggy Kompalla

Wo normalerweise Sportler ins Schwitzen geraten, stellte sich am Dienstagabend die Stadtverwaltung im Bürgerdialog den Fragen der Cottbuser. Doch die nahmen Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und seine Rathaus-Mannschaft in der Lausitz Arena gar nicht in die Mangel. Vielmehr nutzten die Einwohner die Gelegenheit, um ruhig ihre Sorgen und Fragen los zu werden. Die Stimmung war entspannt. Die Flüchtlinge gerieten dabei zur Nebensache. Vielmehr ging es den Menschen um den Baufortschritt am Bahnhof, das Alkoholverbot, den Radverkehr, die Uhr im Spremberger Turm oder die City-Wache.

Viele Stühle in der Sporthalle blieben an dem Abend unbesetzt. Geschätzt waren 50 Einwohner zum Dialog in der Spremberger Vorstadt gekommen. Ein gutes Drittel der Anwesenden waren Mitarbeiter der verschiedenen Abteilungen des Rathauses. Unternehmer Klaus Schmiedchen stellte deshalb gleich zu Beginn der Veranstaltung fest: „Ich bin irritiert von der schwachen Teilnahme. Hat sich bereits alles beruhigt?“, fragte er und gab gleich selbst eine Antwort: „Ich hoffe nicht, dass das Thema durch ist. Alle Verantwortungsträger sind vor Ort. Über das was mit diesen Dialogen absolviert wird, bin ich zufrieden. Das sollten wir beibehalten.“

Reinhard Kliemann erklärte: „Für die Flüchtlinge gibt es viele Helfer.“ Er erlebe die Verwaltung dagegen lediglich als Knöllchenverteiler und habe Probleme überhaupt Ansprechpartner für seine Probleme zu finden. „Für den normalen Bürger ist kaum jemand da. Und das Beschwerdeportal Maerker wird von der Stadt aus Kostengründen abgelehnt.“ Unausgesprochen stand damit der Vorwurf im Raum: Erst seitdem die Cottbuser wütend auf die Straße gehen, wird ihnen zugehört. Stadtparlamentschef Reinhard Drogla (SPD) reagierte darauf. „Sie haben im Nebensatz eine Anspielung gemacht, die ich aufgreifen will“, sagte er und fügte an: „Warum machen wir solche Runde nicht grundsätzlich? Ich finde, wir sollten ein Format finden, bei dem wir die Dinge auf Augenhöhe ansprechen können.“ Dieser Gedanke sei bereits während der beiden vergangenen Bürgerdialoge gereift.

David Kühne schilderte, dass seiner Ansicht zufolge durch das Alkoholverbot in der Innenstadt das Problem nach Sandow direkt in seine Nachbarschaft verschoben wurde. „Was ist mit der Polizeipräsenz in den Außenbereichen?“, fragte er. Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) versicherte, dass das Problem in der Verwaltung bekannt sei, das Alkoholverbot könne aber aus rechtlichen Gründen nicht einfach erweitert werden. „Wir werden dazu mit der Polizei Absprachen treffen. Wir wollen mehr Präsenz zeigen.“

Die vermehrte Lärmbelästigung durch Betrunkene am Supermarkt in Sandow ist auch auf dem Tisch von Torsten Kunze gelandet. Der Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft (GWC) sagte: „Wir kennen die Gruppe und haben feststellen müssen, dass das alles GWC-Mieter sind, die sich vor der Haustür treffen, um gemeinsam zu trinken.“ Noch habe die Gebäudewirtschaft kein Patentrezept gefunden. „Wir sind noch im Findungsprozess mit der Polizei und dem Ordnungsamt“, so Kunze. Vielleicht könne dabei der hauseigene Sicherheitsdienst helfen.

Oberbürgermeister Kelch verriet, dass er sich kommenden Montag mit Polizeichefin Bettina Groß und Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) zu einem Arbeitsgespräch zur City-Wache treffen werde, nachdem die Regierungsfraktion der Linken vor zwei Wochen einen entsprechenden Antrag im Landtag gestellt hatte. „Die alte City-Wache in der Mauerstraße hatte sich bewährt“, sagte Kelch. Krankenhauschef Götz Brodermann berichtete von den Schwierigkeiten, um Ärzte in die Stadt zu locken. „Seit den Auseinandersetzungen mit Ausländern haben wir ein massives Problem bei der Akquise“, sagte er und wünschte sich deshalb: „Lassen Sie uns gemeinsam am Bild von Cottbus arbeiten. Denn wer einmal da war, da spricht die Stadt für sich selbst.“