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Arbeitsmarkt
Flüchtlinge kommen mit regionalen Arbeitgebern ins Gespräch

Oumaima Bairamly (20) aus Syrien erkundigt sich bei Lisa Noack über aktuelle freie Stellen im Landhotel Burg.
Oumaima Bairamly (20) aus Syrien erkundigt sich bei Lisa Noack über aktuelle freie Stellen im Landhotel Burg. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Gestern Vormittag fanden im Goethesaal der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) Bewerbungsgespräche der besonderen Art statt. In aufgelockerter Brunchatmosphäre durften sich Cottbuser Flüchtlinge bei potenziellen Arbeitgebern der Region, wie zum Beispiel der LEAG, dem Landhotel Burg und der FAPEK vorstellen. Jenny Theiler

Bei Kaffee und Brötchen nutzten auch viele die Gelegenheit für eine Berufs- oder Ausbildungsberatung bei der Handwerkskammer Cottbus (HWK) oder den Jobcentern Cottbus und Spree-Neiße.

Derzeit leben in Cottbus circa 1700 geflüchtete Menschen, die es nicht nur gesellschaftlich, sondern auch beruflich zu integrieren gelte, erklärte Sandy Hauck vom Jobcenter Cottbus. Das Integrationsfrühstück wurde im Rahmen der interkulturellen Woche organisiert und findet in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in der IHK statt. An insgesamt zehn verschiedenen Stationen durften sich die Teilnehmer, die von den jeweiligen Jobcentern eingeladen wurden, über ihre beruflichen Chancen in Deutschland informieren. Die Meisten sind aus Syrien und können bereits eine Ausbildung oder sogar einen Studienabschluss vorweisen. "Die Qualität der Bewerber ist sehr hoch", bemerkt Stefan Zupp von der HWK. Alle geladenen Teilnehmer sprechen Deutsch auf B1-Niveau. Viele sind bereits in B2-Kursen untergebracht.

Ahmad Kanou ist 31 Jahre alt und gehört zu den ältesten Teilnehmern. Der Syrer ist Rechtsanwalt und würde seine Tätigkeit sehr gern auch in Deutschland weiter ausführen. Da sein Diplom in Deutschland nicht anerkannt wird, sucht Ahmad Kanou nach einer Alternative. Die HWK rät dem Juristen zu einer Ausbildung zum Automobilkaufmann. "Irgendwo als Helfer in der Gastronomie anzufangen, würde ihm nichts bringen, weil er nie über den Mindestlohn kommen würde. Aber er kann gut reden und wird sicherlich auch gut verkaufen können", sagt Stefan Zupp von der HWK. Eine handwerkliche Ausbildung wird für den Syrer nicht infrage kommen. "Ich würde gern in einem Inkassounternehmen arbeiten", erklärt Ahmad Kanou. Sein Abitur kann er sich vom Schulamt Cottbus anerkennen lassen.

Es waren vor allem technikinteressierte junge Männer, die den Vormittag bei der IHK nutzten, um ihre Referenzen zu präsentieren. Einige Arbeitswillige hatten sogar schon Bewerbungsmappen dabei. "Die Männer werden wohl eher ins Handwerk gehen wollen", bemerkte auch Lisa Noack vom Landhotel Burg. "Aber wir sind dennoch präsent und wer eine Chance bei uns möchte, der soll sie auch bekommen", so die Personalchefin.

Die junge Syrerin Oumaima Bairamly hat, wie die meisten anderen Teilnehmer, sehr konkrete Berufsvorstellungen. Die einzige Frau unter den Bewerbern möchte Maskenbildnerin werden. "Dafür brauche ich aber vorher noch eine Friseurausbildung", erklärt die 20-Jährige. Kai Simmerl von der betrieblichen Begleitagentur Brandenburg will die Abiturientin dabei unterstützen. "Eine Einstiegsqualifizierung wäre in ihrem Fall das Beste. Dann wäre sie bis Ausbildungsbeginn für mindestens sechs Monate in einem Praktikum untergebracht", erklärt der Beratungs coach.

Sebastian Kappa von der IHK war mit dem Verlauf des Vormittags zufrieden. "Der Erfolg der Veranstaltung wird erst in ein paar Monaten spürbar sein, wenn die Teilnehmer tatsächlich vermittelt werden konnten", so der Flüchtlingsberater.