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Flüchtlinge beziehen Notunterkunft

Fahrräder für Flüchtlinge: Im Fablab auf dem BTU-Campus haben viele Freiwillige 21 gespendete Räder straßentauglich gemacht. Sie sind jetzt in der Gemeinschaftsunterkunft der Stadt im Einsatz.
Fahrräder für Flüchtlinge: Im Fablab auf dem BTU-Campus haben viele Freiwillige 21 gespendete Räder straßentauglich gemacht. Sie sind jetzt in der Gemeinschaftsunterkunft der Stadt im Einsatz. FOTO: Fablab
Cottbus. Die ersten 38 Flüchtlinge haben am Montagabend die Notunterkunft in den Turnhallen an der Poznaner Straße bezogen. Damit nimmt die Cottbuser Außenstelle der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung offiziell ihren Betrieb auf. Peggy Kompalla und Carl Friedrich Hilscher

Am frühen Montagabend trifft der Bus in Sachsendorf an der Poznaner Straße ein. Noch am Vormittag hatte das Land Brandenburg als Betreiber der Außenstelle der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung 100 Flüchtlinge angekündet. Im Verlauf des Tages wurde die Zahl auf 50 nach unten korrigiert. Letztendlich erreichen 38 Menschen die Stadt.

Das beschreibt die schwierige Gemengelage derzeit. Auf Zahlen ist kaum Verlass. Zumal die ersten Flüchtlinge bereits Ende vergangener Woche kurzfristig angekündigt worden waren. Daraufhin hatte Cottbus in einer Ad-hoc-Aktion die Turnhallen an der Poznaner Straße entgegen der eigenen Strategie binnen 24 Stunden zu einer Notunterkunft hergerichtet.

Diese benötigt das Land Brandenburg dringend als weitere Außenstelle der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt, die an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt ist. In den beiden Turnhallen in Sachsendorf ist Platz für bis zu 300 Personen geschaffen worden. Die Außenstelle liegt in der Verantwortung des Landes. Das bestätigt Wolfgang Brandt, Sprecher des Brandenburger Innenministeriums. Demnach hat das Land mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) einen Vertrag abgeschlossen. "Die Awo übernimmt die Betreuung und Versorgung der Menschen vor Ort", erklärt Brandt.

Die Neuankömmlinge erlebten dann auch gleich einen Schreck in der Abendstunde. Eine Brandmeldeanlage war angesprungen und die Flüchtlinge mussten kurzzeitig evakuiert werden. Das Signal wurde aber aber kurz darauf als Fehlalarm entlarvt.

Die 38 Neuankömmlinge sind nach Auskunft des Landes bereits in Eisenhüttenstadt registriert worden. Die Flüchtlinge werden am Mittwoch und Donnerstag in der Poliklinik des Carl-Thiem-Klinikums allgemeinmedizinisch untersucht. "In Cottbus ist keine Registrierung vorgesehen", erklärt Brandt. "Die Menschen bleiben maximal drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung. Wir liegen aber im Land bei einem Schnitt von vier Wochen. Danach werden sie auf die Landkreise und kreisfreien Städte aufgeteilt." Wie lang die Notunterkunft als Außenstelle in Cottbus erhalten bleibt, kann derzeit niemand beantworten.

Unterdessen ist die Hilfsbereitschaft in Cottbus ungebrochen. So hat das Fablab auf dem BTU-Campus jüngst 21 gespendete Fahrräder für Flüchtlinge wieder straßentauglich gemacht. Ron Jacob erzählt: "Viele Freiwillige und Flüchtlinge haben dabei geholfen." Die Polizei gravierte die aufgemotzten Drahtesel mit dem Schriftzug "Leihgabe Fablab-CB.de" und das Unternehmen Fahrrad Schenker spendierte neue Lampen und Schlösser. "Die Räder sind jetzt in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hegelstraße im Einsatz", sagt Ron Jacob. Ein großer Spendenschub erreicht am Montag auch die Regionalwerkstatt in Sachsendorf vom Humboldt-Gymnasium. Darunter sind Spielsachen, Kleidung und Bettwäsche. Ivette Kirschner freut das Engagement. "Trotzdem kommen wir langsam an unsere Grenzen. Deshalb bitten wir Spender, sich vorher bei uns zu melden, damit wir uns ein wenig besser organisieren können."