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Fliegenplage vermiest den Kahrenern den Sommer

Kirschkuchenessen auf der Terrasse oder eine Grillparty unter Nachbarn? Das sind Dinge, die sich die Bewohner einiger Straßen von Kahren trotz des einladenden Sommerwetters derzeit verkneifen. Die Ursache liegt im massenhaften Auftreten von Fliegen. Von Jahr zu Jahr tauchen die penetranten Plagegeister in Scharen auf, mal in Kahren, mal in Branitz oder in Kiekebusch. Und meist sind riesige Misthaufen in der Nähe. Von Daniel Steiger

Die Kahrener haben es satt. Knapp 30 Einwohner trafen sich am Montagabend im Neuhausener Weg, um gegenüber Vertretern des Cottbuser Umweltamtes, des Gesundheitsamtes und der Kahrener Agrargenossenschaft ihrem Ärger Luft zu machen. Reinhard Nieke wohnt am äußersten Ende der Straße. Hinter seinem Grundstück beginnt das Feld. Bis zu den Mistbergen sind es knapp 300 Meter. „Eine Grillparty ist vollkommen ausgeschlossen“ , sagt er. Das Schlafen bei offenem Fenster ist nur mit ausreichenden Fliegengittern möglich. „Ich komme vom Land. Mich stört es nicht, wenn mal ein paar Fliegen da sind. Aber nicht diese Massen“ , so Reinhard Nieke. Angelika Reichelt wohnt nur einige Häuser weiter. „Wir hatten letzte Woche eine Goldene Hochzeit zu feiern. Es war nicht möglich, draußen zu sitzen“ , erzählt sie. So wie ihr geht es vielen Kahrenern. Einige berichten von Freunden und Schwiegereltern, die wegen der Fliegen nicht mehr zu Besuch kämen. Doch das ist nicht das einzige Problem. „Sind die Fliegen denn gefährlich für den Menschen„ Können sie Krankheiten übertragen““ , wird Joachim Haferburg, der stellvertretenden Amtsarzt, gefragt. Um eine Antwort zu geben, müsse er sich erst in die Materie einarbeiten, antwortet der Mediziner. Er sei erst kürzlich mit dem Problem konfrontiert worden, habe deshalb noch keine Gelegenheit gefunden, sich zu informieren.
Für die Kahrener Betroffenen ist klar: Die Fliegenschwärme stammen aus den Mistbergen auf den Feldern der Agrargenossenschaft Kahren. Dieser Mist besteht zu einem Teil aus Stalldung und zum anderen aus Geflügelkot der Hühnerfarm Ehlego in Roggosen. Die Kahrener Agrargenossenschaft bekommt diesen Kot kostenlos von Ehlego und düngt damit ihre Felder, erzählt der Vorsitzende der Genossenschaft, Hans -Joachim Roßbach.
„Dürfen die das überhaupt so lange liegen lassen„“ , fragt Denny Schwietzer verwundert. Die Misthaufen lägen nun schon seit Pfingsten auf dem Feld, ohne dass da etwas passiert wäre. Ein Anwohner zitiert aus der Düngeverordnung. Dort steht, dass der Betrieb Geflügelkot auf unbestelltem Ackerland unverzüglich einzuarbeiten hat. Der Grund, warum dieser Paragraph hier nicht greift, ist für Birgit Uhlig, Sachgebietsleiterin vom Umweltamt, der Begriff unbestelltes Ackerland. „Unbestelltes Ackerland ist beispielsweise eine abgeerntete Fläche.“ Das Feld, auf dem der Hühnerkot in diesem Jahr abgeladen wurde, sei aber eine Stilllegungsfläche, die der Natur überlassen werde und nur einmal jährlich gemulcht werden müsse. Diese Fläche gelte somit nicht als unbestelltes Ackerland und dürfe als Lager für Geflügelkot genutzt werden, so Birgit Uhlig.
Seit gestern wird nun erforscht, wo die Ursache der Fliegenplage liegt. Dazu wurde an der B 122 auf einem Versuchsfeld auf wenigen Metern Hühnerkot ausgebracht und mehrere Flächen in der Größe von je einem Quadratmeter mit Stoff abgedeckt. Erste Untersuchungen im Hühnerkot förderten jedoch keine Fliegengelege zu Tage. „Wir fahren jetzt trotzdem fast täglich raus und untersuchen den Kot“ , informiert Birgit Uhlig vom Umweltamt. Anfang kommender Woche sollen die endgültigen Ergebnisse feststehen.
Im Jahr 1997 waren Fliegenlarven im getrockneten Hühnerdung festgestellt worden. Sprühaktionen mit Schädlingsbekämpfern blieben weitgehend erfolglos. „Und was ist, wenn die Suche nach den Larven erfolglos bleibt““ , fragt Denny Schwietzer. Immerhin könnten die Fliegen sich den bereits liegenden Haufen als Brutplatz gesucht haben. Bei bis zu 2000 Eiern pro Weibchen komme da schnell eine Plage zusammen.
Wer auf eine schnelle Lösung an diesem Abend gehofft hat, wird enttäuscht. „So lange wir nicht nachgewiesen haben, woher die Fliegen kommen, sind mir die Hände gebunden“ , sagt Birgit Uhlig. Immerhin soll in der kommenden Woche der „verdächtige“ Misthaufen auf anderen Feldern eingearbeitet werden. „Wenn das Wetter stimmt“ , schränkt Agrargenossenschafts-Chef Roßbach ein.

Hintergrund Die Stubenfliege
 Die Stubenfliege (lat.: musca domestica) wird ca. sieben bis acht Millimeter groß. Das Weibchen legt bis zu 2000 Eier. Im Sommer ist spätestens alle zwei bis drei Wochen mit einer neuen Generation zu rechnen. Unter günstigen Bedingungen, bei Temperaturen um 30 Grad, dauert die Entwicklung vom Ei bis zur fertigen Fliege nur sieben Tage.