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| 15:45 Uhr

Finanzen
Benefiz gegen klamme Kassen

Gerhard Printschitsch hofft auf ein erfolgreiches Benefiz-Konzert.
Gerhard Printschitsch hofft auf ein erfolgreiches Benefiz-Konzert. FOTO: TheaterNative C
Cottbus. Nach einem ungeplanten Leitungswechsel kämpft die Kleine Komödie in der Petersilienstraße mit Finanzsorgen.

Die Theaternative C fährt auch nach dem überraschenden Leitungswechsel weiter in stürmischem Fahrwasser: Jetzt geht es ums schnöde Geld. Nachdem der Kurzzeit-Leiter Hauke Tesch Ende Mai seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, war sein Vorgänger Gerhard Printschitsch wieder an die Spitze des Hauses gerückt. Und der hatte schnell gemerkt: Finanziell wird es eng.

Gerhard Printschitsch: „Eigentlich wollten wir gar nicht darüber reden, aber irgendwie hat es sich in der Szene trotzdem herumgesprochen, dass wir Probleme haben.“ Kollegen des Potsdamer Musikkabaretts „Schwarze Grütze“, seit zehn Jahren regelmäßig in Cottbus zu Gast, haben spontan Unterstützung angeboten. „Sie wollten bei uns ohne Gage auftreten, um uns aus der Bredouille zu helfen“, so der Theatermann. Rasch gesellten sich weitere Fans der Theaternative dazu: Der Sänger Beppo Pohlmann („Gebrüder Blattschuss“), Keyboarder Michael Mattusch (“nAund“), das Kabarett von Viola Kuch und Regine Lehmann, Heiko Selka, Fernsehstar Dorit Gäbler – sie alle finden sich zu einem Benefizabend in Cottbus ein, spielen ohne Gage und hoffen auf ein ausverkauftes Haus. Der Vorverkauf liefe gut, so Printschitsch, er freue sich riesig auf den Abend.

Die Gründe für die Finanznöte liegen nach seiner Einschätzung in einer unklugen Kassenführung seines Vorgängers Hauke Tesch. „Er hat in fünf Monaten so viel ausgegeben wie ich in neun.“ Zudem habe er zahlreiche Kostüme und Requisiten entsorgen lassen, ohne dafür Ersatz zu schaffen. „Zum Glück hat uns das Staatstheater großzügig Hilfe angeboten“, freut sich Gerhard Printschitsch, der seit 25 Jahren in Cottbus Theater macht.

Hauke Tesch, der das Theater Ende Mai verlassen hat, sieht andere Gründe für die finanzielle Schieflage des Hauses. „Als ich am 31. Mai gegangen bin, waren 5000 Euro mehr in der Kasse als im Mai 2017.“ Zudem habe er in den ersten Wochen seines Wirkens keinen Einblick in die Konten gehabt, wusste nicht, wie sparsam er hätte wirtschaften müssen. Außerdem sei er bei der Übernahme von deutlich höheren Besucherzahlen ausgegangen, als die Theaternative in den letzten zwei Jahren tatsächlich habe aufweisen können.

In den vergangenen Jahren, das sagt auch Gerhard Printschitsch,  sei es immer schwieriger geworden, die Kleine Komödie zu finanzieren. „Anfangs gab es Fördergelder aus dem Westen. Als die wegfielen, mussten wir die Preise anheben – was natürlich auch für das Publikum eine Belastung ist.“ Zwar sei die Auslastung des Sommertheaters sehr gut, bei anderen Vorstellungen würde er sich manchmal allerdings mehr Publikum wünschen. „Ich selbst habe zwar auch schon mal nur für ein Ehepaar gespielt, eigentlich liegt unsere Grenze aber bei zehn Personen.“ Sind weniger Karten verkauft, bleibt der Vorhang zu, die Kassen leer.

„Geld verdienen wir mit unseren Gastspielen“, erklärt der Theaterchef. „Dabei bleibt etwas Geld hängen, deswegen sind sie für unser Überleben wichtig.“ Rund 170 000 Euro braucht er im Jahr, um rund 200 Vorstellungen auf die Bühne zu bringen und seine drei fest angestellten Mitarbeiter zu bezahlen. „Es hilft sehr, dass die Stadt ihren jährlichen Zuschuss von 50 000 auf 75 000 Euro erhöht hat“, so Printschitsch. Auch eine zügige Überweisung des Geldes erleichtere ihm das Wirtschaften. „Wir können uns in diesem Jahr nur noch eine Inszenierung leisten, mehr ist nicht drin.“ Da er aber wisse, wie er wirtschaften muss, sei das Überleben des Hauses gesichert. Bis September 2019 will der 70-Jährige die Kleine Komödie leiten. „Bis dahin hat sich dann hoffentlich ein Nachfolger gefunden, der künstlerisch und betriebswirtschaftlich eine glückliche Hand hat.“

Das Benefizkonzert zugunsten der Kleinen Komödie findet am Donnerstag, dem 23. August, statt. Beginn 20 Uhr, die Karten kosten 20 Euro.