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Filmreifer Trauerzug für Pückler

Die Schönburgische Schloßcompagnie Glauchau übernimmt die Rolle des Offizierkorps und feuert manche Salve ab.
Die Schönburgische Schloßcompagnie Glauchau übernimmt die Rolle des Offizierkorps und feuert manche Salve ab. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das exzentrische Leben von Fürst Pückler füllt zahlreiche Bücher. Jetzt kommt er endlich zum Film. Am Freitag haben die Dreharbeiten für seine Biografie begonnen – mit der Beerdigung. Das Dokudrama wird in der ZDF-Reihe "Terra X" im kommenden Jahr ausgestrahlt. Peggy Kompalla

Die Flagge am Schloss ist auf Halbmast. Vor dem herrschaftlichen Haus hat sich eine Trauergemeinde eingefunden. 80 Leute sind es, darunter ein herausgeputztes Offizierskorps in preußischer Uniform. Fürst Pückler wird zu Grabe getragen. Es ist Freitagmittag und die Kamera läuft.

Eike Schmitz und Philipp Grieß von Atlantis-Film Berlin haben bereits das Leben großer Männer verfilmt: Shakespeare, Darwin, Casanova. Pückler passt in diese Reihe vortrefflich. Die beiden Dokumentarfilmer konnten davon auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) überzeugen. "Pückler war ein preußischer Dandy und dabei so undeutsch. Er war ein Intellektueller und gleichzeitig ein Praktiker", sagt Schmitz. Und Grieß ergänzt: "Er wusste sich immer zu inszenieren. Wäre er 150 Jahre später geboren, wäre er Filmemacher geworden." Die Dreharbeiten für die Pücklerbiografie ziehen sich über das ganze Jahr und haben am Freitag mit der Beerdigung begonnen.

Parkleiter Claudius Wecke steckt im Gehrock, ein knöchellanger schwarzer Umhang über den Schultern. Nase und Ohren sind rot gefroren. Strahlend sagt er: "Das Wetter ist perfekt." Dazu breitet er die Arme aus. "Als Pückler am 9. Februar 1871 beerdigt wurde, war es auch kalt und diesig. Es lag Schnee und es war ungemütlich." Derweil er das erzählt, wird eine Salve abgefeuert. "Das ist ordnungsbehördlich abgesegnet", versichert Wecke. Es knallt einige Male, dann eilt Wecke in den Trauerzug zurück.

Eike Schmitz gibt das Kommando: "Folgende Reihenfolge: Pfarrer, Ananas, Orden, Urne, Sarg." Dahinter die Trauernden - darunter viele Mitglieder des Fördervereins Fürst Pückler in Branitz. Produktionsassistentin Viola Förster achtet darauf, dass keine Dame Lippenstift trägt, den es damals nicht gab. "Der Kleinkram ist am wichtigsten." Sprach's und huscht zwei Besuchern entgegen, die ins Bild zu laufen drohen.

Immer wieder geht es auf Anfang. Manche Szenen sind nur drei Schritte lang. Immer wieder wuchten die sechs Männer den schweren Sarg auf die Schultern. Kameramann Jakob Stark: "Die zwei müssen nach vorn kommen. Das gibt mehr Dynamik." Er zeigt auf Zwerg Billy Masser und den Pfarrer. Cutter Mathieu Honoré und Regisseur Schmitz nicken.

So vergehen die Stunden im Vorwärts und Rückwärts und doch behält auch die Trauergemeinde die gute Laune. Student Christoph Hein ist extra aus Potsdam angereist. Ihn hatte eine Mail aus dem Staatstheater erreicht, erzählt er. Als Komparse war er auf der Bühne im Einsatz, vor der Kamera ist es das erste Mal. "Das ist ganz anders. Wenn etwas nicht klappt, wird alles wiederholt." Das dauert. Da kriecht die Kälte sogar durch die zwei Mäntel, die der Student trägt. Trotzdem weiß das Filmteam immer aufzumuntern. Sei es mit heißer Suppe oder einem gereichten Taschentuch. Am späten Nachmittag erreicht die Trauerschar die Wasserpyramide - sechs Stunden hat es gedauert.