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Filigrane Konstruktion für die Parkbahn

Professor Hans-Christoph Thiel beschreibt die Dachkonstruktion als schlank, transparent und filigran.
Professor Hans-Christoph Thiel beschreibt die Dachkonstruktion als schlank, transparent und filigran. FOTO: GRAFIK: BTU, FACHGEBIET INFORMATIONSVERARBEITUNG IM BAUWESEN / VERMESSUNGSKUNDE, PROF. DR.-ING. GEROLD NOACK
Cottbus. BTU-Professor reagiert auf die Bedenken der Branitzer Parkfachleute: Sie fürchten um das Weltkulturerbe durch die Pläne der Parkbahn am Bahnhof Zoo. Dort soll ein Bahnsteigdach seine neue Heimat finden. Das stammt fast aus Pücklers Zeiten. Peggy Kompalla

Die Pläne der Parkbahn, ein historisches Bahnsteigdach am Bahnhof Zoo aufzustellen, sorgt für Unbehagen. Branitzer Parkfachleute und Denkmalschützer fordern eine Sichtfeldstudie, um die Dimensionen der Konstruktion vor Ort zu verdeutlichen und darüber hinaus andere Standorte zu prüfen.

Die Bedenken will BTU-Professor Hans-Christoph Thiel vom Fachgebiet Eisenbahnwesen zerstreuen. Die Universität ist über den Förderverein der Parkeisenbahn mit mehreren Fachgebieten in das Projekt involviert. Die Wissenschaftler liefern die Grundlage für die Rettungsaktion. Denn ohne die Initiative des Fördervereins wäre das Bahnsteigdach aus dem Jahr 1888 im Zuge der Modernisierung der Bahnsteige auf dem Schrott gelandet. Dabei ist die Konstruktion das letzte Überbleibsel des historischen Bahnhofs Cottbus.

Professor Thiel betont, dass alternative Standorte im Vorfeld des Projektes geprüft wurden. "Sie mussten jedoch aus bautechnischen, geometrischen und bahnbetrieblichen Gründen ausgeschlossen werden", betont er. Das liege zunächst an den Maßen der Bauteile, die wegen der Statik nicht verändert werden können. "Dies betrifft vor allem die Abstände der Stützen untereinander. Es besteht also kaum Spielraum, die Abmessungen zu verändern, es lassen sich jeweils immer nur einzelne Dachsegmente zusammenfügen. Davon ausgehend wurden alle Bahnhöfe als alternative Standorte geprüft", versichert der Professor.

Am Bahnhof Sandower Dreieck lasse die Tragwerksgeometrie das Aufstellen nicht zu. Das Bahnhofsgebäude liegt zu dicht an den Gleisen.

Am Bahnhof Stadion der Freundschaft stehe ein geschützter Baum im Weg. Darüber hinaus verfügen beide Bahnsteige über Wetterhäuschen, und das Aufkommen an Fahrgästen rechtfertige nicht eine solche Investition.

Der Bahnhof Park und Schloss Branitz ist von Bäumen dicht umwachsen, die ein Aufstellen des Daches behindern. Es gibt nur einen Bahnsteig, und das Fahrgastaufkommen ist relativ gering.

Auf die Befürchtung der Überdimensionierung entgegnet Hans-Christoph Thiel: "Die unterschiedlichen Proportionen zwischen großer Eisenbahn und kleiner Parkeisenbahn relativieren sich dadurch, dass eine Transformation von einem reinen Bahnsteigdach hin zu einer Bahnhofshalle stattfindet. Die Konstruktion des Bauwerks ist schlank, transparent und filigran. Man sieht hindurch, es gibt keine Barriere und es wird keine hohe, womöglich hohe Wand errichtet."

Der Bau des ursprünglichen Bahnsteigdachs auf dem Cottbuser Bahnhof im Jahr 1888 und damit auch das Alter der Bauteile seien so weit von der Zeit Fürst Pücklers (1785 bis 1871) nicht entfernt. "Sie passen daher auch stilistisch zum Umfeld. Die gusseisernen, blauen Wegweiser im Branitzer Park weisen beispielsweise eine große Ähnlichkeit mit den Säulen auf, die das Bahnsteigdach tragen", sagt Hans-Christoph Thiel.

Das Dach selbst steht nicht unter Denkmalschutz. "Es ist allerdings denkmalwürdig, davon sind Fachleute überzeugt", betont der Professor. "Nur wegen der Option der Umsetzung zum Parkbahnhof Zoo und der Unterstützung der DB Station & Service AG konnte das Tragwerk gerettet werden." Umso tragischer wäre aus Sicht des Wissenschaftlers ein Scheitern.