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| 19:36 Uhr

Einzelhandel
„Verkaufen, was man selber kaufen würde“

 Antje Liebheit (l.) und Grit Donner-Blumrodt, die Inhaberinnen des Cottbuser Spielzeug­ladens Fidibus.
Antje Liebheit (l.) und Grit Donner-Blumrodt, die Inhaberinnen des Cottbuser Spielzeug­ladens Fidibus. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Der Spielzeugladen Fidibus zeigt, wie man sich als privater Einzelhändler in der Innenstadt behauptet. Mit cleveren Konzepten binden die zwei Inhaberinnen Kunden an ihr Geschäft. Und die kommen nicht nur aus Cottbus. Von Nils Ohl

Der Eckladen gleich hinter dem Cottbuser Rathaus sieht aus wie ein Kinderparadies: Kaufmannsladen, Stoffpuppen, Holzautos, eine Murmelbahn - alles voller Spielzeug.

„Oh mein Gott“, freuen sich zwei Mädchen und zeigen einander kleine Backförmchen.

Im Spielzeugladen Fidibus dreht sich alles um die Wünsche von Kindern. Doch wie kann so ein kleiner Laden in der hart umkämpften Branche angesichts übermächtiger Ketten und Onlinehändler bestehen? Noch dazu mitten in der Innenstadt und weitab von Einkaufszentren mit kostenlosen Parkplätzen.

Fidibus verkauft in Cottbus hochwertiges Spielzeug

„Wir setzen auf hochwertiges Spielzeug mit langer Lebensdauer“, erklärt Antje Liebheit, eine der beiden Inhaberinnen. Das Geschäft wurde 1992 von Grit Donner-Blumrodt gegründet, seit Ende 2017 ist es am jetzigen Standort.

Mit dem Umzug von der Burgstraße in die Bärgasse hat sich die Verkaufsfläche auf 120 Quadratmeter verdreifacht. Ein mutiger Schritt, den die beiden Frauen gegangen sind, auch wenn es für die Modernisierung des Geschäftes EU-Fördermittel gab. Damals ist auch Antje Liebheit als zweite Inhaberin eingestiegen.

Grit Donner-Blumrodt meint: „Damit haben wir, auch in Bezug auf die Nachfolge, eine Situation  mit langfristiger Perspektive an diesem Standort geschaffen. Aber jetzt müssen wir das erst mal zu zweit rocken.“

Mit guten Ideen gegen das Ladensterben

Denn selbst hochwertiges Spielzeug verkauft sich nicht von selbst. Dafür braucht es gute Ideen.

Eine davon ist die Fidibus-Wunschbox. Zu einem besonderen Ereignis, beispielsweise einem Geburtstag, packen die Eltern diese Kiste. Verwandte und Freunde könne sich dann davon aussuchen, was sie bezahlen. Eine gute Alternative zum Gutschein.

Oder es gibt Angebote wie selbstgenähte Zuckertüten. Nach dem Schulanfang kann die stützende Pappe herausgenommen und durch ein Kissen ersetzt werden. „Da hat man ein schönes Kuschelkissen und muss die Zuckertüte nicht wegwerfen. Das war jetzt ein Renner“, erklärt Antje Liebheit und hält dabei ein Kissen-Innenteil hoch, das aussieht wie eine riesige weiße Zipfelmütze.

Spielzeugladen Fidibus will sich zum Concept-Store entwickeln

„Wir wollen uns zum Concept-Store entwickeln“, sagt sie. Kunden sollen im Geschäft nicht nur ein Produkt, in diesem Fall Spielsachen, finden, sondern auch alles drumherum, also auch Zuckertüten oder Kinderbekleidung. Ganz wichtig sei die individuelle Kundenberatung, auch aus den eigenen Erfahrungen als Mutter heraus.

Auch das Angebot muss stimmen. So wird viel Wert darauf gelegt, dass die Lieferanten in Deutschland produzieren. So kommen zum Beispiel Holzautos, hölzerne Spielzeugtiere oder „Waren“ für den Kaufmannsladen aus dem Erzgebirge. Sachen, mit denen teilweise schon die Eltern gespielt haben.

Das Material der Spielzeuge, ob Holz oder Bauwolle, ist zertifiziert. Das macht sie nicht unbedingt billig.  „Aber unsere Kunden akzeptieren das nicht nur, sie fordern es. Sie achten auf Dinge wie  ,Made in Germany’ oder speichelechte Lacke und Lasuren“, so Antje Liebheit.

Bei Fidibus in Cottbus geht es auch ohne Online-Shop

Und anders als im Online-Shop können die Kunden alles anfassen und probieren, genauso, wie die Kinder im Laden spielen können.
Obwohl der Schwerpunkt auf dem stationären Handel liegt, ganz ohne Online-Präsenz geht es auch bei Fidibus nicht. „Wir informieren unsere Kunden über Instagram und Facebook. Ein eigener Online-Shop ist im Aufbau, vor allem, damit auch auswärtige Kunden auf unser Sortiment zugreifen können“, sagt Antje Liebheit.

Als Kunden kommen vor allem Cottbuser. „Aber wir merken schon den Touristenstrom“, meint Grit Donner-Blumrodt. „Die Stadtführungen zwischen Altmarkt und Postkutscher-Denkmal gehen alle bei uns vorbei.“ Weitere wichtige Kundengruppen sind „Weihnachtsrückkehrer“ oder auch die Besucher des Filmfestivals. Hier zahle sich die Lage in der Innenstadt aus.

Kundenbindung über Generationen

Vor allem habe man es geschafft, die Kunden über mehrere Generationen zu binden. „Denn frühere Kunden bringen inzwischen schon  ihre Enkel mit“, freut sich Grit Donner-Blumrodt.

Unter dem Strich ist es die Kombination aus gutem Konzept, Kundenbindung, spezifischen Produkten und der richtigen Lage, mit der sich kleine Einzelhändler in der Innenstadt behaupten können.

Grit Donner-Blumrodt bringt es so auf den Punkt: “Man muss das verkaufen, was man selber kaufen würde.“