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Feuerwerker zwischen Lust und Vernunft

Trotz scharfer Kontrollen gelingt es Fans immer wieder, verbotene Bengalos in die Stadien zu schmuggeln – ein gefährliches Spektakel.
Trotz scharfer Kontrollen gelingt es Fans immer wieder, verbotene Bengalos in die Stadien zu schmuggeln – ein gefährliches Spektakel. FOTO: dpa
Cottbus. Die Polizeipräsenz war dezent aber spürbar: Da der bekennende "Lustfeuerwerker" Wolfgang Spyra auch Ultras aus der harten Fanszene von Energie Cottbus zu seinem Vortrag an der BTU eingeladen hatte, gab es leise Sicherheitsbedenken – zu unrecht. Andrea Hilscher

Wolfgang Spyra, emeritierter Professor der BTU Cottbus-Senftenberg, kämpft offenbar mit zwei Seelen ihn seiner Brust: Vernunft, Erfahrung und die Gesetzeslage in Deutschland sagen ganz klar: Pyrotechnik in deutschen Stadien ist verboten und gefährlich. Spyras Herz aber geht auf, wenn es knallt und zischt. Der Geruch nach Schwarzpulver ist seine Droge und Bilder von imposanten Bengalo-Choreografien im Stadion scheinen ihn ähnlich zu begeistern wie deren Urheber.

Sein Vortrag an der BTU war dem Thema "Pyrotechnik in der Erlebniswelt Fußball" gewidmet und hatte sehr unterschiedliche Zuhörer in den voll besetzten Großen Hörsaal auf dem Zentralcampus gelockt. Da waren Menschen wie Annemarie Grimmler, die nicht wegen des Fußballthemas sondern schlicht wegen des Referenten gekommen waren. "Herr Spyra schafft es, sein Wissen so an den Mann zu bringen, das Bürger wirklich gut informiert werden." Auch Anneliese und Jürgen Andretzki sind Stammhörer der öffentlichen Vorlesungsreihe zur Forensik, setzten auf die aufklärende Wirkung von Spyras Vortrag. "Pyrotechnik in Stadien ist eine furchtbare Sache, man traut sich wegen der Gefahren gar nicht mehr dorthin", sagen sie.

Andere, wie der Fußballfan Maik Blümel, wissen nicht so recht, wie sie zu Bengalos, Rauchfackeln und Chinaböllern im Stadion stehen sollen. "Klar ist es verboten, vielleicht auch gefährlich. Aber es sorgt auch für zusätzliches Kribbeln während des Spiels." Andere Fans erinnern sich fast mit Wehmut an ein Erstligaspiel von Energie Cottbus, bei dem das Abbrennen von Pyrotechnik erlaubt und als Teil der Choreografie eingeplant war. "Sah super aus", sagen sie, fügen dann noch an: "Stadien sind die sichersten Orte der Welt, das muss man auch mal sehen." Und: "Durch die Aktionen mit den Bengalos kommen bestimmt 1000 oder 1500 Leute mehr ins Stadion, da kann sich der Verein die paar Strafen gut leisten."

Trotz aller Unterschiede - dem Vortrag lauschten die Zuhörer gebannt, bis auf wenige Zwischenrufe blieb die Stimmung friedlich. Als der "Lustfeuerwerker" allerdings einige Fotos von zerfetzten Händen, verbrannten Füßen und einem völlig zerstörten Gesicht an die Wand warf, kollabierte eine Frau und musste aus dem Saal getragen werden.

"Derartige Verletzungen, so selten sie auch in Stadien sind, seien nie auszuschließen", warnt Wolfgang Spyra. Pyrotechnik kann in der Hand explodieren oder Kleidung entzünden, Füllstoffe können schwere Verletzungen verursachen, Rauchgase Asthmaanfälle auslösen.

Zusammen mit anderen Experten arbeitet Spyra jetzt an der Entwicklung von "Pyrobubbles": Eimer, die mit winzigen Glaskügelchen gefüllt sind: In ihnen lassen sich alle Arten von Pyrotechnik schnell entschärfen.