ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:34 Uhr

Feuerwehr wagt Neues und liebt Altes

Cottbus. Die Einsatzkräfte werden knapp. Deshalb soll in Cottbus erstmals ein Stützpunktgerätehaus im Süden errichtet werden, das vier Häuser in den Ortsteilen ersetzt. Das hilft zwar bei der Einsatzbereitschaft, birgt aber auch eine Gefahr. Peggy Kompalla

Die Freiwillige Feuerwehr hat ein Problem: Die Einsatzkräfte werden immer weniger. In Cottbus ist ihre Zahl innerhalb von drei Jahren zwischen 2013 und 2016 um 48 auf 389 zurückgegangen. Damit ist das auch ein Problem für den Rest der Stadt. Denn wenn die Retter zu spät kommen, hat das im Zweifelsfall schlimme Konsequenzen. So weit soll es nicht kommen, deshalb geht die Cottbuser Feuerwehr neue Wege. Es wird erstmals ein Stützpunktgerätehaus im Süden der Stadt errichtet.

Den Argumenten beugt sich nun auch der Präsident des Stadtfeuerwehrverbandes Cottbus. Wolfgang Bialas machte das am Donnerstagabend während der Delegiertenversammlung in seiner Rede deutlich. "Die besondere Situation der Südwehren Gallinchen, Groß Gaglow, Kiekebusch und Madlow bezüglich Fahrzeugbestand, Gerätehausperspektiven, territorialer Nähe und Verfügbarkeit der Einsatzkräfte sprechen für eine wehrübergreifende Neuausrichtung." Doch Bialas weist auch auf die Gefahren hin. Denn mit dem Stützpunktgerätehaus gibt die Stadt die Bewirtschaftung der Häuser in den Ortsteilen auf. "Im Klartext heißt das, entweder die Aufgabe des Standortes oder die Übernahme durch einen anderen Träger oder Verein", sagte er und betonte weiter: "Aufgabe des Standortes heißt klipp und klar, Aufgabe und Ende der jeweiligen Freiwilligen Feuerwehr im Ortsteil. Dieses Szenario darf nicht eintreten."

Deshalb seien kreative Lösungen ohne Zeitdruck nötig, erklärte der Präsident. Ein gutes Beispiel dafür gebe Willmersdorf ab. "Da wird in diesem Jahr das Dorfgemeinschaftshaus mit Fördermitteln saniert und die notwendigen Eigenmittel der Stadt werden insbesondere für den Feuerwehrgerätehausteil verwendet." Ähnliches müsse in Gallinchen möglich sein. Dieter Schulz aus Groß Gaglow unterstützt das. Der Ortsvorsteher erklärte: "Die Stadt kann sich nicht aus der Gesamtverantwortung stehlen." Die Groß Gaglower kümmern sich demnach bereits um den Friedhof und die Sportanlagen im Dorf. Das Ortsteilbudget lasse keine Spielräume für weitere Aufgaben.

Jörg Specht versteht die Ängste, stammt er doch selbst aus Gallinchen. Aber als Feuerwehrchef betonte er: "Die Feuerwehr ist zuerst für die Gefahrenabwehr zuständig. Erst weit dahinter kommt die gesellschaftliche Funktion. Diese Wertigkeit muss deutlich sein." Die neue Strategie erhöhe die Einsatzbereitschaft. Jörg Specht ist sicher: "Wir werden für jede Feuerwehr eine Lösung finden."

Die Feuerwehr kämpft mit zwei gegensätzlichen Entwicklungen: Zum einen werden die Einsatzkräfte knapper, zum anderen nimmt die Zahl der Einsätze zu. Dieser Trend hat auch im Jahr 2016 angehalten. Laut Feuerwehrchef gab es 20 383 Einsatzfahrten im Rettungsdienst und damit 1356 mehr als 2015. Dabei sei Cottbus im vergangenen Jahr zweimal an "Großgefahrenlagen" vorbeigeschrammt - beide Male waren Gefahrguttransporte im Spiel. Im Februar war ein Lkw in Gallinchen umgekippt, der flüssigen Stickstoff geladen hatte - dabei aber nicht Leck schlug. Anders war es bei einem Kesselwagen auf dem Bahngelände. Bei dem Gefahrguttransporter lief Flüssigkeit aus. Es stellte sich glücklicherweise heraus, dass es sich dabei nur um Wasser handelte.

Angesichts dieser Ereignisse ist Jörg Specht zufrieden, dass sich 23 Feuerwehrleute gefunden haben, die ab März in der Fachgruppe ABC ausgebildet werden. "Dabei arbeiten wir mit der Gefahrstoffeinheit in Spree-Neiße zusammen", sagte der Feuerwehrchef und fügte den Seitenhieb an: "Das geht auch ohne Kreisreform."

Zum Thema:
Präsident - Wolfgang Bialas,Erster Vizi-Präsident - Kay Kruppa,Schatzmeister - Jürgen Arndt,Öffentlichkeitsarbeit - Sebastian Klose,Kassenprüfer - Petra Melde und Ute Zellmann.