Die Cottbuser Feuerwehrleute sind im vergangenen Jahr rund 21 300-mal ausgerückt. Das sind knapp 2500 Einsätze mehr als im Jahr 2014. Diese Statistik zitierte der Cottbuser Feuerwehrchef Jörg Specht am Donnerstagabend bei der Delegiertenversammlung des Stadtfeuerwehrverbandes.

Die Zahlen sind keine Jubelarie. Sie legen vielmehr ein Problem offen. Denn fast 90 Prozent der Einsätze fährt der Rettungsdienst (rund 19 000). "Die Belastung beim Rettungsdienst ist extrem. Diese Einsätze haben um 13 Prozent zugenommen", erklärte Specht. Die Besatzung der Berufsfeuerwehr leide unter dem Druck. Das lasse sich am erhöhten Krankenstand ablesen, so Specht. "Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, mit den Krankenkassen um den Vorbehalt von zusätzlichen Krankenwagen in Verhandlung zu gehen."

Zusätzlich muss die Feuerwehr mit immer weniger Einsatzkräften ihre Aufgaben zum Wohl der Menschen erledigen. Deshalb wird nach neuen Strategien gesucht. Damit setzen sich nicht die Cottbuser allein auseinander. Das ist längst Hauptthema beim Landesfeuerwehrverband, dessen Vizechef Jörg Specht seit Herbst 2015 ist. "Wir müssen die Feuerwehr einsatzbereit halten. Dafür müssen wir in den Regionen angepasst neue Wege finden", erklärte er. Das Ehrenamt werde weiterhin die Hauptlast tragen. "Wir müssen deshalb über Kooperationen und Zusammenlegungen sprechen." Eine Strategie könnte etwa sein, Stützpunkt-Feuerwehren zu etablieren, die in der Kernzeit mit hauptamtlichen Kräften besetzt sind. "Das würde das Ehrenamt bei der wachsenden Zahl der ,Bagatell-Einsätze' entlasten." Das sei jedoch noch Zukunftsmusik. Doch selbst über die Finanzierung eines solchen Modells gibt es bereits Vorstellungen. "Dafür könnten sich die Gemeinden ähnlich wie bei der Regionalleitstelle zusammenschließen", sagte Jörg Specht.

In Anbetracht dieser Zukunftsdiskussion betonte Wolfgang Bialas die Bedeutung der Wehren vor Ort. Der Präsident des Cottbuser Stadtfeuerwehrverbandes sagte: "Freiwillige Feuerwehr ist keine freiwillige, sondern eine pflichtige Aufgabe. Freiwillige Feuerwehr gibt es nicht zum Nulltarif." Damit spielte er auf die miserable Haushaltslage der Stadt an und die deshalb zurückgesetzten Investitionen. So wurde das neue Gerätehaus in Gallinchen zwar geplant, wird aber nicht gebaut. Auch die Beschaffung neuer Technik wird weiter gestreckt. Der Präsident, der selbst als CDU-Abgeordneter im Stadtparlament sitzt, forderte die Politik auf: "Cottbus muss vom Kommunalen Investitionsprogramm Gebrauch machen."

Dringend erforderlich sind aus seiner Sicht Reparaturarbeiten an den Gerätehäusern in Ströbitz und Schmellwitz. Darüber hinaus müsse der Umbau der Willmersdorfer Wehr fortgesetzt werden. "Für alle weiteren Gerätehaussanierungen sollten wir die Aktualisierung des Gefahrenabwehrplanes abwarten", erklärte Bialas, nicht ohne nachzuschieben: "Bei allen notwendigen Überlegungen, die geringere Zahl der Einsatzkräfte wehrübergreifend zu bündeln, muss Feuerwehrgerätehaus wie Kirche und Friedhof im Dorf bleiben!"

Zum Thema:
Mitarbeiter und Mitglieder: Die Cottbuser Berufsfeuerwehr zählt derzeit 203 Mitarbeiter. In den 16 freiwilligen Wehren der Stadt sind 667 Mitglieder organisiert. Davon gehören 395 zum Einsatzdienst. Das sind 25 weniger als noch 2015. Im Vergleich zu 2014 gab es bereits ein Minus von 17 Einsatzkräften. Stadtverbandspräsident Wolfgang Bialas: "Die Tendenz ist seit zwei Jahren sehr deutlich." In den Jugendwehren der Stadt sind 177 Kinder und Jugendliche organisiert, darunter 39 Mädchen und 49 Kinder unter zehn Jahren. Einsätze: Die Cottbuser Feuerwehrleute fuhren 2015 zu genau 21 275 Einsätzen raus. Feuerwehrchef Jörg Specht: "Das ist ein neuer Rekord."Die Wehren rückten zu 286 Bränden, 1687 Hilfeleistungen, 275 Fehlalarmen (davon 140 aufgrund technischer Defekte) und 19 027 Rettungsdiensteinsätzen aus. Ehrungen: Der Stadtverband ehrte am Donnerstagabend mehrere Mitglieder. Ingolf Attula wurde für sein besonderes Engagement für den Feuerwehrsport geehrt. Marcel Schiemenz erhielt das Ehrenzeichen der Landesjugendfeuerwehr in Silber. Andreas Melde wurde die Schiedsrichter- und Kampfrichterspange in Bronze überreicht. Jürgen Arndt erhielt diese Spange in Gold, genauso wie Petra Melde und Rainer Sadowski.Hendrik Zäbe erhielt das Ehrenkreuz des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg. Jubiläen 2016: Die Freiwillige Feuerwehr Saspow wird in diesem Jahr 120 Jahre alt, die Wehren in Schmellwitz und Ströbitz 110 Jahre alt, die Willmersdorfer Wehr 90.