| 18:12 Uhr

Fernsehgottesdienst
Oberkirche überzeugt das ZDF

Die Sänger der Kantorei proben mit Kantor Peter Wingrich.
Die Sänger der Kantorei proben mit Kantor Peter Wingrich. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Am Totensonntag wird der Fernsehgottesdienst aus Cottbus übertragen. Die RUNDSCHAU war bei einer Probe dabei.

700 Menschen haben den Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der Cottbuser Oberkirche St. Nikolai miterlebt. Für den Totensonntag in zwei Wochen können an die beeindruckende Zahl drei Nullen angehängt werden. Auch zwei bis drei Millionen Augen- und Ohrenzeugen liegen im Bereich des Möglichen. Denn der Fernsehgottesdienst ist  zu Gast in der größten Kirche der Niederlausitz.

Nicht zum ersten Mal. An einem Karfreitag in den 1980er-Jahren, wahrscheinlich war es 1984, habe es das schon einmal gegeben. Daran erinnern sich die Älteren am Rande einer Probe für das große Ereignis. Damals war das Fernsehen der DDR zu Gast. Beim ZDF wird alles ein paar Nummern größer: der Übertragungswagen, die  Licht-, Ton- und Kameratechnik und natürlich Reichweite und Zuschauerzahl. Auch das Kirchengebäude zeigt sich nach umfassender Sanierung in den Jahren 2004 bis 2008 so schön wie lange nicht.

Wenn Dietmar Schoene bei der Probe die Orgel spielt und der Chor der Kantorei das alte Kirchenlied „Morgenglanz der Ewigkeit“ anstimmt, liegt eine berührend feierliche  Stimmung im Kirchenraum. Die lässt sich noch steigern, wie sich in der weiteren Abfolge von Gebeten, Erfahrungsberichten und  Gesängen zeigt. Alles folgt einem Drehbuch unter dem Sendetitel „Woran ich mich halten kann“.

Am Totensonntag wird traditionell der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Zugleich tritt die Endlichkeit des eigenen Lebens in den Blick. Menschen aus der Gemeinde der Oberkirche berichten, welche Gedanken ihnen dabei durch den Kopf gehen. Sie stellen sich die Frage: Woran kann ich mich halten, wenn mich nichts mehr hält und ich einmal loslassen muss?

Für die Konzeption zeichnet  Pfarrer Stephan Fritz verantwortlich. Auch bei der Probe hält der ZDF-Senderbeauftragte der Evangelischen Kirche die Fäden in der Hand. Gibt Regieanweisungen und spart nicht mit Lob für die drei Cottbuser, die mit sehr persönlichen Worten zum Thema Sterben und Verlust, diesen Gottesdienst zu etwas ganz Besonderen machen: die Lehrerin und GEW-Kreisverbandsvorsitzende Ingrid Höfner-Leipner, die junge Mutter Elisabeth Krautz, sowie der Krankenhaus-Seelsorger Uwe Müller.

Wie das ZDF bei seiner Planung gerade auf die Oberkirche gekommen ist, erläutert Stephan Fritz so: „Wir wollten einen Gottesdienst aus Brandenburg, und wir wollten Bischof Dröge. Dazu kam der wunderbare Auferstehungsaltar in dieser hellen Kirche.“ Ziel sei ein Gottesdienst, der Mut macht und von Glaubenshoffnung kündet. „Die hervorragende Kirchenmusik, eine begnadete Superintendentin und die wunderbare Teamfähigkeit der Leute“ hätten ein Übriges zur Entscheidung beigetragen.

Dass schon die Probe  einen tiefen Eindruck hinterlässt, kommt nicht von Ungefähr. Schließlich liegt ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit hinter den Mitwirkenden. „Beim ZDF-Seminar haben wir gelernt, wie man vor der Kamera Texte gestaltet“, erzählt Ingrid Höfner-Leipner. Zuvor habe sie lange überlegt, ob sie vor großem Publikum über ihr eigenes Erleben sprechen solle, gesteht die erfahrene Lektorin.  Wie gut, dass sie sich dafür entschieden hat. Genauso wie Uwe Müller, der als Seelsorger täglich Menschen bis zum Ende begleitet, oder die erst 21-jährige Elisabeth Krautz, die noch so viel vor hat im Leben. Sie alle machen mit ihren Worten und ihrer Persönlichkeit denen, die einen Verlust erlitten haben,  Mut.

Im Vorfeld der Übertragung bewegt die Superintendentin vor allem eine Sorge: „Die Kirche muss voll sein.“