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| 07:15 Uhr

Landtagswahl 2019
FDP-Chef Christian Lindner wirbt in Cottbus für die Liberalen

 Große Bühne und um die 300 Zuhörer. FDP-Chef Christian Lindner in Cottbus, Wahlkampfauftritt in der Alten Chemiefabrik.  Foto: Siegel
Große Bühne und um die 300 Zuhörer. FDP-Chef Christian Lindner in Cottbus, Wahlkampfauftritt in der Alten Chemiefabrik. Foto: Siegel FOTO: LR / Jan Siegel
Cottbus. FDP-Chef Christian Lindner macht Wahlkampf in der Lausitz und sein Besuch in Cottbus wurde in dieser Woche gleich zu einem kleinen Familientreffen für den Bundespolitiker. Von Jan Siegel

Die FDP ist in Brandenburg nicht unbedingt im Verdacht, eine bedeutende Rolle in der Landespolitik spielen zu können. Seit der Wahl 2014 sitzen die Liberalen nicht im Landtag. Doch die Bedeutung selbst der zurzeit eher unsichtbaren Brandenburger FDP könnte in der Nacht zum 2. September deutlich steigen. Voraussetzung dafür aber ist, dass sie den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Nach aktuellen Umfragen müssen die Liberalen dabei bisher weiter zittern.

Sollte ihnen der Sprung aber gelingen, dann könnten auch sie theoretisch in Brandenburg wieder eine gewichtigere Rolle spielen, am Ende möglicherweise gar als das sprichwörtliche „Zünglein an der Waage“.

Rückenwind für die Liberalen in der Lausitz gab's am Mittwochabend vom Chef selbst. Der Bundesvorsitzende der FDP Christian Lindner gab ein Wahlkampfgastspiel in der Lausitz. Bei zwei Auftritten in Cottbus und der Branitzer Siedlung zeigte der Vollblutpolitiker sein Talent als Entertainer.

Familiärer Draht in die Lausitz

Beim launigen Einstieg half ihm in beiden Fällen schon der Hinweis auf seine familiären Verbindungen nach Cottbus. Harald Lindner, ein Großcousin des FDP-Vorsitzenden, betreibt in der Lausitzmetropole nämlich einen Handel für Bürobedarf. Und so wurde die Lausitzvisite auch zu einem kleinen Familientreffen. Beide trafen sich am Rande der Wahlkampfauftritte, um ein bisschen zu reden.

Unterstützen wollte Christian Lindner aber vor allem die Spitzenkandidaten seiner Partei für die Landtagswahl in Brandenburg und im Spree-Neiße-Kreis, Hans-Peter Goetz und Jeff Staudacher.

 Christian Lindner, der Politikverkäufer der Freien Demokraten.
Christian Lindner, der Politikverkäufer der Freien Demokraten. FOTO: LR / Jan Siegel

Viele junge Leute im Publikum

In die Alte Chemiefabrik waren an die 300 Zuhörer gekommen. Und was dort zuerst auffiel, war der Altersdurchschnitt. Offenbar hatten die Jungen Liberalen in der Lausitz mächtig für den Auftritt geworben, und so sah man mehr 20- und 30-Jährige als beim Auftritt von Grünenchef Robert Habeck vor eineinhalb Wochen in Cottbus. Nach der Veranstaltung in der Alten Chemiefabrik wechselte der Liberalen-Chef direkt ins „Kulinarium“ auf Gut Branitz, wo etwa 30 Mitglieder des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft auf ihn warteten.

Christian Lindner verkündete an diesem Abend keine Neuigkeiten. Es waren die liberalen Positionen, wie man sie kennt. Wie sie Lindner aber an den Mann und die Frau brachte, zeigte einmal mehr sein politisches Verkäufertalent und dass er sich gut auf das jeweilige Publikum einstellen kann.

Bürokratieabbau und exzellente Ausbildung

Wenn die Wirtschaft schwächelt, gehe es nicht darum, immer mehr soziale Segnungen zu verteilen, sondern den Mittelstand von der Last überzogener Bürokratie zu befreien. Soziale Gerechtigkeit ist für Christian Lindner vor allem Bildungsgerechtigkeit und der Abbau von Bildungshürden zwischen den Bundesländern. Und Lindner warb für eine neue Exzellenz-Initiative, die sich nicht die Hochschulen, sondern die Berufsausbildung auf die Fahne schreiben müsse. „Es gibt durchaus ein menschenwürdiges Leben auch ohne Abitur“, sprach Lindner dem Lausitzer Mittelstand aus der Seele.

Beim Klimaschutz fordert Lindner in der Lausitz „Augenmaß“ und „Vernunft“. Offenbar beeindruckt hatte ihn ein Besuch am Vortag in Dresden. Dort besuchte er eine Firma, die aus Plastikabfällen mithilfe eines Pyrolyseverfahrens Kraftstoffe herstellt. Dass der in einem solchen Kreislaufprozess produzierte Kraftstoff nicht als eine Art Öko-Kraftstoff angerechnet werden kann, regt Christian Lindner sichtlich auf.

Ein „großer Wurf“ in Sachen Einwanderung

In Sachen Einwanderung präferieren die Liberalen ein Einwanderungsrecht mit Punktesystem nach dem Vorbild Kanadas. Lindner: „Das wäre politisch ein richtig großer Wurf.“

Während Christian Lindner in der Alten Chemiefabrik fast eine Stunde lang frei redete und seine Punkte abarbeitete, wollte er im kleineren Kreis in Branitz lieber mit den Anwesenden diskutieren. Und so ging es dort auch um das Recht auf Home-Office, das die FDP unterstützt (Lindner: „Wir wollen kein Grundrecht, sondern dass ein Arbeitgeber begründen muss, wenn er Home Office ablehnt“) und auch um Koalitionsaussagen der FDP für Brandenburg und ein 100-Tage-Programm nach der Landtagswahl. Doch darüber erfuhren die Fragesteller vom Brandenburger Spitzenkandidaten Hans-Peter Goetz eher wenig. Da blieb der schwammig.

Abfuhr für die AfD

In Branitz wurden Lindner auch Fragen zur großen Resonanz für die AfD in Brandenburg gestellt. Dabei positionierte sich Christian Lindner klar. Die AfD sei kein Partner für die FDP. „Es ist nicht alles falsch, was die sagen. Vieles sagen wir und andere Parteien auch. Aber die AfD hat auch ein paar Punkte ,exklusiv‘, wie beispielsweise eine Forderung nach einem EU-Austritt. Und diese exklusiven Punkte sind Dünnschiss“, machte Lindner aus seinem Herzen keine Mördergrube.