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FCE-Nachwuchs (be-)dient an der Tafel

Die FCE-Nachwuchskicker Philipp Knechtel (vorn) und Vesel Limaj arbeiten ehrenamtlich an der Cottbuser Tafel.
Die FCE-Nachwuchskicker Philipp Knechtel (vorn) und Vesel Limaj arbeiten ehrenamtlich an der Cottbuser Tafel. FOTO: Georg Zielonkowski/ski1
Cottbus. Vier Stunden in der Woche arbeiten vier Spieler der A-Jugend des FC Energie Cottbus bei der Tafel. Hier geben sie beispielsweise Essen an Bedürftige aus und erfahren so, dass das Leben nicht nur Sonnenseiten hat. Georg Zielonkowski

Auf den ersten Blick ist es dem Außenstehenden kaum möglich, jene jungen Burschen zuzuordnen, die hinter der Bedientheke der Cottbuser Tafel, bekleidet mit ihren schmucken orangenen Schürzen ihren Dienst tun und Obst und Gemüse ausgeben. Die ständigen Gäste aber wissen seit vier Wochen ganz genau, dass es sich bei den vier jungen Männern um Fußballer aus der A-Jugendabteilung des FCE handelt, die hier einmal pro Woche für vier Stunden ehrenamtlich arbeiten. Neben Kapitän Philipp Knechtel wurden Ali Ayvaz, Vesel Limaj und Görkem Üre sehr schnell gern gesehene Mitarbeiter dieser Einrichtung. Wohl auch, weil die drei Letztgenannten aus türkischen Berliner Familien stammen und Muslime sind, denen die Nächstenliebe zu den Grundfesten ihres Glaubens zählt.

"Die vier jungen Männer haben ihre Schulzeit jetzt beendet und waren nur mit ihren Trainingseinheiten nicht recht ausgelastet. Zugleich aber waren die vier auch daran interessiert, etwas Gescheites, möglichst Gemeinnütziges, in ihrem Umfeld zu tun. Und in der freien Zeit möglichst nicht nur Pflegearbeiten am Sportplatz durchzuführen", beschreibt Co-Trainer Patrick Schrade die Gründe der ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Energies Nachwuchsleiter Matthias Heidrich hat ohnehin lose Kontakte durch Energies AK 14. Diese bekommt in der Cottbuser Tafel bei ihren Hospitationen regelmäßig erste Einstiege in die Arbeitswelt vermittelt. So war es naheliegend, dem Quartett aus den Reihen des DFB-Jugend-Pokalfinalisten das Angebot zu machen, wöchentlich für vier Stunden in der Cottbuser Tafel ehrenamtlich zu helfen.

Ob beim Herbeischaffen der Lebensmittel aus den Märkten und von den Sponsoren der Tafel oder bei der direkten Ausgabe der Lebensmittel zur Mittagszeit, mit großer Begeisterung sind die Jungs bei der Sache. Beliebt sind sie deshalb bei den Mitarbeitern des Hauses ebenso wie bei den bedürftigen Menschen, die sich hier ihre zusätzlichen Mahlzeiten abholen. "Es ist für uns doch gut, wenn wir schon in unserem Alter erkennen und erfahren, dass nicht für alle Leute unserer Stadt immer nur die Sonne scheint. Zugleich ist es für uns aber auch Ansporn bei unserem Sport alles zu geben, um sportlich möglichst ganz weit zu kommen. Damit wir eben später nicht in solche Situationen geraten, wie die Leute hier, für die wir Portionen von Obst, Gemüse oder anderen Lebensmitteln zusammen- und bereitstellen", sagt Philipp Knechtel. Sein Teamkollege Vesel Limaj ist vom herzlichen Miteinander in der Tafel angetan: "Die hier ohne Vergütung arbeitenden Leute zeigen sich unglaublich interessiert an unserem Alltag und sie wissen ganz genau, dass wir es bis zum Pokal-Finale nach Berlin geschafft haben. Von einigen Mitarbeitern wissen wir, dass sie oft zu unseren Profis ins Stadion gehen, und sich das Geld für die Eintrittskarten regelrecht vom Munde absparen. All das sind für uns völlig neue Erfahrungen und die haben unseren absoluten Respekt."

Kai Noack ist der Leiter dieser freiwilligen sozialen Einrichtung in Trägerschaft des Albert Schweitzer Familienwerkes Brandenburg. Zurzeit werden etwa 40 ehrenamtliche Mitarbeiter von ihm in der Tafel angeleitet und er findet es absolut begeisternd, wie akkurat und gewissenhaft die jungen Fußballer ihrem ehrenamtlichen Job nachgehen. "Es ist für die Jungs eine völlig neue Erfahrung, die sie zuvor im Leben bestimmt noch nicht erlebt hatten. Und man merkt ihnen an, dass ihnen Schicksale, die sie hier kennenlernen, doch verdammt nahe gehen. Und wenn man den Jungs dann erzählt, dass wir hier etwa 3000 bedürftige Menschen betreuen, von denen allein ein Drittel Kinder und Jugendliche sind, merkt man, wie sie dann ein Stück weit dankbar sind, dass sie auf der anderen Seite der Gesellschaft stehen", sagt der Sozialpädagoge. Der als Kicker des Spremberger SV natürlich beste Voraussetzungen hat, um mit den 17- bis 19-jährigen Energie-Fußballern zu arbeiten.