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| 02:33 Uhr

"Faust hoch – jetzt wird Goethe zitiert"

Der Beginn der Verführung: Gretchen (Martha Hilscher, l.) verliebt sich, befeuert von den Einflüsterungen durch Nachbarsfrau Marthe (Sahra Grassow) und Mephisto (Lisa Grunwald).
Der Beginn der Verführung: Gretchen (Martha Hilscher, l.) verliebt sich, befeuert von den Einflüsterungen durch Nachbarsfrau Marthe (Sahra Grassow) und Mephisto (Lisa Grunwald). FOTO: hil
Cottbus. Goethe, Schiller, Kleist – das ewige Dreigestirn deutschen Bildungsbürgertums geistert auch im Jahr 2015 noch durch den Lehrplan weiterführender Schulen. hil

"Zu Recht?", fragen sich die Schüler des Abiturkurses Darstellendes Spiel am Niedersorbischen Gymnasium. 18 Monate lang haben sie sich mit dem Stoff von "Faust. Der Tragödie erster Teil" auseinandergesetzt, und neben dem klassischen Stoff zugleich auch ihre eigenen Zweifel reflektiert. Ist eine Liebesgeschichte wie die von Faust und Gretchen auch heute noch denkbar? Berührt uns das Ringen um Gut und Böse, um Wissen und Glauben, Diesseits und Jenseits?

Die Schüler haben eine Antwort gefunden: Ihr Stück "Faust hoch - jetzt wird Goethe zitiert" ist eine Mischung aus den zentralen Texten des klassischen Dramas und eigenen, modernen Variationen zum Thema.

Ein Wagnis, das Schauspiel-Lehrerin Martina Eggert mit ihren Abiturienten eingegangen ist - so manche Schulaufführung ist schon an Goethe gescheitert.

Das Team um die beiden Faust-Darsteller Maximilian Hassatzky und Jonas Hille, um das Gretchen Martha Hilscher und die Mephistos Silva Oehlert und Lisa Grunwald schafft es, 120 Minuten bestes Theater auf die Bühne zu bringen. Mit frischen Ideen, Hochachtung vor dem Stoff und viel Engagement, bis hinein in die letzte Nebenrolle. Da wird gelacht und geliebt, gehext und verführt und gelitten bis in den Wahnsinn hinein.

Die Aufführung? Mehr als gelungen. Viel wichtiger aber ist das, was hinter der Idee steht, Darstellendes Spiel als benotetes Schulfach zu akzeptieren. Wenn junge Menschen sich derart intensiv mit einem Lehrstoff auseinandersetzen, ihn hinterfragen, auseinandernehmen und neu wieder zusammensetzen, dann haben sie ihn tatsächlich fürs Leben verinnerlicht. Ihren Faust vergessen die Abiturienten so schnell nicht mehr - und auch nicht, wie man über Monate hinweg ein Team zusammenhält, Programmhefte druckt, Spielorte organisiert, Kostüme schneidert und Konflikte schlichtet. So wunderbar kann Schule funktionieren - wenn man sie lässt.