Die Geschichte des Eisenbahn-Clubs "Spreewaldbahn" beginnt offiziell mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft im Deutschen Modelleisenbahn-Verband am 16. April 1966. Fünf leidenschaftliche Modellbahner gehörten damals der AG 2/15 an. Einer von ihnen, Dr. Peter Syrbe, ist nach wie vor Vereinsmitglied.

"Jeden Donnerstag trafen wir uns in einem Kellerraum des Eisenbahnerkulturhauses, der späteren Sparda-Bank, in der Bahnhofstraße", erinnert sich Dieter Dellori, der noch im Gründungsjahr zu der Truppe stieß. "Anfangs einigten sich die Mitglieder auf die Spurweite H0. Einige von uns hatten schon Heimanlagen. Aber bei den Treffen wurde an einer Gemeinschaftsanlage mit ländlichem Charakter gebaut", erzählt Dellori.

Durch Ausstellungen im damaligen Kulturhaus "Philipp Müller" in der Bahnhofstraße seien der Bekanntheitsgrad der AG und auch die Zahl der Mitstreiter schnell gestiegen. "Wir waren immer zwischen 25 bis 30 Mitglieder. So ist es bis heute geblieben. Nur in der Wendezeit gab es mehr Fluktuation", weiß das langjährige Clubmitglied.

Delloris Vereinskollege Hans Joachim Klingbeil erzählt, dass der Modellbahnbau schon zu DDR-Zeiten ein teures Hobby gewesen sei. Für die Beschaffung des nötigen Baumaterials für die Gemeinschaftsanlage haben die geringen Mitgliedbeiträge nicht gereicht. Mit Preisgeldern, die die Cottbuser Modellbahner bei Wettbewerben gewannen, haben sie ihr Hobby finanziert.

Angesichts von Materialknappheit seien handwerkliches Geschick und Improvisationsvermögen gefragt gewesen. Dieter Dellori erinnert sich: "Heute gibt es vieles fertig zu kaufen. Wir haben damals fast alles selbst gebaut. Ich weiß noch, dass wir anfangs Kaffeegrund als Gleisschotter verwendet haben. Wir hatten nicht bedacht, dass der schimmeln würde."

Auf der anderen Seite sei zu DDR-Zeiten auch manches möglich gewesen, was heutzutage undenkbar sei. "In den 1970er-Jahren sind wir mit einem Lada mit Lautsprecher durch die Straßen gefahren, um Werbung für unsere Ausstellung zu machen. Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt", erzählt Dieter Dellori.

1980 begann die AG mit einem besonderen Projekt: Die Mitglieder beschäftigten sich mit der Chronik der Spreewaldbahn und bauten Teile der Bahn im Modell nach. Seither durfte die Arbeitsgemeinschaft den Ehrennamen "Spreewaldbahn" tragen. Auch der Lübbener Spreewaldbahnhof wurde nachgebildet. "Ich erinnere mich, dass wir wochenlang auf dem Bahnhofsgelände rumgelaufen sind und fotografiert haben. Ein netter Bahnhofsvorsteher hat uns dann noch Bauunterlagen zur Verfügung gestellt", berichtet Dieter Dellori.

Nach der Wende wurde aus der AG ein Verein. Seit 1991 trägt er den Namen Eisenbahn-Club "Spreewaldbahn" Cottbus. Die politische Wende brachte für die Cottbuser Modellbahner eine wichtige Veränderung mit sich: "Wir haben unsere Anlagen auf Digitalbetrieb umgestellt. Wenn es um die Programmierung von Anlagen geht, ist unser Vorstandsvorsitzender Joachim Metzner der Kopf. Er hat sich dafür weiterbilden lassen", berichtet Hans Joachim Klingbeil.

Wie ist das, wenn mehr als 20 erwachsene Männer an einer gemeinsamen Modellbahnanlage bauen? Dieter Dellori behauptet, dass das ohne größere Konflikte funktionieren kann: "Jeder hat seine Vorstellungen. Es wird diskutiert und nach Kompromissen gesucht. Im Zweifelsfall entscheidet der Vorstand", erklärt er. Das Gute sei, dass jedes Mitglied sein Gebiet habe, auf dem es Experte ist. "Joachim Bänsch hat zum Beispiel zwei goldene Hände, wenn es um die Gestaltung von Landschaften geht. Seine große Winteranlage wird bei jeder unserer Ausstellungen bewundert. Hans Joachim Klingbeil und Rainer Kolb sind besonders versierte Modellbauer. Sie bauen Cottbuser Gebäude im Maßstab 1:87 detailgetreu nach", lobt Dieter Dellori seine Kollegen. Seit vielen Jahren gehört es zur Tradition des Clubs, seine Anlagen in der Adventszeit in der Cottbuser Stadthalle der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Verein verfügt transportable Modellbahnanlagen in den Spurweiten IIb, H0m, H0e, TT, N und Z.

"Die Weihnachtsausstellung in der Stadthalle hat immer sehr guten Zulauf", freuen sich die Modellbahner. Mit den Einnahmen finanziert der Club zum Beispiel die Miete für den Vereinsraum in Merzdorf oder Anschaffungen.

Schon als Steppke war Gunnar Schütz bei den Vereinsausstellungen dabei. "Mein Vater war Mitglied und ich durfte als kleiner Junge die Züge fahren lassen. Heute ist für mich der Donnerstag Modellbahntag. Es macht einfach Spaß, wenn man sieht, was man gemeinsam schafft", sagt der 43-Jährige, der inzwischen zum Vorstand des Clubs gehört.

Zum eingeschworenen Kreis des Vereins zählen auch die Frauen und Kinder der Mitglieder. "Wir sind ein großer familiärer Kreis. Ich habe viele schöne Erinnerungen an Tanzabende oder Ausflüge, die wir gemeinsam unternommen haben. Einmal ging es mit einem Triebwagen hinauf auf den Brocken", schaut Dieter Dellori zurück.

Neumitglieder aller Altersstufen seien im Club stets willkommen. "Kinder können zu unserer Jugendgruppe hinzustoßen. Aber wir haben auch Neueinsteiger im Rentenalter", freut sich Dellori. Dass ihnen ihr Hobby irgendwann langweilig werden könnte, glauben die Cottbuser Modellbahner nicht. Denn es geht ihnen längst nicht nur darum, Miniaturzüge fahren zu lassen. Hans Joachim Klingbeil ist überzeugt: "Das Reizvolle ist das Bauen." Dieter Dellori nickt zustimmend und meint: "Deshalb darf eine Anlage nie fertig werden." Die Mitglieder des Eisenbahn-Clubs treffen sich immer donnerstags ab 19 Uhr im Vereinsraum Merzdorfer Weg 40-43 in Cottbus.

Die Jugendgruppe trifft sich bereits um 17 Uhr. Interessierte Eisenbahnfreunde sind immer willkommen.