Also fastete man in dieser Zeit, verzichtete auf Fleisch an jedem Freitag und von Aschermittwoch bis Ostern.

Sie ahnen schon, früher ging es beim Fasten keineswegs darum, dem Weihnachtsspeck beizukommen. Christen wollen durch ihren Verzicht ihre Liebe zu Jesus Christus ausdrücken. Auch menschliche Beziehungen wachsen ja, wenn einer um des anderen willen auf etwas Liebgewordenes verzichtet. Dabei merkt man auch, ob man innerlich noch frei ist, zum Beispiel Kuchen oder Schokolade, Wein oder Zigaretten auch einmal bleiben zu lassen. Mancher möchte mit seinem Fasten auch ein Zeichen setzen: "Achtung, weniger ist oft mehr."

Beispiel gefällig? Ich gebe zwei moderne Fastenvorschläge weiter, die es unmittelbar vor Augen bringen. Verzichten Sie sieben Wochen auf die Angst, in ihrem Leben zu kurz zu kommen. Wir haben unser Lebensglück ohnehin nicht in der Hand. Sich im Vertrauen auf Gottes Fürsorge über unserem Leben nicht zu sorgen, das wäre ein sinnvoller Verzicht. Ich denke das zum Beispiel auch mit Blick auf die Flüchtlinge in unserem Land, von denen sich mancher persönlich bedroht fühlt. Wie heilsam wäre es, wenn wir wenigstens für eine Zeit keine Angst mehr hätten, zu kurz zu kommen.

Und verzichten Sie sieben Wochen auf den Versuch, vor anderen zu zeigen, dass Sie Recht haben. Die anderen meinen ohnehin, sie wüssten es besser. Und auch wenn Sie Recht haben, stiften Sie meist nur Ärger damit. Vielleicht kann ich es mir ja leisten, auf Selbstrechtfertigung zu verzichten?

Was glauben Sie, was für freundliche Gesichter das mitunter auslöst. Denn: Weniger ist oft wirklich mehr.

*Pastor, Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK)