Wer am Samstagvormittag nichts ahnend durch die Spremberger Straße flanieren wollte, begegnete zwangsläufig der ein oder anderen merkwürdigen Gestalt. Fabelwesen, Hobbits, Elben und Zauberlehrlinge füllten schon früh morgens in einer ordentlich aufgestellten Warteschlange die Sprem. Grund für diesen außergewöhnlichen Ansturm war die Eröffnung des Fanartikelladens "Elbenwald" in der Spremberger Straße 44.

Das Cottbuser Unternehmen Elbenwald, das sich auf Merchandisingprodukte aus den Bereichen Film, Fernsehen und Videospiel spezialisiert hat, wurde 2000 gegründet und expandierte in den letzten 17 Jahren mit 29 Filialen deutschlandweit.

So kann die Eröffnung der 30. Filiale in Cottbus als eine Art Heimkehr gesehen werden, mit der die Geduld der Lausitzer Fantasyfreunde, die diesen besonderen Tag seit Jahren ersehnten, endlich belohnt wurde.

Das bunte Treiben in der Innenstadt begann bereits in den frühen Morgenstunden. Die meisten der ersten Hundert Besucher warteten seit 7 Uhr vor dem neuen Geschäft, das im Gegensatz zu seinen Besuchern recht unscheinbar wirkte. Einige besonders aufgeregte Elbenwald-Fans kampierten bereits seit Freitagabend 22 Uhr in der Fußgängerzone.

Kurz vor der Öffnung des Stores um 10 Uhr zählten die inzwischen knapp 600 Wartenden mit einem Countdown die letzten zehn Sekunden. Lautstarker Jubel brach aus, als die Glastüren des sorgfältig eingerichteten Ladens endlich den Weg ins Fantasy-Nirwana freigaben. Wer im Kostüm erschienen war, erhielt einen Rabatt von 40 Prozent auf den ersten Einkauf. Aber auch alle anderen Besucher durften sich über zahlreiche Überraschungen freuen: Gaukler, Jongleure und Pyrokünstler sorgten im Verlauf des Vormittags für exklusive Unterhaltung.

Zudem zauberten die professionell kostümierten Mitglieder des weltweit größten Star Wars Kostümclubs die Atmosphäre einer fremden, exotischen Welt in die Sprem. "Ich staune, dass hier so viel los ist. Aber es freut mich", sagte Doris Prütz, die mit ihrem Mann zufällig in der Stadt unterwegs war. "Es ist schön zu sehen, dass der Laden endlich wieder belegt ist. Leere Häuser haben wir in der Stadt genug", bemerkte Rainer Prütz. Etwas angestrengt wirkten zahlreiche Eltern, die mit ihrem Nachwuchs vor dem Laden ausharren mussten.

Gisela Roschlaub, ebenfalls in der Fußgängerzone unterwegs, ließ sich dagegen nichts anmerken. Sie mag "Harry Potter", schaut regelmäßig "Game of Thrones" und liebt die Filmmusik von "Star Wars". Zusammen mit ihrer Enkelin Lia Roschlaub (15) wartete die 78-jährige Cottbuserin ebenfalls seit morgens um 7 Uhr in der Schlange und hätte nie geglaubt, noch einmal irgendwo anstehen zu müssen. "Wenn wir zu DDR-Zeiten nach Bananen anstehen mussten, wussten wir, dass das Angebot irgendwann erschöpft ist. Aber hier ist das heute glücklicherweise nicht der Fall", so die Rentnerin.

"So etwas muss man einfach mal erlebt haben. Wer uns für verrückt hält, weiß einfach nicht, wie viel Spaß es macht, mal jemand anderes zu sein", sagte David Bertrams (22) aus Finsterwalde und präsentierte stolz sein Zauberergewand aus "Harry Potter".

Bis in die frühen Abendstunden wurde ohne Unterbrechung geschmökert, eingekauft und abkassiert. Knapp eine halbe Stunde nach Ladenschluss verließen auch die letzten Einkäufer mit vollen Tüten das Geschäft.

Nach nur einem Verkaufstag darf sich Elbenwald bereits über halb leere Regale freuen und wahrscheinlich auch über einen bahnbrechenden Umsatz. "Wir sind absolut überwältigt. Mit solch einem Ansturm haben wir nicht gerechnet", sagt die zuständige Presseverantwortliche von Elbenwald, Annekathrin Gräber.

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