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Falsche Fuffziger in Cottbus

Welcher Schein ist echt? Geldfälscher haben im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Blüten in Umlauf gebracht wie nie seit der Euro-Einführung 2002. Foto: Arne Dedert
Welcher Schein ist echt? Geldfälscher haben im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Blüten in Umlauf gebracht wie nie seit der Euro-Einführung 2002. Foto: Arne Dedert
Cottbus. Erst an der Supermarktkasse fällt der Betrug auf, als ein Cottbuser mit einem gefälschten Fünfzig-Euro-Schein bezahlen will. Sofort steht er unter Verdacht. Dabei ist er der Geschädigte. Zwar sind nicht alle Geld-Profis wie Kassiererinnen. Es gibt aber einfache Regeln, um Blüten zu erkennen. Peggy Kompalla

Falschgeld taucht regelmäßig in Cottbus auf. Schon 36 Vorfälle hat die Polizei in diesem Jahr registriert. Trotzdem sticht der aktuelle Fall heraus: Allein durch die schiere Menge des Falschgeldes. Ein Cottbuser erhält für seinen gebrauchten Wagen 4000 Euro Blüten. Der 28-Jährige bemerkt den Betrug aber erst später, als er an der Supermarktkasse mit dem Falschgeld bezahlen will. Bei der Polizei muss er zunächst beweisen, dass nicht er die Blüten in Umlauf bringen wollte. Auf dem Schaden bleibt er sitzen.

Die Cottbuser Polizei kann anhand der Fälle keine besondere Vorliebe der Geldfälscher für eine bestimmte Banknote feststellen. Polizeisprecher Ralph Meier erklärt: "Es taucht alles auf - von Zehnern bis Hundertern."

Einen besseren Überblick hat die Deutsche Bundesbank. Demnach konzentrieren sich die Fälscher auf die 50-Euro-Banknoten. Ihr Anteil macht unter allen registrierten Blüten mehr als die Hälfte (58 Prozent) aus. Genau wie im aktuellen Cottbuser Fall. Der 28-Jährige wird mit 80 Fünfzigern bezahlt. Als er den Betrug schließlich bei der Polizei anzeigt, bemerken die Polizeibeamten gleich Auffälligkeiten: So tauchten Geldscheinnummern mehrfach auf. Zudem sind alle Scheine glatt. Die Banknoten werden zunächst auf Spuren und Fingerabdrücke untersucht. Danach gehen sie direkt an die Deutsche Bundesbank. Sie erstellt als Kontrollinstanz ein Gutachten zu den Banknoten.

Nicht nur Banker sind Geldprofis - auch Kassiererinnen. Ihnen helfen nicht nur der tägliche Umgang mit den Banknoten und regelmäßige Schulungen, sondern auch Technik. Denn die Lebensmittelhändler investieren immer mehr in Sicherheit. Das bestätigt Petra Blumtritt. Sie ist im Cottbuser E-Center die Kassenleiterin. Demnach hat ihr Markt vor gut einem Jahr spezielle Prüfgeräte eingeführt, die den gesamten Schein einziehen und alle Sicherheitsmerkmale kontrollieren. Das ist grundsätzlich der beste Weg, bestätigt Malte Vieth von der Deutschen Bundesbank. "Fälschungen decken in der Regel nicht alle Sicherheitsmerkmal ab", erklärt er. Deshalb hilft bei der Überprüfung das Prinzip Fühlen-Sehen-Kippen. Dadurch werden alle Sicherheitsmerkmale erkennbar und damit auch Fälschungen (siehe Grafik).

Kassenleiterin Petra Blumtritt ergänzt: "Früher wurden unter UV-Lampen die Leuchtzeichen, Sicherheitsstreifen und Wasserzeichen kontrolliert. Aber die Merkmale bekommen die Fälscher mittlerweile ziemlich gut hin", sagt sie. Deshalb rüsten die Märkte auf. "Bei uns werden grundsätzlich alle Scheine überprüft."

Auch die Bundesbank rüstet auf, indem sie neue Banknoten in Umlauf bringt. So geschehen mit dem 20-Euro-Schein, der mit dem Porträtfenster ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal enthält. Prompt ging der Anteil der 20-Euro-Fälschungen um mehr als zehn Prozent zurück. Mit Ausgabe der sicherheitstechnisch aufgewerteten, neuen 50-Euro-Banknote ab dem 4. April 2017 erwartet die Bundesbank, dass auch die Anzahl der 50-Euro-Fälschungen zurückgedrängt werden.

Zum Thema:
Die Bundesbank hat im ersten Halbjahr 2016 nach eigenen Angaben rund 45 700 falsche Euro-Scheine im Nennwert von 2,3 Millionen Euro registriert. Damit blieb die Zahl der Fälschungen stabil.