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| 12:57 Uhr

Drei Jahre nach Verurteilung
Maskenmann-Prozess: Ermittlungen zu möglichen Falschaussagen vor Abschluss

Wurden im sogenannten „Maskenmann“-Prozess Falschaussagen getätigt. Die Ermittlungen stehen laut Staatsanwaltschaft Cottbus nun kurz vor dem Abschluss.
Wurden im sogenannten „Maskenmann“-Prozess Falschaussagen getätigt. Die Ermittlungen stehen laut Staatsanwaltschaft Cottbus nun kurz vor dem Abschluss. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus. Der „Maskenmann“-Prozess in Ostbrandenburg gehört zu den spektakulärsten Kriminalfällen landesweit. Vor drei Jahren gab es ein Urteil zu den Überfällen auf Millionärsfamilien. Ermittler beschäftigen sich aber immer noch mit dem Komplex.

Mehr als drei Jahre nach dem Urteil im brandenburgischen „Maskenmann“-Prozess stehen Ermittlungen zu möglichen Falschaussagen von Polizisten vor dem Abschluss. „Die Ermittlungen sind weitestgehend abgeschlossen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus der Deutschen Presse-Agentur. Die Behörde warte nun auf Unterlagen, die vom Landeskriminalamt vorgelegt werden sollen. Danach werde die Staatsanwaltschaft die Sache abschließend prüfen und entscheiden.

Hintergrund der Ermittlungen: Nach dem Prozess wurden Polizisten und eine Sachverständige verdächtigt, als Zeugen vor Gericht bewusst falsche Aussagen gemacht zu haben.

In dem Indizienprozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) ging es um Angriffe auf Millionärsfamilien südöstlich von Berlin. Der Beschuldigte wurde im Sommer 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten. Der Bundesgerichtshof hatte 2016 Revisionsanträge des Verurteilten und der Nebenklage als unbegründet verworfen und setzte damit einen Schlussstrich. Das Urteil wegen versuchten Mordes und erpresserischen Menschenraubes ist seither rechtskräftig.

Der Fall bekam den Namen „Maskenmann“-Prozess, weil der Täter bei den Überfällen in den Jahren 2011 und 2012 eine Art Imkermaske getragen hatte. Laut Urteil entführte Mario K. einen Bank-Manager aus dessen Villa und hielt ihn auf einer kaum zugänglichen Schilfinsel in einem Sumpfgebiet gefangen, um Lösegeld zu erpressen. Das gefesselte Opfer konnte sich nach mehr als einem Tag befreien. Zudem überfiel der Verurteilte laut Gericht in kurzen Abständen zweimal eine andere Millionärsfamilie. Er knüppelte dabei die Mutter nieder und schoss Monate später auf die Tochter. Ein Wachmann schützte die junge Frau und wurde getroffen. Er ist deshalb querschnittsgelähmt.

Immer wieder geriet bei dem Prozess die Polizeiarbeit selbst in den Fokus. Polizisten der damaligen Soko „Imker“ sagten aus, dass sie nicht in alle Richtungen hatten ermitteln dürfen. Sie hegten Zweifel an den Aussagen des Entführungsopfers. Vorgesetzte bestritten hingegen, dass es Anweisungen von oben gab. Nach dem Prozess verdächtigte die Frankfurter Staatsanwaltschaft dann drei Polizisten und eine Sachverständige, Falschaussagen gemacht zu haben. Verfahren wurden eingeleitet.

Die Ermittlungen wurden später von Frankfurt abgezogen und sind seither Sache der Staatsanwaltschaft Cottbus. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte das damit begründet, dass Druck von der Frankfurter Behörde genommen werden solle. Denn diese war auch Anklagebehörde im Prozess gewesen.

(Anna Ringle, dpa)