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| 18:33 Uhr

Cottbus
Fahrschein per Handy

Über das Handy können schon heute Fahrscheine für Cottbusverkehr gekauft werden.
Über das Handy können schon heute Fahrscheine für Cottbusverkehr gekauft werden. FOTO: LR / Daniel Steiger
Cottbus. Cottbusverkehr beklagt jährlich Schäden von mehreren Tausend Euro durch Vandalismus an Fahrkartenautomaten. In Zukunft werden die Geräte überflüssig. Doch bis dahin ist es noch weit. Von Peggy Kompalla

Eine seiner teuersten Nächte hat Cottbusverkehr in der vergangenen Woche erlebt. Binnen weniger Stunden gingen elf Fahrscheinautomaten mutwillig zu Bruch. Den Schaden bezifferte Geschäftsführer Ralf Thalmann zähneknirschend auf bis zu 30 000 Euro. Das ist ein Schlag ins Kontor für das städtische Verkehrsunternehmen. Für das Jahr 2018 hat der Betrieb noch keinen Kassensturz in puncto Vandalismusschäden gemacht. Aber für das Jahr 2017 liegen die Zahlen vor. Demnach hat der Betrieb 118 150 Euro ausgegeben, um mutwillige Schäden an Fahrscheinautomaten zu reparieren. Diese Mehrausgaben wären überflüssig, wenn Cottbusverkehr auf die Automaten verzichten würde.

Der Verkehrsbetrieb hat trotz der jüngsten Vandalismus-Nacht nicht ernsthaft darüber nachgedacht, die Fahrscheinautomaten außerhalb von Bus und Bahn abzuschaffen. Das versichert Unternehmenssprecher Robert Fischer. „Der Kartenverkauf über das Handy ist Zukunftsmusik“, sagt er. Doch der Trend gehe eindeutig dahin. Deshalb ist Cottbusverkehr auch an den Apps – also den Handy-Programmen – beteiligt, über die Fahrscheine für den Stadt- und Regionalverkehr gekauft werden können. Dazu gehören neben dem DB Navigator der Deutschen Bahn, die Anwendungen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB).

Juliane Züge ist bei Cottbusverkehr für Vertrieb und Kundenservice zuständig. Sie erklärt: „Wir können nicht genau sagen, wie viele Menschen die Handy-Programme zum Fahrscheinkauf nutzen.“ Zumindest gingen die Verkaufszahlen im Kundenzentrum und an den Automaten nicht zurück. Im Gegenteil: Sie nehmen zu. Ein sicheres Zeichen dafür, dass dies die wichtigsten Vertriebswege bleiben. Die Apps seien trotzdem ein wichtiges zusätzliches Angebot. „Die werden vor allem von  Tagesgästen genutzt, die auf dem Bahnhof ankommen“, sagt Juliane Züge. „Sie buchen das meistens gleich zum Bahnticket dazu.“

Der Fokus auf den klassischen Fahrscheinverkauf in Cottbus habe auch viel mit der Altersstruktur der Fahrgäste zu tun, ergänzt Unternehmenssprecher Fischer. „Und man darf eines nicht vergessen, dass es zwar in Cottbus mit der Internetverbindung bestens klappt, aber ganz anders ist das beispielsweise in Bärenbrück.“ Solange in der Internet­infrastruktur nicht alle Funklöcher geschlossen seien, gingen die Menschen lieber auf Nummer sicher und kaufen die Fahrscheine beim Fahrer oder am Automaten.

Die Technologie sei zwar längst so weit vorangeschritten, dass Fahrgäste mit der richtigen App auf dem Handy beim bloßen Einsteigen automatisch ihren Fahrschein bezahlen. Aber da seien noch eine Menge ungeklärte Fragen in puncto Datenschutz. „Wir dürfen kein Bewegungsprofil erstellen“, betont Juliane Züge.

Solche juristischen Probleme gibt es an den Automaten nicht. Wann die elf zerdepperten Geräte – immerhin fast die Hälfte des Bestandes – wieder in Betrieb gehen, ist ungewiss. „Die Reparatur ist nicht das Problem“, erklärt Juliane Züge. „Sondern es ist die Lieferung der Bildschirme.“