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| 18:22 Uhr

Fahrraddiebe immer dreister

Auf Schulhöfen finden sich oft auch ungesicherte Fahrräder.
Auf Schulhöfen finden sich oft auch ungesicherte Fahrräder. FOTO: dpa
Cottbus. Mal ist es der Schulhof eines Gymnasiums, dann wieder die Spremberger Straße oder der Vorplatz des Hauptbahnhofes: Dreiste Fahrraddiebe schlagen dort am helllichten Tag zu – und finanzieren so ihre Drogensucht. Andrea Hilscher

Die Polizisten in Cottbus kennen ihre "Kundschaft": Am Montagabend entdeckte sie im Keller eines Wohnhauses in Sandow ein hochwertiges Mountainbike - gestohlen. Der Tatverdächtige ist bereits einige Dutzend Male wegen Fahrradklau ins Visier der Polizei geraten.

Ähnlich der Fall eines 35-Jährigen, der gestern früh in der Görlitzer Straße ins Visier der Ermittler geriet: Neben einem gestohlenen Fahrrad fanden die Beamten bei ihm eine geklaute Kreditkarte, diverses Einbruchswerkzeug und eine Sturmhaube. Kripochef Marco Mette: "Fahrraddiebstahl ist in Cottbus ein Riesenproblem. Zum einen haben wir organisierte Banden, die ihr Diebesgut - zumeist hochwertige Damenfahrräder - schnell über die polnische Grenze schaffen. Zum anderen finanzieren viele Abhängige ihre Sucht durch den Fahrradklau."

Eine eigene Ermittlungsgruppe kümmert sich um die Aufklärung von Straftaten aus dem Bereich der Beschaffungskriminalität und den Handel mit der stark abhängig machenden synthetischen Droge Crystal Meth. Marco Mette: "Wenn wir diese Felder gemeinsam bearbeiten, können wir Strukturen der Szene aufdecken, die uns sonst oft verborgen blieben." Klar ist: Die Fahrraddiebe werden immer dreister, schlagen am helllichten Tag zu - gerne auch auf Schulhöfen. Erst vor wenigen Tagen klauten sie zwei hochwertige Mountainbikes vom Hof des Humbold-Gymnasiums. Kripochef Marco Mette: "Leider machen es die Schüler den Dieben oft unglaublich leicht. Wir haben auf Schulhöfen mal geguckt, wie viele Räder dort angeschlossen sind." Von 240 geparkten Schülerfahrrädern waren 80 vollkommen ungesichert. "Absurd", sagt der Kriminalist. "Niemand würde doch einen teuren Laptop einfach so auf der Straße stehen lassen. Mit Rädern gehen die Besitzer einfach viel zu leichtsinnig um."

Wer ein mehrere Hundert Euro teures Rad besitzt, sollte nicht unter 70 Euro für ein gutes Schloss ausgeben. "Aber auch die Stadt trägt eine Mitschuld", sagt Mette. "Es gibt viel zu wenig feste Anschlussmöglichkeiten in der Innenstadt und am Hauptbahnhof."

Kathrin Gorn, Sachbearbeiterin für Rauschgiftkriminalität: "Die Diebe kriegen für geklaute Räder 20 bis 60 Euro." Um ihre Sucht zu finanzieren, brauchen Crystal-Abhängige pro Tag bis zu 160 Euro. Gorn: "An diesen Zahlen sieht man, unter welchem Druck die Konsumenten stehen. Sie nutzen jede Möglichkeit, an Geld zu kommen." Immer wieder stoßen die Ermittler dabei auf Wohnungen, die zu regelrechten Fahrradwerkstätten umfunktioniert wurden. "Da werden die Teile auseinandergebaut, Seriennummern weggefeilt und alles neu zusammengebaut." Die oft hyperaktiven Süchtigen würden die Arbeit an den Rädern nutzen, um ihre motorische Unruhe zu bekämpfen.

Im Jahr 2015 haben Langfinger in Cottbus 1494 Fahrräder mitgehen lassen. Für das vergangene Jahr geht die Polizei von ähnlichen Fallzahlen aus - bei einer Aufklärungsquote von rund zwölf Prozent für 2016. Marco Mette: "Für unsere Beamten ist es frustrierend, wenn sie immer wieder dieselben Verdächtigen mit geklauten Rädern erwischen, sie aber dafür erst vor Gericht gestellt werden, wenn sich die Fälle massiv summiert haben."