346 Menschen haben beim letzten Fahrradklimatest des Fahrradclubs ADFC die Fahrradfreundlichkeit von Cottbus bewertet – mit mittelprächtigen Noten. Im Schnitt kommt die Stadt nur auf die Schulnote 4, in vielen Unterpunkten haben sich die Bedingungen aus Sicht der Radler seit der letzten Umfrage 2016 verschlechtert.

„Stimmt“, sagt einer, der es wissen muss. Der Fotograf Michael Helbig ist seit über 30 Jahren fast täglich mit dem Zweirad auf Cottbuser Straßen unterwegs, verbucht Jahr für Jahr weit über 10 000 Kilometer auf dem Tacho. Seine Einschätzung: „Radler haben es schwer in Cottbus.“ Wobei er zugibt: „Viele Probleme in der Stadt sind einfach der baulichen Situation geschuldet.“ So sei an den wesentlichen Nord-Süd-Achsen, der Thiemstraße und der Straße der Jugend, schlicht zu wenig Platz, um Radfahrern und Fußgängern neben dem Autoverkehr ausreichend Raum zu gewähren.

„Wenn sich alle an die Regeln halten würden, dann könnte das Fahren funktionieren“, sagt Helbig. Aus schmerzhafter Erfahrung aber weiß er: Mit den Regeln hapert es immer öfter.

Beispiel Fußgänger: Immer häufiger beobachtet der Zweiradfan, dass Passanten ihren Blick nur noch auf das Handy richten, dabei oft unmotiviert die gesamte Fahrbahnbreite des gemeinsamen Fuß-Radweges nutzen. „Gerade an Problemstellen wie der Flaniermeile an der Stadtmauer ist das problematisch“ sagt Helbig. „Die Leute achten nicht auf uns Radler. Wir müssen Slalom fahren und unsere Augen überall haben.“

Beispiel Geisterfahrer: Auf den größeren Magistralen nehmen auch Radler ganz schön Tempo auf. Gefährlich, wenn ihnen dann ein Geisterradler entgegenkommt und der Platz knapp wird.

Beispiel Rechtsabbieger: Autos, die nach rechts abbiegen, müssen Radlern die Vorfahrt gewähren. Theoretisch. „Oft achten sie nicht auf uns Radfahrer“, weiß Michael Helbig, der deshalb immer versucht, Gefahrenmomente vorherzusehen und abzuwenden. „Ich verlasse mich nie auf meine Vorfahrt, suche immer Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern.“

Nur meckern will der Cottbuser allerdings auch nicht. Von einigen Sanierungsmaßnahmen in den letzten Jahren haben die Radfahrer eindeutig profitiert. „Der neue kombinierte Rad-Fußweg entlang der Saarbrücker Straße fährt sich hervorragend“, sagt Helbig. Grauenhaft dagegen ist seiner Meinung nach eine Radverbindung nach Neu Schmellwitz. „Dort liegen noch immer die alten Betonplatten aus DDR-Zeiten“, erzählt er. „Vielleicht haben wir Radfahrer Glück bei der nächsten Sanierungswelle.“

Wie Helbig beklagen auch die Teilnehmer der ADFC-Umfrage zu enge Wegeführungen wie etwa an der Stadtpromenade. Konkret schreiben viele, dass die Radwege in Cottbus in schlechtem baulichen Zustand sind. Sehr konftliktträchtig sei die gemeinsam Nutzung mit den Fußgängern. Und auch die Praxis, Radfahrern an Baustellen keine eigenen Umleitungen anzubieten, wird häufig kritisiert. Stattdessen werden die Radler zum Absteigen genötigt. Besonders viel Geduld fordert ihnen laut Umfrage die Bahnhofsbaustelle ab.

Birgit Heine, Ortsgruppensprecherin des ADFC in Cottbus, ist unzufrieden. „Nicht fahrradgerecht gebaute Wege, Umleitungen und Verkehrsregelungen sind ärgerlich.“ Sie seien nicht dazu angetan, dem im Leitbild für Cottbus festgelegten Ziel, „Fahrradhauptstadt“ zu werden, näherzukommen.