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| 19:48 Uhr

Cottbus
Fachtag zu Hilfen zur Erziehung

Cottbus. Cottbuser Experten wollen gemeinsam diskutieren, Kommunalpolitik soll mit ins Boot. Von Silke Halpick

Das Cottbuser Jugendamt betreut immer mehr Familien mit multiplen Problemen. „Das ist kein Cottbuser Phänomen, sondern ein bundesweiter Trend“, sagt Andreas Raab vom Jugendhilfeausschuss der Stadt. Über Möglichkeiten, Betroffenen möglichst wirksam zu helfen, soll deshalb auf der Fachtagung „Hilfe zur Erziehung – in gemeinsamer Verantwortung? Herausforderung für Politik und Fachkräfte in der Stadt Cottbus“ am 19. November im Stadthaus diskutiert werden. Bereits mehr als 130 Anmeldungen liegen vor. Das zeigt das große Interesse an dem Thema.

Besonders betroffen machen die Fälle von Kindeswohlgefährdung. Deren Zahl steigt, wie auch die Statistik des Jugendamtes dokumentiert. 2016 waren es 423 Fälle, im vergangenen Jahr 630. Ein Grund für den Anstieg sei die höhere Sensibilität in der Gesellschaft, wie Yvonne von Deparade, Servicebereichsleiterin Soziale Dienste/Jugendamt, erklärt. Das heißt, immer mehr Menschen melden den Behörden, wenn sie Gewalt, Vernachlässigung oder gar Missbrauch von Kindern in ihrem Umfeld vermuten.

Zur Fachtagung ganz bewusst mit ins Boot geholt wird auch die Politik, wie von Deparade betont. „Wir wollen mehr Transparenz und Wissen über unsere Arbeit vermitteln“, begründet sie. Erfahrungsgemäß werde in den kommunalpolitischen Diskussionen beispielsweise zum Haushalt immer wieder gefragt, warum die Hilfen zur Erziehung eigentlich „so viel Geld“ verschlingen.

„Auch Prävention ist eine Hilfe“, sagt Andreas Raab. Hauptberuflich arbeitet er bei der Jugendhilfe Cottbus, dem Träger des Familienhauses Am Spreeufer. Jeder präventiv eingesetzte Euro sei eine „Investition in die Zukunft“, wie er betont. Generell wünscht er sich für die Familienförderung mehr Geld – zumal Cottbus auch eine familienfreundliche Kommune sein will.

In der Praxis sieht es etwas anders aus: Aktuell diskutiert der Jugendhilfeausschuss beispielsweise über die Verteilung des Budgets im Rahmen des Familienförderplanes. Rund 630 000 Euro stehen für 2019 zur Verfügung. Die Nachfrage ist weitaus größer. Auf der Kippe steht aktuell der Zuschuss für die Väterinitiative. Das sorgt bereits für Diskussionen und mitunter Unverständnis in der Stadt.

„Hilfe zur Erziehung ist vor allem Hilfe für die Eltern“, stellt Raab klar. Vor allem Familien aus armen und bildungsfernen Schichten sind seiner Erfahrung nach überdurchschnittlich häufig auf Unterstützung angewiesen. Die Bandbreite von Problemen in diesen Familien sei groß und reiche von Drogen, über Schulden bis hin zu überforderten Alleinerziehenden.

Auf Initiative des Jugendhilfeausschusses wurde die Fachtagung organisiert, die die erste ihrer Art in Cottbus ist. Auf Grundlage von vier ganz konkreten Fallbeispielen soll gemeinsam über Hilfsmöglichkeiten diskutiert werden. Die Tagung richtet sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Pädagogen, Ehrenamtler und Politiker. Maren Dieckmann, Dezernentin für Jugend, Kultur und Soziales, wird die Veranstaltung eröffnen. Die Ergebnisse sollen im Jugendhilfeausschuss ausgewertet werden.