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| 02:41 Uhr

Fachkräftemangel wird zum Problem

Vor allem junge Unternehmen haben unter dem Fachkräftemangel zu leiden. Foto: Stephanie Pilick
Vor allem junge Unternehmen haben unter dem Fachkräftemangel zu leiden. Foto: Stephanie Pilick
Cottbus. Das Thema "Fachkräftesicherung" zieht: Zum Regionalforum der Energieregion Lausitz kamen Bundes- und Landespolitiker, Vertreter großer Unternehmen, Landräte und Initiativen. Sie wollten wissen, wie sie eins der Zukunftsprobleme von Cottbus lösen können: den Fachkräftemangel. Andrea Hilscher

Landrat Harald Altekrüger (CDU), Sprecher der Energieregion, fand gleich zu Beginn des Abends klare Worte: "Der Erfolg eines Unternehmens hängt von seinen Mitarbeitern ab. Dieser Satz wird in Zukunft mehr und mehr an Bedeutung gewinnen." Denn das, was seit einigen Jahren eher nebulös durch die Debatten wabert, kommt langsam in Cottbus und Spree-Neiße: Immer mehr Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierten Nachwuchs zu finden.

Der Wirtschaftsgeograf Olaf Arndt, Vize-Direktor der Prognos AG, untermauerte diese "gefühlte Wahrheit" mit deprimierenden Fakten: Im Prognos-Zukunftsatlas, der bundesweit 402 Kreise und kreisfreie Städte erfasst, liegt Cottbus auf rang 347, Spree-Neiße auf Rang 394. Cottbus werden damit "leichte Zukunftsrisiken" zugeschrieben, dem Kreis dagegen hohe Risiken.

Olaf Arndt erklärt, was es damit auf sich hat. "Ohne Fachkräfte gibt es kein Wirtschaftswachstum. Und die Arbeitgeber hier müssen sich darauf einstellen, dass sie immer stärker mit Arbeitgebern aus dem Süden konkurrieren, mit Regionen, in denen zwei Prozent Arbeitslosigkeit herrschen." Er warnt vor Überheblichkeit in den Unternehmen. "Junge Bewerber bewerten die Qualität von Arbeitgebern öffentlich. Schlechte Noten kann sich kein Arbeitgeber mehr leisten." Den Firmenchefs vor Ort schreibt es ins Stammbuch: "Sie müssen einfach attraktiver werden. Die Frauenquote in ihren Betrieben erhöhen und Geld in eine gesunde, ältere Belegschaft investieren." Auch längere Arbeitszeiten müssten drin sein, sagt Arndt und fragt die Anwesenden, wer von ihnen auch mit 70 noch gern an seinem Arbeitsplatz ausharren würde. Nicht nur längere Lebensarbeitszeiten hat der Experte im Sinn. "Wir haben in der Region große Reserven an Teilzeitkräften, die in Richtung Vollzeit geführt werden müssen", so Arndt.

In den nächsten 15 Jahren, so haben die Analytiker herausgefunden, wird die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer weiter auseinandergehen: Allein in Cottbus gibt es dann 38,3 Prozent weniger Erwerbspersonen unter 45 als heute. Heiß für die Älteren: Sie müssen länger arbeiten und bis ins hohe Alter weiter qualifiziert werden. Sein Tipp an die anwesenden Politiker und Unternehmer: "Setzen Sie konkrete Ziele fest, wie viele Studenten der BTU Sie in der Region halten wollen, wie viele Teilzeitstellen Sie in Vollzeit umwandeln wollen und wie viele Frauen Sie zusätzlich einstellen wollen."

Marianne Spring, Stadtverordnete der AfD, wurde fast böse ob dieser Zukunftsmusik: "An der Uni gibt es so viele top ausgebildete Frauen in prekären Verhältnissen. Was tun wir diesen jungen Menschen nur an?"

Ihr Einwurf unterstützt, was Heinz-Wilhelm Müller, Chef der Arbeitsagentur Cottbus, schon seit Monaten predigt: Wenn das Lohnniveau in der Lausitz nicht steigt, werden Fachkräfte noch schneller als befürchtet Mangelware. "Im vergangenen Jahr konnten wir 600 Lehrstellen nicht besetzen, dieses Jahr werden es wiederum 500 sein, und diese Entwicklung setzt sich in den kommenden Jahren fort", so Müller. Nachwuchs und Fachkräfte müssten überall geworben werden, so etwa auch in Berlin und in den jetzt ankommenden Flüchtlingsfamilien.

Auf gut ausgebildete Flüchtlinge setzt auch eine Weiterbildungsinitiative der BTU Cottbus-Senftenberg. Gabriele Weineck hat ein Angebot entwickelt, mit dem ausländische Ingenieure fit für den deutschen Arbeitsmarkt gemacht werden. In einem ersten, gerade angelaufenen Modul, haben 37 Prozent der Teilnehmer bereits einen Masterabschluss, 63 einen Bachelor. Die Deutschkenntnisse sind bei 90 Prozent gut bis sehr gut, nur zehn Prozent der Teilnehmer verfügen lediglich über Grundkenntnisse. Gabriele Weineck: "Wenn Unternehmer ihre Hemmungen abbauen, ausländische Bewerber einzustellen, können sie viele ihrer Probleme lösen.