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| 19:22 Uhr

Exotische Bäume auf dem Vormarsch

Cottbus. Cottbus ist eine Parkstadt. Allein auf den rund 196 Hektar großen öffentlichen Flächen weist das Baumkataster der Stadt 10 000 Bäume aus. Am häufigsten ist die Linde. Doch die Flora der Stadt bietet auch reichlich Raritäten. „Wir haben 307 Arten gefunden“, sagt Rolf Striegler vom Naturwissenschaftlichen Verein der Niederlausitz. Von Ulrike Elsner

Jedes dritte im Baumkataster der Stadt erfasste Gehölz ist eine Linde. Auf Platz 2 der Baum-Hitparade rangieren die Eiche mit 20 Prozent und der Ahorn mit 16 Prozent. Es folgen Robinie und Kastanie mit jeweils drei Prozent sowie Esche, Erle und Pappel mit jeweils zwei Prozent.

Doch bei einem Stadtrundgang fallen neben den einheimischen immer mehr exotische Bäume auf. Der Chinesische Götterbaum breitet sich besonders stark aus. Die vom Naturwissenschaftlichen Verein der Niederlausitz herausgegebene Broschüre "Bemerkenswerte Gehölze in der Stadt Cottbus und den Cottbuser Parkanlagen" nennt als Standorte stattlicher Exemplare des Bitterholzgewächses mit auffälligen rotbraunen Früchten die Juri-Gagarin-Straße, den Hof Klosterstraße 17/18, Puschkin- und Spreeauenpark.

Rolf Striegler, selbst Mitglied des von Wolf-Dieter Heym geleiteten Autorenkollektivs der Publikation, beobachtet den Vormarsch der Raritäten mit zwiespältigen Gefühlen. "Wenn ich auf Hawaii Pflanzen aus der Karibik finde, gefällt mir das überhaupt nicht", bekennt der weitgereiste Geologe. Doch selbst Pückler habe der Versuchung der Exoten nicht widerstanden. Wie aus alten Rechnungen ersichtlich, habe er sogar im Branitzer Park Robinien pflanzen lassen.

So wie die Robinie inzwischen viele heimische Bäume verdrängt hat, könne das auch mit dem Eschen-Ahorn geschehen, einem bis zu 20 Meter hohen Baum mit gefiederten Blättern, der aus Nordamerika stammt. Große Exemplare stehen unter anderem an der Spreewehrmühle und in der Ludwig-Leichhardt-Allee.

Auch der Puschkinpark hat dendrologische Kostbarkeiten zu bieten. In der Nähe des japanischen Pavillons fallen ein Fächer-Ahorn, ein Götterbaum und zwei Japanische Blütenkirschen auf. Am Schachplatz steht eine der wenigen Zedern in der Stadt.

Doch nicht nur die Parks faszinieren den Spaziergänger mit dem Anblick bemerkenswerter Gehölze. Unvermutete Schönheiten trifft der Baumliebhaber auch in Wohngebieten. Besonders überrascht dabei die Willy-Jannasch-Straße in Sandow. Dort reckt sich eine Chinesische Spießtanne etwa sechs Meter in die Höhe. Besonderes Kennzeichen sind sehr scharfe und lange Nadeln. Ebenfalls in der Willy-Jannasch-Straße zu finden ist eine Baumaralie aus dem Fernen Osten Russlands, die sich durch mit dicken Stacheln bestandene Zweige und fast kreisrunde gelappte Blätter auszeichnet. Laut Naturwissenschaftlichem Verein handelt es sich dabei um den einzigen nachgewiesenen Standort in Cottbus. Weitere exotische Arten an diesem Standort sind eine Blasenesche, die ihren Namen den rötlichen fünf Zentimeter langen aufgeblasenen Kapseln verdankt und in China und Korea beheimatet ist.

"Warum diese Bäume gerade hier, mitten im Wohngebiet, gepflanzt worden sind, haben wir bisher nicht herausgefunden", gesteht Rolf Striegler.

Auch auf die Frage nach Superlativen bleibt der Geologe keine Antwort schuldig. So ist laut Striegler der Zimtahorn, der seinen Namen der zimtbraunen in dünnen Streifen abrollenden Rinde verdankt und aus China stammt, besonders selten. In Cottbus steht ein Expemplar im Spreeauenpark an einer Steinbrüstung südlich des Weihers. Von besonders weit her, nämlich aus Kalifornien, kommt der Riesenmammutbaum, der am Rand des Tertiärwaldes zu finden ist. Strieglers Lieblingsbaum aber ist eine Sumpfzypresse. Sie steht an der Spree im Volkspark Madlow, ist etwa 150 Jahre alt, 35 Meter hoch und vermutlich von Pückler gepflanzt worden.