Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er nach seiner Beurlaubung Anfang Dezember 2000 Unterlagen der GWC in seiner Wohnung aufbewahrte, wozu er nicht mehr berechtigt gewesen sei. Die Geschäftsunterlagen waren bei einer Durchsuchung am 20. Dezember 2000 gefunden worden.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 9000 Euro gefordert, Thiessats Verteidigerin Freispruch. Die Anwältin bezeichnete die wegen Gefahr im Verzuge ohne richterlichen Beschluss durchgeführte Durchsuchung als Willkür. Die Ermittlungsbehörde habe nur Hinweise "vom Hörensagen" gehabt, die beschlagnahmten Unterlagen seien ein Zufallsfund gewesen. Außerdem sei Günter Thiessat zum fraglichen Zeitpunkt noch berechtigt gewesen, Geschäftsunterlagen in seinem Besitz zu haben, weil er zwar beurlaubt, aber noch nicht entlassen war.
Dieser Argumentation folgte das Gericht nicht. Es sah zwar Verfahrensfehler bei der Durchsuchung in der Wohnung des ehemaligen GWC-Chefs, jedoch keine Willkür der Ermittler. Die gefundenen Unterlagen seien als Beweis verwertbar. Deshalb wurde Thiessat verurteilt. Dagegen kann er Berufung einlegen.
Thiessat ist seit seiner fristlosen Entlassung in Zusammenhang mit dem GWC-Skandal um Filz und Korruption beim kommunalen Großvermieter (die RUNDSCHAU berichtete) arbeitslos und versucht sich nun selbstständig zu machen. Sein Ruf sei jedoch völlig ruiniert, es gebe überall große Angst, ihn einzustellen, sagte er vor Gericht.
Als Zeuge wurde gestern auch der zusammen mit Thiessat entlassene zweite GWC-Chef, Joachim Käks, vernommen. Der machte jedoch fast keine Angaben, weil gegen ihn und Thiessat noch immer die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruption ermittelt. Wegen eines dubiosen Grundstücksgeschäftes wurde gegen Joachim Käks, die frühere Sachgebietsleiterin Immobilien der GWC, Elise G., und den früheren GWC-Anwalt Axel K. jedoch schon am Cottbuser Amtsgericht Anklage erhoben. Verhandelt wird voraussichtlich Anfang kommenden Jahres.