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| 19:24 Uhr

Wissenschaft aus Cottbus
Eine App für den Bienenstock

Das Easyhive-Team mit Daria Meyer, Ron Jacob und Lukas Dessoy wird bei der Nacht der kreativen Köpfe an der BTU ihren Easyhive vorstellen.
Das Easyhive-Team mit Daria Meyer, Ron Jacob und Lukas Dessoy wird bei der Nacht der kreativen Köpfe an der BTU ihren Easyhive vorstellen. FOTO: Ron Jacob / PR
Cottbus/Jena. Mit Sensor-Daten soll den Imkern das Leben leichter gemacht werden. Ein Ex-Cottbuser steckt hinter der Idee. Von Daniel Schauff

„Bienen-App“ – Ron Jacob lacht kurz, als der Reporter am Telefon das Wort benutzt. Hinter
Easyhive steckt eine Menge mehr, aber irgendwie, sagt Jacob, passt Bienen-App auch ganz gut. Übersetzt heißt Easyhive „Einfacher Bienenstock“. Auch das passt.

Gemeinsam mit Daria Meyer und Lukas Dessoy will der ehemalige BTU-Student den Imkern das Leben erleichtern. Automatisierung heißt das Stichwort. Die Europäische Union und der Bund finden die Ideen der drei Tüftler gut, gut genug für ein Gründerstipendium. Ein Jahr lang dürfen die Entwickler an ihrem Easyhive basteln und werden im Rahmen des Programms „Exist“ mit einem Gründerstipendium unterstützt. Aber zurück zu
Easyhive – Was bringt ein einfacher Bienenstock?

90 Prozent der Imker betreiben die Bienenzucht und Honigernte als Hobby, schätzt Ron Jacob. Sein Vater auch, dadurch hat Jacob selbst in frühen Jahren erste Schritte in der Hobbyimkerei getan, weiß: „Das ist schon eine Menge Arbeit.“ Die Klimaentwicklungen haben ihren Anteil daran, dass das Bienenmanagement deutlich schwerer ist als früher, sagt er. Zusätzlich bereitet der Schwarmtrieb seit Jahrhunderten den Imkern Kopfschmerzen. Mit Mikrosensoren wollen die
Easyhive-Erfinder ein Stück weit die jahrelange Erfahrung eines Imkers ersetzen. Termperaturmessung, Gewichtsmessung, sogar Audioanalyse eines Bienenstocks sollen möglich werden. In einem zweiten Schritt soll ein automatischer Schwarmsack ausgelöst werden, damit dem Imker keine Tiere verlorengehen. Informationen aus dem Bienenstock werden ins Netz gesendet. Der einfachste Schritt sei es dann noch, eine passende App zu entwickeln, sagt Ex-BTUler Jacob. Imkerei per Smartphone quasi.

Es dauert noch ein wenig, bis die drei Gründer von Easyhive all ihre Ziele erreicht haben. Das erste marktfähige Produkt wird im Herbst des kommenden Jahres verfügbar sein, kündigt Ron Jacob an – eine Bienenwaage. Ein Testprodukt wird schon zur nächsten Schwarmzeit im März eingesetzt. Imker, die Interesse hätten, beim Test dabei zu sein, könnten sich gern melden, sagt Jacob (info@easyhive.org).

Wie teuer eine Sensorik-Anlage für den Bienenstock sein wird, kann Ron Jacob noch nicht genau sagen. Wichtig ist den drei Gründern aber zu betonen, dass sie ein Produkt entwickeln, das in der Masse einsetzbar sein wird – das beinhalte nicht nur, dass die Sensorik robust und für den Einsatz im Freien geeignet sein wird, sondern auch wenig kostenintensiv. Ron Jacob nennt in dem Zusammenhang noch ein weiteres Einsatzfeld, in dem Easyhive eine wichtige Rolle spielen könne: dem Sammeln von Umweltdaten – denn am Verhalten der Bienen sind Entwicklungen der Umwelt ablesbar. Wenn 5000 oder sogar
10 000 Easyhives im Einsatz wären, sagt der Ex-Cottbuser, könnten sie relevante Daten für die Umweltforschung liefern.

Daria Meyer, Ron Jacob und Lukas Dessoy demonstrieren ihre Entwicklung heute Abend ab 18 Uhr bei der „Nacht der kreativen Köpfe“ an der BTU (Zentrales Hörsaalgebäude). Ron Jacob verspricht: Es wird auch Honig geben.