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| 18:45 Uhr

Interreg
Europas Millionen für Branitz

Herbsstimmung im Branitzer Park. Mit Fördermitteln soll der Park immer mehr in seinen Originalzustand zurückgeführt werden.
Herbsstimmung im Branitzer Park. Mit Fördermitteln soll der Park immer mehr in seinen Originalzustand zurückgeführt werden. FOTO: Rattei Foto / Klaus Ketzmerick
Cottbus. Wegesanierung, Außenpark-Gestaltung, das Venusbeet – Branitz profitiert vom Interreg-Topf wie kaum ein anderes Projekt. Von Daniel Schauff

Welche Rolle der Branitzer Park überhaupt bei den Cottbusern spiele, fragt Uwe Krink, Sprecher des Brandenburger Ministeriums für Jusitiz und Europa. Krink und sein Chef, Minister Stefan Ludwig (Linke), werden sich später den Branitzer Park ansehen. Ein Ausflug mit Hintergrund. In den Branitzer Park fließen in der aktuellen Förderperiode Interreg Va weit über zwei Millionen Euro, die Stadt zahlt gut 200 000 Euro. Interreg Va-Mittel gehen in die brandenburgisch-polnische Grenzregion, der Branitzer Park ist seit Jahren Nutznießer des europäischen Fördertopfs. Ludwig ist als Minister für Europa quasi zuständig für das Thema Interreg. Ähnlich viel Geld fließt mehr oder weniger zeitgleich in die Parklandschaft Zatonie bei Zielona Góra. 4,7 Millionen Euro Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gehen an die beiden Parklandschaften.

Geld, das gut investiert ist, will Cottbus an diesem Tag beweisen. Der Branitzer Park gehört zum Cottbuser Selbstbewusstsein, bestätigen die anwesenden Cottbuser dem Minister und seinem Sprecher. Jeder Euro sei sinnvoll angelegtes Geld.

„Erhaltung und Nutzung historischer Parklandschaften Branitz und Zatonie“ heißt das Projekt, von dem beide Parks in beiden Ländern profitieren wollen. In Zatonie, dem einstigen Günthersdorf, wird ein seit dem Zweiten Weltkrieg verwilderndes Parkgelände zu neuem Leben erweckt, erklärt Mary-Ann Basto aus dem Pressebüro der Cottbuser Stadtverwaltung. „Im Landschaftspark werden derzeit Sichtschneisen wieder erkennbar, Wege saniert und die Schlossruine gesichert.“

Diese Aufnahme aus der Zeit um 1930 zeigt das historische Venusbeet umgeben von Skulpturen. So soll es bald wieder aussehen.
Diese Aufnahme aus der Zeit um 1930 zeigt das historische Venusbeet umgeben von Skulpturen. So soll es bald wieder aussehen. FOTO: --

Arbeiten, die der Branitzer Park schon längst hinter sich hat. Ein großer Teil des Parks im Südwesten von Cottbus sieht in etwa so aus wie zu Pücklers Zeiten. „Branitz 3“ heißt die aktuelle Liste an Arbeiten, die mit den Fördergeldern aus der aktuellen Förderperiode erledigt werden sollen. Das verrät: Nicht das erste Mal kommt Branitz in den Genuss der Interreg-Förderung. Mit ihr wird ein großer Teil der Wiederherstellung des Parks nach historischem Vorbild realisiert. Aktuell sind Venusbeet, Rehgarten, Hardenbergplatz und ein neuer Parkeingang an der Forster Straße über die Pücklerallee die Zielstellung.

Die Arbeiten sind bereits gestartet, teilt Mary-Ann Basto mit. Baumpflegearbeiten, die Beseitigung von Wildwuchs im Rehgarten, die ersten Wegebauarbeiten. Im kommenden Frühjahr sollen dann Gräben saniert, Brücken und Wege wiederhergestellt und Gehölzpflasterungen im Rehgarten vorgenommen werden.

Der Rehgarten hat eine spannende Geschichte. Er liegt zwischen Schloss und Schlossgärtnerei, war nach dem Zweiten Weltkrieg stark verwildert. Der visionäre und bisweilen exzentrische Hermann von Pückler-Muskau hielt sich im Rehgarten einst zwei zahme Hirsche. Pücklers Figur an der Stadtpromenade ist inspiriert von seiner Liebe zu den Tieren, hatte damals der Urheber und Künstler Moritz Götze erklärt. Gezogen von den Hirschen, so sagt man, sei er einst am Café Kranzler in Berlin vorgefahren und hatte damit für Aufsehen gesorgt. Hirsche, das betont Mary-Ann Basto, wird es auch im sanierten Rehgarten nicht geben. Der Weg bis zum Tierpark allerdings ist nicht weit.

Nicht nur in den nördlich vom Schloss gelegenen Bereich des Cottbuser Landschaftsparks fließen die Fördermittel aus Brüssel. Zugute kommen sie auch dem Venusbeet – ein bereits jetzt schillernder Blickfang am Schloss. Allerdings gleichzeitig ein recht einsamer „Wohnort“ für die Venusstatue. Weit mehr Skulpturen standen einst dort und sollen im Rahmen des Projekts auch dort wieder Blicke der Besucher auf sich ziehen. Ebenso fließen Gelder in einen neuen Parkeingang zwischen Branitzer Siedlung und Pücklerallee. Teil davon ist auch die bessere Anbindung des Öffentlichen Nahverkehrs an den Park.