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| 13:38 Uhr

Interreg
Es geht nicht nur um Spaß

Cottbus/Zielona Góra. Knapp 600 000 Euro gibt’s fürs Lernen in Cottbus und Zielona Góra. Von Daniel Schauff

Geld ist in aller Regel gut, vor allem dann, wenn man’s bekommt. Ebenso in aller Regel aber muss man dafür auch etwas tun – und für knapp 600 000 Euro umso mehr.

Der Cottbuser Tierpark und der Botanische Garten in der polnischen Partnerstadt Zielona Góra haben etwas getan – zumindest in den Augen des Interreg-Begleitausschusses, der vor einigen Tagen über eine ordentliche Finanzspritze für beide Einrichtungen entschieden hat. Mehr als eine halbe Million Euro sollen in die Errichtung zweier kleiner Lehrgebäude fließen, in denen vor allem Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Polen gleichsam „vor Ort“ über die Flora und Fauna der Welt, aber auch der eigenen Region aufgeklärt werden.

Es sei das erste Mal, dass in beiden Städten einer breiten Öffentlichkeit zweisprachige Bildungsangebote in beiden Einrichtungen offenstünden, erklärt Carsten Jacob, als Chef der Euroregion Spree-Neiße-Bober Mitglied im Interreg-Begleitausschuss. „Wir bekommen so häufig Anfragen aus polnischen Schulen und Kindergärten, dass wir die Betreuung der Kinder allein mit einem Dolmetscher nicht mehr schaffen“, hatte Tierparkdirektor Jens Kämmerling bereits im April die Notwendigkeit eines Lehrgebäudes begründet. Entstehen soll der kleine Bau neben der alten Verwaltung und 15 mal 13 Meter Grundfläche messen. Eine polnischsprachige Halbtagskraft soll dafür sorgen, dass das Lehrreiche in der Sprache des Nachbarlands vermittelt wird.

Die Pläne für das Lehrgebäude auf dem Zoogelände sind nicht frisch, die Finanzierung aber wäre ohne Interreg-Mittel nicht möglich. Gleich des Öfteren hatte das entscheidende Gremium aber einen Entschluss zum Antrag verschoben, wie Kämmerling schon im Frühjahr der RUNDSCHAU erklärte.

„Man muss sich nur mal die Nummernschilder auf dem Parkplatz ansehen“, sagt der Cottbuser Stadtsprecher Jan Gloßmann über den hiesigen Tierpark. Eine ganze Reihe seien polnische Kennzeichen. Konkrete Erhebungen zu den Besucherzahlen aus dem Nachbarland gebe es zwar nicht, grob könne man aber davon ausgehen, dass mittlerweile immerhin 20 Prozent der Gäste aus Orten jenseits der Neiße und Oder in den Park kämen. Das sind bei Besucherzahlen von über 140 000 im Jahr immerhin fast 30 000 polnische Besucher.

Das ist nicht nur für die Statistik und Kasse des Tierparks gut, sondern hilft auch beim Beantragen von Fördermitteln – zumindest jenen aus den Interreg-Topf. Der ist dafür da, grenznahe Regionen einerseits infrastrukturell zu stärken, andererseits aber auch dafür, die Menschen auf beiden Seiten der Grenzen näher zusammenzubringen.

Mit dem Lehrprojekt in Tierpark und Botanischem Garten passt der Fördermittelantrag in die sogenannte Prioritätsachse III, „Stärkung grenzübergreifender Fähigkeiten und Kompetenzen“. Ein Besuch im Park, das hatte Kämmerling ebenfalls betont, sei nicht nur ein Spaßausflug, sondern solle auch Wissen vermitteln. Das wird künftig noch leichter fallen, wenn die „internationale Zooschule“ des Tierparks ihr eigenes kleines Domizil auf dem Gelände beziehen kann.