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| 16:42 Uhr

Regel im ÖVNV
Essen und Trinken sind in Bus und Bahn tabu

Solche Piktogramme in den Bussen und Straßenbahnen machen auf das Ess- und Trinkverbot aufmerksam.
Solche Piktogramme in den Bussen und Straßenbahnen machen auf das Ess- und Trinkverbot aufmerksam. FOTO: LR / Elsner
Cottbus. Verschlossene Kaffeebecher bilden eine Grauzone, dürfen aber auch verboten werden. Von Ulrike Elsner

Viel trinken ist ein guter Rat, um gut durch die aktuell heißen Tage  zu kommen. Auch der Eiskonsum in Cottbus ist in die Höhe geschnellt. Wer mit Bus und Bahn unterwegs ist, nutzt die Wartezeit ganz gern für einen Abstecher zum Eisstand oder kauft sich im Vorbeigehen ein kühles Getränk.  Doch darf er damit auch in die öffentlichen Verkehrsmittel einsteigen?

„Grundsätzlich ist der Verzehr von Speisen und Getränken in den Fahrzeugen nicht gestattet“, stellt Robert Fischer, Pressesprecher von Cottbusverkehr, klar. „Hier gelten die entsprechenden Piktogramme in den Bussen und Bahnen.“ Allerdings werde kein Gast des Fahrzeugs verwiesen, wenn er an einem heißen Sommertag mal einen Schluck aus einer wiederverschließbaren Wasserflasche nimmt.

Doch wie sieht es mit den beliebten „Coffee to go“-Bechern aus? RUNDSCHAU-Leser Thomas Schirmer wollte  an einem Samstagsmorgen an der Haltestelle Am Doll mit einem solchen Becher in den Bus der Linie 5 einsteigen.  „Der Kaffee bleibt draußen!“, habe der Fahrer gefordert und und auch nicht mit sich reden lassen, sagt Schirmer.  Weil er auf seinen Kaffee nicht verzichten wollte, machte sich der stark sehbehinderte Sandower also zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt.

„Wenn der Becher verschlossen ist und ich mich richtig verhalte, kann gar nichts passieren“, ist sich Schirmer sicher. Verschlossene Gefäße seien nach den Beförderungsrichtlinien des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg erlaubt. Beim Kaffeebecher mit Clip-Deckel handle es sich aber tatsächlich um eine Grauzone, räumt  Robert Fischer ein. Sollte ein solcher Becher plötzlich herunterfallen (beispielsweise aufgrund einer Gefahrenbremsung), würde sich der Deckel mit großer Wahrscheinlichkeit lösen, was zu Verunreinigungen im Fahrzeug führt.

Das sieht auch die Stadtverwaltung so. „Ein solcher Kaffeebecher ist kein wirklich verschlossenes Gefäß“, stellt Rathaussprecher Jan Gloßmann fest. Schnell könne dabei der Deckel verrutschen und der Kaffee überschwappen. Deshalb sei es richtig, dass die Fahrer ihre Fahrgäste auf das Problem aufmerksam machen. Was im übrigen immer in einem respektvollen und freundlichen Ton zu geschehen habe.

Im Regelfall reagieren Fahrgäste, die mit verbotenen offenen Getränken oder gar Eis  „erwischt“ werden, sehr verständnisvoll. Andernfalls dürfe der Fahrer uneinsichtige Passagiere des Busses oder der Bahn verweisen. „Wird ein Fahrgast auf frischer (vorsätzlicher) Tat ertappt“, so Robert Fischer weiter, „kann er im Ernstfall mit einem erhöhten Beförderungsentgelt in Höhe von 20 Euro für eine Sonderreinigung des Fahrzeugs bestraft werden.“

Besonders ärgerlich sei es, wenn eine Verschmutzung des Fahrzeugs nicht bemerkt wird.  Fahrgastbeschwerden wegen verdreckter Kleidung durch verunreinigte Polster habe es schon gegeben. „In diesem Fall hat unser Unternehmen auch schon Reinigungskosten erstattet“, stellt der Cottbusverkehr-Sprecher fest.

 Bei den täglichen Reinigungen im Betriebshof fallen pro Tag durchschnittlich Kosten in Höhe von 50 Euro für Sonderreinigungen an. Auf 300 Tage hochgerechnet, ergebe das eine Summe von 15 000 Euro. „In der letzten Konsequenz sind dies Kosten, die wir möglicherweise langfristig über höhere Ticketpreise finanzieren müssen“, sagt Robert Fischer.

Thomas Schirmer bescheinigt Cottbusverkehr wesentliche Verbesserungen in Sachen Bürgerfreundlichkeit im Verlauf der letzten 15 Jahre. Vor allem für behinderte Menschen hätten sich die Bedingungen spürbar verbessert. Dennoch hätte sich der Sandower, der mit einem Blindenstock unterwegs ist, gewünscht, dass der Busfahrer mehr auf ihn eingegangen wäre.