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Es wird zu viel gequatscht in der Welt

Axel Hacke
Axel Hacke FOTO: Thomas Dashuber
Axel Hacke schreibt seit 25 Jahren für das Magazin der Süddeutschen. 200 seiner Kolumnen sind jetzt gebündelt als "Kolumnistisches Manifest" erschienen. Am Mittwoch, 29. April, um 20 Uhr ist Axel Hacke zu Gast im Cottbuser Weltspiegel. Die RUNDSCHAU sprach vorab mit ihm. Daniel Steiger

Herr Hacke, ein Satz in Ihrem neuen Buch hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Gleich zu Beginn machen Sie sich dort Gedanken zum Wert der Kommunikation und schreiben "Das Unglück der Welt kommt aus dem Schweigen." Nun wird aber so viel kommuniziert auf dieser Erde, wie noch nie und trotzdem habe ich das Gefühl, das Unglück in der Welt nimmt zu. Wie passt das zu Ihrer These?
Es ist ja ein Unterschied zwischen Gerede und miteinander kommunizieren, also dem sich Zusammensetzen und sich Austauschen. Es ist wahnsinnig viel Gequatsche und Gerede in der Welt. Hinter dem Gerede auf Facebook oder in den Talkshows muss ja nicht unbedingt eine wirkliche Auseinandersetzung stecken. Das ist ja eigentlich nur eine andere Form von Schweigen. Man redet nicht über das, was wichtig ist. Man quatscht halt. Und das ist gemeint mit dem Satz.

Wir kommunizieren also falsch und das Falsche?
Ja, da ist was dran. Und in meiner Kolumne geht es auch darum. Das ist eine authentische Art der Kommunikation, weil da jemand schreibt, der sich Mühe gibt, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen.

Gerade diese Meinungsbildung ist aber anscheinend gerade etwas aus der Mode gekommen. Jeder scheint schon eine zu haben und das zu jedem Thema. Gehören Sie als Kolumnist deshalb zu einer aussterbenden Gattung?
Nein, das glaube ich nicht. Im Gegenteil, es gibt eine Vielzahl von Kolumnen. Als ich vor 25 Jahren damit angefangen habe, war das eher noch die Ausnahme und etwas Besonderes. Persönliche Kolumnen gab es damals noch nicht und es war auch nicht ganz einfach, das durchzusetzen. Das hat ein wenig gebraucht. Heute ist das anders. Überall finden Sie Kolumnen. Das soll ja auch der Bindung des Lesers an das Medium dienen. Ich frage mich nur, ob das funktioniert.

Wieso?
Das ist ja geradezu inflationär. Auf jeder Internetseite, überall finden Sie Kolumnen. Ist das nicht ein bisschen viel?

Was unterscheidet diese viele Kolumnen zum Beispiel von Ihrer?
Die meisten Leute denken, wenn sich das so leicht liest, ist das auch leicht geschrieben. Neben dem ersten Glas Wein am Abend verfasst man mal so eben noch eine Kolumne. So ist das nicht. Bei mir ist das mein Hauptberuf und eine recht langwierige Angelegenheit. Da muss ein Thema gefunden werden, mit dem man sich auseinandersetzt. Da muss ich etwas wissen darüber und als Kolumnist muss ich eine Haltung zu den Dingen entwickeln. Und darum geht es. Eine Kolumne muss etwas Wiedererkennbares sein, man muss den Autor darin spüren und das ist nichts, was man nebenbei macht. Das verlangt schon Zeit.

Wann schreiben Sie nun Ihre Kolumne, wenn nicht beim Glas Wein?
Ich schreibe meine Kolumne immer mittwochs. Das ist mein Tag, neun Tage später erscheint der Text dann. Es wird noch eine Zeichnung dazu gemacht. Da wird schon sehr penibel und sorgfältig dran gearbeitet an dieser Seite. Das macht schon Spaß.

Wenn Sie am Mittwoch in Cottbus sind, entsteht dann Ihre nächste Kolumne in der Lausitz?
Das ist sehr wahrscheinlich. Ich schreibe dann im Hotel oder in der Bahn, ich brauche dazu kein schalldichtes Büro. Das gefällt mir sogar. Es ist ein Text, der mitten im Leben entsteht.

Wie kommen Sie zu Ihren Themen? Haben Sie einen Ideenstapel im Büro?
Es ist schon eher spontan, braucht aber trotzdem seinen Vorlauf. In meinem Büro liegt ein Stapel von Zeitungsartikeln, der ist mindestens einen Meter hoch. Der fällt mir auch dauernd um. Immer wenn mir etwas auffällt, reiße ich das raus, lege es hin. Das ist aber nur so etwas wie Basismaterial. Wenn dann etwas passiert und ich erinnere mich, da hast du doch neulich erst etwas gelesen, dann finde ich das in diesem Stapel mit etwas Suchen wieder. Diese Kolumne ist eine dauerhafte Auseinandersetzung mit der Zeit, in der man lebt. Das findet bei mir eigentlich immer statt. Das eigentliche Schreiben geht dann schnell - das dauert nur zwei Stunden.

Im vergangenen Jahr waren Sie schon mal in Cottbus. Ist Ihnen irgendwas hängen geblieben von der Stadt?
Ich habe vor allem diesen Veranstaltungsort in guter Erinnerung - dieses wunderbare alte Kino. Das finde ich überhaupt toll, dass ich auf meiner Reise durch Deutschland alte Theater, alte Kinos und Spielstätten kennenlernen kann. Da gibt es ganz, ganz wunderbare Plätze und da gehört der Weltspiegel sicher dazu.

Mit Axel Hacke sprach

Daniel Steiger