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Es wird eng in der Wohnung

Familie Hummel (v.l.): Karim (16), Julia (12), Leon (14), Julius (4), Katrin Hummel (34), Lucy Sophie (7), Mathilda Joline (5 Monate), Frank Hummel (43) und Alexander (2). Es fehlt: Nico (11).
Familie Hummel (v.l.): Karim (16), Julia (12), Leon (14), Julius (4), Katrin Hummel (34), Lucy Sophie (7), Mathilda Joline (5 Monate), Frank Hummel (43) und Alexander (2). Es fehlt: Nico (11). FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Ein kostbarer Moment der Ruhe. Katrin Hummel (34) hält Töchterchen Mathilda Joline (fünf Monate) auf dem Arm und kuschelt.Ihr Mann Frank Hummel (43) schaut den beiden glücklich zu. So still geht es bei den Hummels eher selten zu: In der Fünf-Raum-Wohnung leben insgesamt zehn Personen – die Hummels haben acht Kinder. Andrea Hilscher

Mit 120 Quadratmetern gehört die Wohnung schon zu den größten, die der Cottbuser Wohnungsmarkt hergibt.

"Aber trotzdem wird es langsam etwas eng für uns alle", sagt Frank Hummel bedrückt. Seine beiden ältesten Söhne Karim (16) und Leon (14) sind behindert, teilen sich ein Kinderzimmer, gleich nebenan haben die Mädchen Julia (12) und Lucy Sophie ihr Domizil. Liebevoll eingerichtet, aber mit zwei Hochbetten, Stühlen und Schreibecken bleibt den Mädchen keinerlei Bewegungsfreiheit.

Noch enger ist es bei Nico (11), Julius (4) und Alexander (2) im Zimmer: Spielzeug, Schulutensilien, Anziehsachen liegen auf der Erde, zwischen eng gestellten Betten und Schränken. Das kleinste Zimmer teilen sich die Eltern mit ihrer jüngsten Tochter: Fast der ganze Raum ist durch das Ehebett und das Gitterbettchen von Mathilda Joline ausgefüllt. Was wird, wenn das Baby zu groß für das kleine Bett wird, wissen die Hummels noch nicht.

"Wir bemühen uns schon lange um eine größere Wohnung", erzählt der Familienvater, der als Gebäudereiniger arbeitet. Sogar im Büro des Oberbürgermeisters waren sie schon vorstellig, hatten im November ein Gespräch mit dessen Referenten Henry Crescini. "Aber bisher hat sich noch nichts bewegt", sagt Katrin Hummel.

Sie hat sich Unterstützung von ihrer Hebamme Cornelia Bartsch geholt. Sie hat fast allen Kindern der Hummels auf die Welt geholfen, kennt die Familienverhältnisse und hilft, wo sie kann. Ausgebildet als Familienhilfe, wartet sie seit Monaten darauf, dass ihre Unterstützung auch vom Jugendamt genehmigt und finanziert wird. "Aber irgendwo hängt unser Antrag fest." Familienhebammen kümmern sich um die Gesundheitsversorgung der Kinder, helfen bei rechtlichen Problemen, unterstützen beim Umgang mit Ämtern.

"Das kann manchmal ganz schön schwierig sein", gibt Cornelia Bartsch zu. "Und bei so vielen Kindern verliert man manchmal die Übersicht." Vor ein paar Monaten hatte sich eine gute Lösung des Wohnungsproblems abgezeichnet. Direkt neben den Hummels war eine Wohnung freigeworden. "Mit einem Durchbruch hätten wir die Wohnung prima nutzen können", so Frank Hummel. Zwei Zimmer mehr, dazu ein extra Bad - perfekt. Aber irgendwie fand sich niemand, der die Kosten für den Durchbruch übernehmen wollte.

Inzwischen ist die Wohnung wieder vermietet und die Hummels stehen vor einer neuen Herausforderung: In vier Wochen werden Bad, WC und Kinderzimmer von der GWC saniert. Die Familie muss noch enger zusammenrücken, zum Waschen geht es dann ins Bad einer leer stehenden Nachbarwohnung. Auch Möbel können dort zwischengelagert werden. "Trotzdem wird es schwierig", sagt Katrin Hummel. Die Versorgung ihres Babys, die Betreuung der behinderten Söhne - mitten in einer Baustelle ein nervenaufreibendes Unterfangen.

Die Hummels hoffen auf eine Lösung. "Wir würden gern in Sachsendorf oder der Spremberger Vorstadt bleiben", sagen sie. Die ältesten Söhne besuchen die Spreeschule, eine Tochter geht zur Lausitzer Sportschule, die anderen auf die bewegte Grundschule. Spielplätze, die Tafel, der Machtlos e.V. - alles wichtige Bezugspunkte für die Familie.

Cornelia Bartsch: "Die Kinder brauchen diese Bindungen, es wäre schwer, sie hier herauszureißen." Doch auch sie sieht dringenden Handlungsbedarf. "Julia und Nico sind momentan die Verlierer." Wenn sie von Schule oder Training nach Hause kommen, finden sie dort keinen ruhigen Ort, um ihre Hausaufgaben zu machen - die anderen Geschwister brauchen Platz zum Spielen, Fernsehen, Musik hören.

Bei der GWC versucht man nun mit Hochdruck, den Hummels eine Lösung anzubieten. Torsten Kunze, Chef der Gebäudewirtschaft, hat sich das Problem auf den Schreibtisch gezogen. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir der Familie helfen können."

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