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| 02:41 Uhr

Es wird eng im Kampf gegen die Massentierhaltung

Johannes Schilka kämpft für den Ökolandbau in der Region.
Johannes Schilka kämpft für den Ökolandbau in der Region. FOTO: pr
Vetschau/Cottbus. Noch bis 14. Januar läuft das Brandenburger Volksbegehren gegen Massentierhaltung. Für einen Erfolg brauchen die Initiatoren 80 000 Unterschriften. Derzeit rechnen sie mit einem knappen Ausgang. Andrea Hilscher

Wenn Dr. Werner Kratz, Ökotoxikologe und Vize-Chef des Nabu Brandenburg, auf Markplätzen wie etwa in Vetschau oder Burg steht und um Unterschriften wirbt, dann ist sein Job kein einfacher: Mobilisieren will Kratz gegen Massentierhaltung und für Tierwohl, doch das Interesse bei den Passanten ist eher mäßig. "Wenn wir das Volksbegehren in Berlin machen würden, hätten wir die Unterschriften innerhalb von ein paar Wochen zusammen", sagt er. "Aber in Brandenburg wird es knapp."

Warnung vor Gefahren

Verbesserungen beim Tierwohl will das Volksbegehren und besseren Schutz vor den negativen Umweltauswirkungen der Massentierhaltung. "Die Spreewaldregion ist eigentlich ein Kristallisationspunkt, an dem sich die bitteren Folgen von Schweine- und Hühnermast bündeln", sagt Kratz, doch noch würden viele Menschen die Gefahren nicht wahrnehmen.

Gefahren, die in der Region vor allem mit dem Namen Eric Arts verbunden seien, dem Geschäftsführer der Vetschauer Bolart GmbH, einem Schweinemastbetrieb, der schon allein wegen seiner Größe den Zorn der Tierschützer weckt. Rund 52 000 Schweine leben derzeit nach Arts Angaben in der Anlage, dazu kommen rund 14 000 Ferkel. "Die machen aber wenig Emissionen, zählen also kaum", sagt Arts und betont: "Wenn wir die Ferkel hier in der Anlage mästen, ersparen wir ihnen einen Transport, tun damit etwas fürs Tierwohl."

Außerdem sei der Bau einer Luftreinhaltungsanlage geplant, für 500 000 Euro. Verbunden ist diese Innovation allerdings mit einer umstrittenen Erweiterung der Anlage, die Genehmigung für offiziell knapp 68 000 Tiere liegt dem Unternehmen vor. Wann tatsächlich gebaut wird, ist offen. Eric Arts: "Die wirtschaftlichen Bedingungen im letzten Jahr waren katastrophal. Und wenn man nicht will, dass wir Arbeitsplätze schaffen, dann lassen wir es eben."

Den Brandenburger Tierschützern würde er damit einen Gefallen tun. In der Nähe der Vetschauer Schweinemast würde die immense Nitratbelastung infolge der Ammoniakausstöße den Wald zum Sterben bringen, im Boden und in geernteten Erdbeeren seien schon jetzt Antibiotikareste nachgewiesen, erzählt Kratz. Würde der Betrieb tatsächlich weiter wachsen, stünde die Region vor enormen Umweltproblemen. "Auch der Tourismus wird leiden", schätzt der Wissenschaftler. Er verweist auf eine Studie aus dem Oldenburger Münsterland, die belegt, dass Massentierhaltung das Image einer Region nachhaltig negativ beeinflusst.

Eine Sorge, die ebenfalls den Werbener Ökobauern Johannes Schilka umtreibt. Er engagiert sich in der Bürgerinitiative "Lausitz gegen Tierfabriken", auch aus "Achtung vor Gottes Schöpfung", wie er sagt. "Denn alles gehört ja zusammen. Genmanipuliertes Soja, das in Brasilien für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich ist, wird hier an die Schweine verfüttert, die wiederum mit ihrer Gülle und den Ammoniakausdünstungen hier die Umwelt zerstören."

Ökobauer in Sorge

Gerade im Spreewald, so Schilka, zeigen Erfolge der ökologischen Landwirtschaft, wie Bauern, Konsumenten und Tourismus gleichermaßen profitieren können von einer kleinteiligen Form der Tierhaltung. "Der Verbraucher muss sich einfach überlegen, was er will. Und was er dafür zahlen kann", sagt der Landwirt - und legt damit den Finger in die Wunde der Tierwohl-Problematik.

Das weiß auch Werner Kratz, der zugibt: "Wenn ich in Berlin mit seinen vielen Biosupermärkten einkaufen gehe, dann kann ich öko einkaufen ohne deutlich mehr Geld als in konventionellen Läden auszugeben. Hier in der Lausitz funktioniert das noch nicht." Ein Grund mehr für ihn, gegen industrielle Fleischproduktion zu kämpfen und kleine Ökobetriebe zu stärken. "Die braune Spree belastet das Image des Spreewaldes schon genug, da braucht es nicht noch gigantische Tierfabriken."