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"Es ist eigentlich schon zu spät"

Dr. Peter Clausing (re.) ist ein deutschlandweit anerkannter Toxikologe. Als Kämpfer gegen die Verwendung von Glyphosat war er auch im Alten Forsthaus in Kolkwitz jetzt auch ein gefragter Referent und Gesprächspartner.
Dr. Peter Clausing (re.) ist ein deutschlandweit anerkannter Toxikologe. Als Kämpfer gegen die Verwendung von Glyphosat war er auch im Alten Forsthaus in Kolkwitz jetzt auch ein gefragter Referent und Gesprächspartner. FOTO: Marion Hirche/jul1
Kolkwitz. Demnächst soll das Europäische Parlament über die Verwendung von Glyphosat für die nächsten zehn Jahre entscheiden. In Deutschland wird Glyphosat auf 40 Prozent der Ackerflächen verwendet. Marion Hirche / dst

Glyphosat hat eine Ausnahmestellung unter allen angewendeten Pestiziden, denn zwölf Prozent entfallen auf Glyphosat und die übrigen 88 Prozent sind mehr als 250 verschiedene Pestizide. Und das, obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass Glyphosat krebserregend ist beim Menschen. So zumindest bringt es die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ausdruck.

Im Alten Kolkwitzer Forsthaus haben sich vor Kurzem Naturschützer, Kommunalpolitiker und Landwirte getroffen, um mit dem deutschen Glyphosatexperten Dr. Peter Clausing zu diskutieren. Der Toxikologe hat schon mehrfach Aktivitäten initiiert, in denen deutlich wird, dass Ergebnisse von Studien über Glyphosat bewusst ignoriert werden, weil hinter dem Mittel große Chemiekonzerne stehen. Nach einem eingangs gezeigten Film, in dem Bilder von sowohl Pestizidschäden an Schweinen, als auch an Menschen in Südamerika gezeigt wurden, erläuterte der Fachmann, was Glyphosat ist, welche Folgen erkennbar sind und ob ein Leben ohne Glyphosat vorstellbar ist.

Bei der Folgendiskussion sprudelte aus dem Publikum heraus. Joachim Emmrich vom Naturschutzverein in Calau formulierte es deutlich: "Ich komme aus Buchwäldchen. Wir haben bei uns zahlreiche Fischteiche, aber im Gegensatz zu früher gibt es da keine Frösche mehr. Unsere beiden Jungstörche sind aus dem Nest geworfen worden. Die Vögel sind weit weniger geworden. Wir sind ein Teil der Natur und zerstören sie systematisch. Es ist eigentlich schon zu spät." Karin Seifert war aus Cottbus nach Kolkwitz gekommen: "Ich habe beobachtet, wie ein Nachbar den roten Klee mit Glyphosat behandelt hat und im Ergebnis der Klee nach wie vor da ist. Er ist also schon resistent gegen dieses Mittel, das beunruhigt mich sehr. Man merkt es ganz deutlich: Hier passiert was mit unserer Natur, was wir aufhalten müssen."

Die Verantwortung gegenüber der Natur spielte bei allen Diskussionsbeiträgen eine große Rolle. Auch Gastgeber Werner Richter, Vorsitzender des Naturschutzvereines Kolkwitz, betonte: "Wir haben eine Studie über die Amphibien in unserem Verantwortungsgebiet, daran ist deutlich ablesbar, dass es immer weniger werden. Aber auch jeder merkt, dass unsere Natur ärmer an Lebewesen geworden ist, früher hatte man bei einer längeren Autofahrt die ganz Scheibe voller Insekten, das ist heute nicht mehr so." Die Anwesenden gaben dem europaweit engagierten Dr. Peter Clausing mit auf den Weg, dass er alle Mittel ausschöpfen möge, um die weitere Nutzung von Glyphosat aufzuhalten.

Zum Thema:
Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist eine biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wird seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zur Unkrautbekämpfung in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Glyphosat wirkt unselektiv gegen Pflanzen; Nutzpflanzen können mittels Gentechnik eine Resistenz gegen Glyphosat erhalten. Es ist weltweit seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Ausgehend von Medienberichten und einigen kontrovers diskutierten Studien über mögliche Gesundheitsgefahren von Glyphosat, hat sich seit Jahren eine intensive öffentliche und wissenschaftliche Debatte entwickelt. Ab 2015 verschärfte sich die Diskussion zusehends. Als Anlass dafür sind die anstehende Neuzulassung in der EU sowie eine umstrittene Bewertung als wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen seitens der Internationalen Agentur für Krebsforschung zu nennen. Dieser Bewertung widersprachen andere relevante Behörden und Organisationen. (dst) Quelle: Wikipedia