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Polizei will Betroffene von Fahrraddiebstählen für deren Eigentum sensibilisieren
Es ist blau und hat zwei Räder

Gestohlene Fahrräder auf dem Gelände der Polizeiinspektion Cottbus. Drei solcher Garagen sind gefüllt mit Diebesgut.
Gestohlene Fahrräder auf dem Gelände der Polizeiinspektion Cottbus. Drei solcher Garagen sind gefüllt mit Diebesgut. FOTO: Steven Wiesner / LR
Cottbus. Die Polizei will Betroffene von Fahrraddiebstählen für deren Eigentum sensibilisieren. Oftmals scheitern Beklaute nämlich schon daran, ihr Gut auch nur rudimentär beschreiben zu können.

Sie fragen sich, was mit das Schlimmste ist, das einem Polizisten passieren kann? Vermutlich, wenn er für eine Straftat, die er aufgedeckt hat, keine Beweise findet. Marco Mette, der Leiter vom Kriminalkommissariat der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, kann ein Lied von solchen Tagen singen. Vor allem bei der Eigentümerermittlung von gestohlenen Fahrrädern stoßen er und seine Ordnungshüter mitunter an Grenzen. Zu oft schon haben er und seine Kollegen Diebstähle an den Täter zurückgeben müssen, „obwohl wir zu 99,9 Prozent wussten, dass das Rad gestohlen war“. Vor allem deshalb, weil die ursprünglichen Besitzer hernach nicht in der Lage waren, ihr Fahrrad ausreichend beschreiben und so ihren Besitz auch nachweisen zu können. „Die Leute sind einfach nicht sensibilisiert für ihr Eigentum“, so Mette.

Doch damit soll nun Schluss sein. Der KKI-Chef will die Menschen dazu aufrufen, ihre Naivität und Fahrlässigkeit abzulegen. Einfach kaufen und losfahren, reiche nicht aus. Im Besonderen nicht in einer Region, die im Fahrrad-Klau-Atlas neben Münster stets auf einem Spitzenplatz rangiert. Marco Mette rät dazu, sich zum Beispiel die Fahrzeugpapiere aushändigen zu lassen und auf Kaufverträge zu bestehen, egal ob bei gebrauchten oder neugekauften Fahrrädern. Und weil manche Diebe die Fahrräder bis zur Unkenntlichkeit verändern, bevor sie sie weiterveräußern, sollten sich die Eigentümer dringlich ein paar Merkmale einprägen, die im Grunde nur ihr Rad haben kann.

Die Beschreibung sollte im besten Fall hinausgehen über „es ist blau und hat zwei Räder“. Mette: „Manche können ihr Eigentum kaum konkret beschreiben, meckern dann aber, wenn das Verfahren eingestellt wird.“ Damit es nicht so weit kommt, sollte man sich zumindest die Rahmennummer notieren. Diese Buchstaben- und Zahlenkombination ist die wichtigste Grundlage bei der Ermittlung und zumeist unterhalb des Tretlagergehäuses eingraviert. Viele Diebe machen sich zwar die Mühe, gerade dieses Identifikationskriterium abzuschleifen und das gesamte Fahrrad umzulackieren. Doch die Ermittler finden in der Regel sehr schnell heraus, wenn am Fahrzeug herumgebastelt wurde. Was sie aber nicht herausfinden können, ist, wem das Fahrrad ursprünglich gehört hat. "Hier brauchen wir die Hilfe der Leute", betont Mette. "Sie müssen mithelfen bei der Ermittlung. Manche Auskünfte reichen zwar für Versicherungen, aber nicht für die Ermittlung der Eigentümer." Die Polizei bietet sogar mehrmals im Jahr Termine an, an denen man sein Rad codieren lassen kann. Diese Registrierung ist kostenlos.

Die Rahmennummer ist das wichtigste Identifikationskriterium. Sie ist meistens an der Unterseite des Tretlagergehäuses eingestampft.
Die Rahmennummer ist das wichtigste Identifikationskriterium. Sie ist meistens an der Unterseite des Tretlagergehäuses eingestampft. FOTO: Steven Wiesner / LR