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| 08:17 Uhr

UPDATE 400 Hektar in Flammen
Waldbrand in Lieberose weitgehend unter Kontrolle

Lieberose. Der großflächige Waldbrand in der Lieberoser Heide ist in der Nacht unter Kontrolle gebracht worden. Die Löscharbeiten gehen aber weiter. Ein Ende des Einsatzes ist nicht abzusehen. Von Bodo Baumert, Ingvil Schirling und Andrea Hilscher

Seit Donnerstagvormittag stehen 400 Hektar Wald in der Lieberoser Heide in Flammen. Für die Feuerwehren ist es ein Großeinsatz mit vielen Unwägbarkeiten. Denn ein Teil der Fläche ist extrem munitionsbelastet, ein Löschen nur aus der Luft oder von gesicherten Waldwegen aus möglich.

Feuerwehren aus dem Cottbus und Spree-Neiße sind ebenso im Einsatz wie aus der weiteren Region, unter anderem dem nördlichen Dahme-Spreewald-Kreis (Töpchin, Motzen, Zeesen, Stadt Wildau und Königs Wusterhausen), aus Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster. Selbst aus dem Landkreis Görlitz seien Kräfte unterwegs, so Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge (SPD). Die Berufsfeuerwehr Cottbus unterstützt mit ihrer Führungskomponente, dem Einsatzleitwagen 2, und zwei Tanklöschfahrzeugen die Brandbekämpfung. Auch Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Cottbus sind seit Donnerstag vor Ort. Oberbürgermeister Holger Kelch hat sich bereits bei ihnen bedankt. Insgesamt bekämpfen aktuell 110 Einsatzkräfte den Brand.

Am frühen Morgen hat LDS-Kreisbrandmeister Ronald Judis die Lage von seinem Spree-Neiße-Kollegen übernommen, um den Schichtwechsel zu gewährleisten. Ihm zur Seite steht der Peitzer Amtswehrführer Thomas Schulze. Bei einer ersten Lageeinschätzung wird klar: Der Temperatursturz auf knapp 20 Grad spielt den Wehren in die Hände. Ronald Judis: „Generell sagt man: Am Abend geht der Waldbrand schlafen. Und was du in der Nacht nicht unter Kontrolle kriegst, flammt am nächsten Tag wieder auf.“ Derzeit aber, so Judis, sei die Lage überall dort unter Kontrolle, wo die Feuerwehrleute den Wald gefahrlos betreten dürfen. „Was in der roten Zone – dem extrem munitionsbelasteten Bereich – passiert, erfahren wir nur durch Aufnahmen aus der Luft.“ Die Gefahr, so erklärt Thomas Schulze, bestehe zum einen in der Hitze, die auch unterirdisch vergrabene Munition zum Entzünden bringen kann. „Außerdem gibt es immer wieder Leute, die hier illegal graben und so die Gefahrenstoffe an die Oberfläche befördern.“ Am Donnerstag habe man mehrfach Detonationen hören können.

Auch im Drachhausener Konsum beschäftigt der Brand die Inhaber und die Kundschaft. „Wir sehen ja die ganzen Feuerwehrwagen durch den Ort fahren“, erzählen die Inhaber. Angst vor einem Herannahen der Flammen hätten sie nicht. „Wir haben schon schlimmere Brände erlebt.“

Während Judis mit den Führungskräften das weitere Vorgehen bespricht, rollen die Wagen der Feuerwehren aus dem Umland auf den Sützpunkt von Einsatzleitung und Katastrophenschutz. Hier ist Birgit Göllner seit den frühen Morgenstunden mit elf Leuten vor Ort, um die Brandlöscher mit heißem Kaffee und Würstchen zu versorgen. „Sie müssen ja bei Kräften bleiben“, sagt die erfahrene Katastrophenschützerin.

Die Männer, die sich bei ihr stärken, sind damit beschäftigt, letzte Glutnester an Baumstümpfen zu löschen und die Wege mit Wasser zu fluten, um die Brandherde zu begrenzen. Auch die Bundesstraße zwischen Drachhausen und Lieberose ist für den Durchgangsverkehr gesperrt. „Aber die Ortschaften in der Gegend waren zu keinem Zeitpunkt gefährdet“, sagt Ronald Judis. Auch einen wirtschaftlichen Schaden könne man nicht beziffern. „Hier ist die Natur ohnehin sich selbst überlassen, Holzwirtschaft wird hier nicht betrieben.“

Brandeinsatz in der Lieberoser Heide FOTO: Michael Helbig

„Es gibt überall noch Glutnester, die uns mit Sicherheit noch bis zum nächsten kräftigen Regen beschäftigen werden“, sagt Oberförsterei-Leiter Siegfried Lüdecke. Regen aber ist derzeit nicht in Sicht. Die größten Hoffnungen setzen die Brandbekämpfer jetzt in den Löschhubschrauber der Bundeswehr, der mit Wasser der umliegenden Seen Brandherde in der roten Zone ablöscht. Am späten Nachmittag hatte er bereits einmal seine komplette Ladung mit 5000 Litern abgeworfen. Wann der Einsatz beendet werden kann, anhand von Luftbildern entschieden, die ein Polizeihubschrauber geliefet hat.

Aus Elbe-Elster kam Verstärkung mit sechs Fahrzeugen – aus Bad Liebenwerda, Herzberg, Hohenleipisch, Hohenbucko, Kirchhain und Rückersdorf. „Die Alarmierung erfolgte gegen 5.50 Uhr. Um 6.30 Uhr war der Zug aus Massen abfahrbereit“, berichtet Kreisbrandmeister Steffen Ludewig. Zusätzlich wurde ein Führungsfahrzeug bemannt und auf den Weg geschickt. Gegen 8 Uhr erreichte die Kolonne Cottbus und kurz darauf den Einsatzort. „Wir haben ein wenig Bauchschmerzen, weil auch bei uns eine angespannte Lage vorherrscht, helfen aber, so gut wir können“, sagt der Kreisbrandmeister von Elbe-Elster. Alle Einsatzkräfte seien ehrenamtlich dabei. Weitere Fahrzeuge würden für den Hilfseinsatz vorbereitet.

Die Wehren aus Elbe-Elster.
Die Wehren aus Elbe-Elster. FOTO: Michael Helbig