Die dramatischen Ereignisse von Dienstagabend auf dem Parkplatz am Cottbuser Bahnhof finden eine traurige Fortsetzung. Im Mittelpunkt steht ein und derselbe Mann. Am Dienstag hatte er einen zehnjährigen Jungen aus einem geparkten Auto gestoßen, das er stehlen wollte. Am Donnerstag schlug er auf eine Streife der Bundespolizei ein. Dabei ließ er sich nicht einmal von einem Diensthund beeindrucken.

Der Bundespolizei zufolge wurden die Beamten am Donnerstagmorgen gegen vier Uhr von einer Zugbegleiterin der Odeg darüber informiert, dass sich ein aggressiver Mann auf dem Bahnhof aufhält. Der 28-Jährige befand sich demnach in einem abgestellten Zug und weigerte sich, ihn zu verlassen. Möglicherweise wollte er dort übernachten oder suchte nur einen warmen Platz, denn in der Nacht waren die Temperaturen in Cottbus in den einstelligen Bereich gesunken. Warum er sich weiterhin in Cottbus aufhielt, ist unklar. Der Mann hat der Bundespolizei zufolge eine Adresse als festen Wohnsitz angegeben.

Die Beamten bugsierten den Mann schließlich mit Nachdruck aus dem Zug, der später Pendler nach Berlin bringen sollte. Bundespolizeisprecher Thorsten Peters berichtet: "Die Beamten forderten den Mann auf, den Bereich zu verlassen. Entgegen den Anweisungen versuchte er, in einen anderen abgestellten Reisezug zu gelangen." Die Streife hinderte ihn natürlich daran. Da schaltete der 28-Jährige auf Angriff um, obwohl die beiden Polizisten einen Hund bei sich hatten. Der Mann trat dem Diensthundeführer ans Schienbein und schwang die Fäuste in Richtung des zweiten Beamten. "Weder die Androhung und schließlich der tatsächliche Einsatz des Diensthundes hielten ihn davon ab, auf die Beamten loszugehen", schildert Peters den Vorfall. Erst eine ordentliche Ladung Pfefferspray konnte den aggressiven Mann stoppen.

Nach dieser Attacke benötigte der Angreifer selbst Hilfe. Er wurde vorsorglich zur Behandlung ins Carl-Thiem-Klinikum gebracht. Die beiden Polizisten trugen laut Thorsten Peters keine Verletzungen von der Auseinandersetzung davon.

Der Mann war der Bundespolizei zufolge zum Zeitpunkt des Vorfalls nüchtern. Gegen ihn wird nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Hausfriedensbruch ermittelt. Damit summieren sich Vorwürfe gegen den 28-Jährigen. Denn die Polizei ermittelt bereits wegen räuberischem Diebstahl und Bedrohung gegen den Mann. Sie resultieren aus den Ereignissen von Dienstagabend, bei denen der Täter eine Skrupellosigkeit an den Tag legte, die selbst für gestandene Polizisten neu war.

Dabei hatte der Mann einen Jungen aus einem Auto gestoßen, das er vom Parkplatz am Bahnhof stehlen wollte. Nur weil der Täter die Handbremse nicht lösen konnte, gelang ihm nicht die Flucht mit dem Fahrzeug. Der Autobesitzer alarmierte die Bundespolizei, die den Täter schließlich mithilfe einer weiteren Streife in der Finsterwalder Straße in der Nähe des Carl-Thiem-Klinikums stellen konnte.

Trotz der besonderen Skrupellosigkeit, die er bei dem versuchten Autodiebstahl an den Tag legte, sah die Staatsanwaltschaft keinen Grund, den Mann in Untersuchungshaft zu nehmen. Oberstaatsanwältin Petra Hertwig erklärte gegenüber der RUNDSCHAU: "Wenn keine weiteren Haftgründe vorliegen, wie etwa Flucht- oder Wiederholungsgefahr, dann wird keine Untersuchungshaft angewiesen." Diese diene nur zur Absicherung eines Strafverfahrens.

Der Mann ist auch nach dem neuerlichen Vorfall weiterhin auf freiem Fuß. Bundespolizeisprecher Thorsten Peters erklärt dazu: "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ist kein Haftgrund."