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| 17:33 Uhr

Wählen ab 16
Cottbuser will Erstwähler an die Wahlurnen bringen

 Schülerinnen des Oberstufenzentrums sprayen das Datum der Landtagswahl auf den Schulholf zusammen mit der Aufforderung "Wählen gehen".
Schülerinnen des Oberstufenzentrums sprayen das Datum der Landtagswahl auf den Schulholf zusammen mit der Aufforderung "Wählen gehen". FOTO: LR / Liesa Hellmann
Cottbus. Etwa 100 000 junge Menschen können am 1. September erstmals ihre Stimme für den Brandenburger Landtag abgeben. Mit der B-Team-Tour will der junge Cottbuser Paul Wiesenberg Gleichaltrige überzeugen, wählen zu gehen. Das überzeugt nicht alle. Von Liesa Hellmann

Cottbus Am Sonntag ist es soweit: Etwa 100 000 junge Menschen können in Brandenburg zum ersten Mal an der Landtagswahl teilnehmen. Eine von ihnen ist Michelle. Für die angehende Sozialassistentin steht aber fest: „Ich werde nicht wählen.“ Eine Stimme mehr oder weniger, das mache keinen Unterschied, meint die 18-Jährige. „Jede Stimme zählt“, wirft daraufhin eine Klassenkameradin von der Seite ein.

„Wählen gehen“ – das ist die Botschaft, die acht junge Menschen am Montag Schülern des Oberstufenzentrums (OSZ) vermitteln wollen. Als sogenanntes „B-Team“ sind sie zwei Wochen in ganz Brandenburg unterwegs, besuchen Berufsschulen, Oberschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren wie in Cottbus.

B-Team will Gleichaltrige zum Wählen überzeugen

Mit dabei ist Paul Wiesenberg. Der 21-Jährige ist gebürtiger Cottbuser, im Jahr 2016 hat er sein Abitur am Humboldt-Gymnasium gemacht. Derzeit studiert er im fünften Semester Jura in Potsdam. „Viele Jugendliche wissen zwar, dass sie wählen können, sie wissen aber nicht, wo sie sich informieren können“, sagt er. Auch dabei will das B-Team den Jungwählern helfen. „Wir geben natürlich keine Meinung vor, sondern geben ihnen das Handwerkszeug, um sich zu informieren.“ Konkret bedeutet das: In den Workshops geht es hauptsächlich darum, die Jugendlichen überhaupt zum Wählen zu motivieren. Brandenburg ist eines von vier Bundesländern, in denen Jugendliche ab 16 Jahren den Landtag wählen können.

 Tim Peters, Karia Hille, Jan Nowak und Paul Wiesenberg haben am Montag mit Schülerinnen und Schülern des Oberstufenzentrums über die Landtagswahl gesprochen.
Tim Peters, Karia Hille, Jan Nowak und Paul Wiesenberg haben am Montag mit Schülerinnen und Schülern des Oberstufenzentrums über die Landtagswahl gesprochen. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Im Workshop geht es auch darum, den Jugendlichen deutlich zu machen, warum eine hohe Wahlbeteiligung wichtig ist. Gehen nur wenige Menschen wählen, kann eine Minderheitsmeinung schnell zur Mehrheit werden, ist eine der Kernaussagen des Workshops. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten zudem einen Forderungenkatalog, der den Spitzenkandidaten der in den Landtag gewählten Parteien am Sonntag bei ihren Wahlpartys überreicht wird.

Parteien spielen keine Rolle

Über die Parteien und deren Inhalte informieren Paul Wiesenberg und seine Mitstreiter nicht. Denn das Projekt, das vom Verein Kumulus in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Tolerantes Brandenburg durchgeführt wird, ist überparteilich. Für Paul, der Mitglied bei den Linken ist, bedeutet das: „Mit dem Einstieg in den Tourbus gibt man den Alltag und die Parteizugehörigkeit für die nächsten zwei Wochen ab.“

Lehrerinnen sind bei den Workshops selten dabei, um die klassische Unterrichtsatmosphäre aufzubrechen und einen offenen Gesprächsraum zu schaffen. „Gesagt werden kann grundsätzlich alles, was sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegt. Sexistische, rassistische, homophobe und verfassungsfeindliche Aussagen tolerieren wir nicht“, betont Paul.

AfD fordert Streichung der Mittel für Tolerantes Brandenburg

Bei Michelle kommt das junge Team gut an: „Die Leute sind sehr sympathisch“, sagt sie. Und auch der Workshop habe ihr „im Großen und Ganzen“ gefallen. An ihrem Entschluss, nicht wählen zu wollen, hat er dennoch nichts geändert. „Wir haben zwar den Anspruch, alle zu überzeugen, dass das nicht immer funktioniert, ist klar“, sagt Paul Wiesenberg. „Zur Wahlfreiheit gehört auch das Recht, nicht zu wählen und das ist wichtig.“

Luca (18), der wie Michelle am OSZ eine Ausbildung zum Sozialassistenten macht, stimmt seiner Mitschülerin zumindest in einem Punkt zu: „Ich finde es richtig gut, dass junge Leute den Workshop gemacht haben. Sie sind uns mit dem gleichen Respekt begegnet wie wir ihnen.“ Im Gegensatz zu Michelle wird Luca am ersten September sein Kreuz auf dem Wahlzettel machen, denn: „Diese Wahl beeinflusst unsere Zukunft.“ Beim Wahlforum der RUNDSCHAU am vergangenen Donnerstag wurde deutlich, was das konkret, etwa für das B-Team-Projekt, bedeuten kann: Die stellvertretende Landesvorsitzende der AfD, Birgit Bessin, forderte in der Diskussionsrunde, die finanziellen Mittel für die Koordinierungsstelle Tolerantes Brandenburg, die die B-Team-Tour unterstützt, zu streichen.

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