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| 17:38 Uhr

Energiewende
Erster Block im Kraftwerk Jänschwalde geht Sonntag vom Netz

Im Kraftwerk Jänschwalde wird am Sonntag der erste 500-MW-Block abgeschaltet.
Im Kraftwerk Jänschwalde wird am Sonntag der erste 500-MW-Block abgeschaltet. FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt
Jänschwalde. Das erste von zwei 500-MW-Aggregaten im Kraftwerk Jänschwalde wird am Sonntag in den technischen Schlummerzustand versetzt. Genau ein Jahr später folgt der zweite Block. Umweltverbände begrüßen den Schritt. Lausitzer Energiearbeiter begleiten die politisch erzwungene Netztrennung mit einem stillen Protest in Cottbus. Von Peggy Kompalla und Kathleen Weser

Genau 17 Uhr wird am Sonntag Block F vom Netz gekappt. Damit kommt der Energiekonzern Leag einer Entscheidung der Bundesregierung aus dem Jahr 2015 nach. Zwischen 2016 und 2023 sollen insgesamt 2700 Megawatt (MW) Braunkohlekapazitäten im Stromsektor schrittweise stillgelegt werden. Die Politik verbindet damit die Erwartung, den Ausstoß von rund zwölf Millionen Tonnen klimaschädlichem Kohlendioxid einzusparen.

Der abgeschaltete Block in Jänschwalde wird nicht abgebaut, sondern geht in die Sicherheitsreserve. In den nächsten vier Jahren steht er in Bereitschaft, um im Notfall innerhalb von zehn Tagen angefahren zu werden und 24 Stunden später wieder mit voller Leistung am Netz zu sein.

Die Klima-Allianz Deutschland und die Grüne Liga fordern, das gesamte Kraftwerk Jänschwalde im Zuge des Kohleausstiegs bald abzuschalten und nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven für die Lausitz zu schaffen. „Auch die übrigen Blöcke müssen demnächst vom Netz. Nur so kann die Bundesregierung ihre eigenen und die internationalen Klimaziele erreichen”, sagt Stefanie Langkamp, Kohleexpertin der Klima-Allianz Deutschland. „Wir brauchen einen Fahrplan für den Kohleausstieg und ein umfassendes Strukturwandelpaket, damit in Jänschwalde und an den anderen Kraftwerksstandorten endlich Klarheit herrscht. Nur so kann die Region vorankommen und Zukunftsperspektiven aufbauen.” Das gelte für die Lausitz ebenso wie für die anderen Kohleregionen.

Dem Energieunternehmen Leag werden damit in diesem und dem nächsten Jahr auf einen Schlag insgesamt 1000 Megawatt seiner Erzeugungskapazität entzogen. „Dieser direkte Eingriff der Bundespolitik in ein funktionierendes Energieversorgungssystem wird allein bei der Leag 600 Arbeitsplätze im Kraftwerks- und Tagebaubereich kosten. Die Region verliert darüber hinaus etwa 900 weitere Jobs bei mittelständischen Betrieben, die als Zulieferer, Instandhalter und Service-Partner für das Energieunternehmen arbeiten. Das hat jetzt schon spürbare Folgen für die Menschen im Lausitzer Revier, für die Arbeits- und Ausbildungssituation und für die Wertschöpfung in dieser Region“, sagt Ute Liebsch, Bezirksleiterin der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) im Bezirk Cottbus. Sie verweist auf die 1,4 Milliarden Euro, die die Leag bislang jährlich für Löhne und Auftragsleistungen zahlt und die überwiegend in der Lausitz verbleiben. „Um ihre überambitionierten Klimaziele durchzusetzen und sich weiterhin in ihrem Ruf als Musterschüler der Energiewende zu sonnen, lassen die politischen Verantwortungsträger eine ganze Region bluten und riskieren die Versorgungssicherheit im Land. Ein tragfähiges Konzept für die Ansiedlung neuer, auch nur annähernd gleich gut bezahlter Industriearbeitsplätze, die den bevorstehenden Jobverlust in der Lausitz ausgleichen könnten, sind sie dagegen bis heute schuldig geblieben.“

Vor diesem Hintergrund warnen die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Konzernbetriebsrat der Leag am Sonntag zeitgleich zum Anschalten des ersten Jänschwalder Kraftwerkblockes vor der Cottbuser Stadthalle „vor weiteren willkürlichen Eingriffen der Bundespolitik in die Lausitzer Energiewirtschaft, die unweigerlich zu Strukturbrüchen führen würden, von denen sich diese Region nicht wieder erholen kann“. Dieser Mahnung wollen die betroffenen Bergleute und Kraftwerker am Sonntag öffentlich Nachdruck verleihen. Die Leag-Mitarbeiter wollen 600 leere Stühle auf dem Stadthallenvorplatz hinterlassen und dieses symbolische Bild für den Verlust von Arbeitsplätzen mit schwarzem Trauerflor einrahmen.