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Erste Schaufel für den Ostsee-Zulauf

Ministerin am Steuer: Kathrin Schneider durfte die erste Baggerschaufel für den Zufluss zum Ostsee setzen. Allerdings erst nach ordentlicher Belehrung und mithilfe von Bauarbeiter Marcel Lieschke.
Ministerin am Steuer: Kathrin Schneider durfte die erste Baggerschaufel für den Zufluss zum Ostsee setzen. Allerdings erst nach ordentlicher Belehrung und mithilfe von Bauarbeiter Marcel Lieschke. FOTO: dpa
Cottbus. Damit das Wasser in einem Jahr von der Spree in den Ostsee fließen kann, ist am Freitag in Lakoma mit dem Bau des Einlaufs begonnen worden. Die erste Schaufel bewegte Ministerin Kathrin Schneider (SPD). Peggy Kompalla

Mit festem Schuhwerk steht Kathrin Schneider im Staub von Lakoma. Brandenburgs Infrastrukturministerin kommt gut vorbereitet zum Termin und findet bedeutungsschwere Worte: "Wir stehen hier zwischen Vergangenheit und Zukunft." Mit dem ausgebaggerten Tagebau Cottbus-Nord im Rücken spannt sie den Bogen zum Strukturwandel. Mit Blick auf den künftigen Ostsee gibt sie den Hinweis: "Es braucht Mut bei der Gestaltung." Schließlich gebe es in Brandenburg 3000 Seen mit einer Größe von mehr als fünf Hektar. Dagegen wird der Ostsee ein Riese, mit einer Fläche von 1900 Hektar der größte künstliche See Deutschlands. "Sie müssen auch Dinge denken, die nicht sofort realisierbar erscheinen", ermahnt die Ministerin. Denn es brauche ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Schließlich stehe der Tagebausee in Konkurrenz zum Lausitzer Seenland. Sie verspricht: "Wir bleiben fest an Ihrer Seite bei der Gestaltung des Strukturwandels und der neuen Landschaft." Das hören Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), Landrat Harald Altekrüger (CDU) und die Peitzer Amtsdirektorin Elvira Hölzner (parteilos) gern.

Uwe Grosser vom Vorstand des Energiekonzerns Leag ist nicht weniger zufrieden. Laufen die Arbeiten am Ostsee doch bislang nach Plan. Er verkündet: "Auf dieser Baustelle wird im nächsten halben Jahr ein Bauwerk errichtet, das die Voraussetzung dafür bildet, dass wir im Herbst 2018 an gleicher Stelle ‚Wasser marsch' sagen können." Die Anlage wird Wasser aus dem Hammergraben über eine 145 Meter lange unterirdische Leitung zum Tagebaurand leiten, von wo es durch eine Rinne über die Böschung bis hinab zum Seegrund fließt. Fünf Kubikmeter pro Sekunde sollen es sein. "Wir werden nur so viel Wasser aus der Spree entnehmen, wie es der Fluss zulässt", versichert Grosser. 80 Prozent des Ostsees werden aus Spreewasser gespeist. Der Rest ist aufsteigendes Grundwasser.

Genau das bereitet den Grünen und dem Umweltverband Grüne Liga Sorgen. Die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky (Grüne) weist auf die aus ihrer Sicht noch immer ungeklärte "Sulfatfrage" hin und fordert deshalb am See-Ausleiter einen Grenzwert von 250 Milligramm je Liter, was Trinkwasserqualität entspricht. Leag-Sprecher Thoralf Schirmer sagt dazu: "Solch einen Grenzwert gibt es für kein Gewässer." Unabhängig davon rechne die Leag mit einem Zielwert von 500 Milligramm Sulfat je Liter. Nur in Ausnahmefällen könnten 600 erreicht werden.

René Schuster von der Grünen Liga kritisiert: "Mit dem Bau des Zulaufes werden erste Tatsachen geschaffen." Das stimmt so nicht. Denn für den Einlauf gibt es das Okay aus Potsdam. Das bestätigt Thomas Frey, Präsident des Landesumweltamtes: "Gegen die Errichtung und den Betrieb des Einlaufbauwerks bestehen keine Bedenken oder Einwände." Auch die Erklärung von René Schuster, dass die Obere Wasserbehörde bei einem Erörterungstermin im November 2016 den Tagebausee "als nicht genehmigungsfähig bezeichnet" hat, relativiert Frey. "Seitens der Antragstellerin wurden infolge der Beanstandungen überarbeitete Antragsunterlagen vorgelegt. Diese befinden sich gegenwärtig noch in der Prüfung, unabhängig vom Einlaufbauwerk."

Der Ostsee ist eine Riesenbaustelle. Von den 17 Millionen Kubikmetern Masseabtrag in der Mitte des künftigen Sees sind der Leag zufolge bereits elf Millionen Kubikmeter bewegt und zur Verfüllung der alten Kohlebahnausfahrt genutzt worden. Die erste von zwei dem Naturschutz vorbehaltenen Inseln im See ist fertiggestellt. Darüber hinaus ist die Gestaltung des 26 Kilometer langen Ufers großteils abgeschlossen. Für die Renaturierung des Ostsees hat der Energiekonzern nach eigenen Angaben bislang 150 Millionen Euro ausgegeben, 300 Millionen Euro sollen es insgesamt sein.