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Erste Hilfe für Opfer von Straftaten

Der Weiße Ring in Cottbus betreut viele Opfer von häuslicher Gewalt. Die Mitarbeiter des Weißen Rings helfen den betroffenen Frauen dann zum Beispiel dabei, eine sichere Bleibe zu finden.
Der Weiße Ring in Cottbus betreut viele Opfer von häuslicher Gewalt. Die Mitarbeiter des Weißen Rings helfen den betroffenen Frauen dann zum Beispiel dabei, eine sichere Bleibe zu finden. FOTO: privat
Cottbus. Wenn Menschen Opfer von Straftaten werden, führt ihr Weg nicht immer zuerst zur Polizei. Die Mitarbeiter des Weißen Rings stehen Kriminalitätsopfern als vertrauensvoller Ansprechpartner zur Verfügung. Rund 80 Ratsuchende haben sich im Jahr 2013 in Cottbus an den Weißen Ring gewandt. Nicole Nocon

Mehrmals pro Woche klingelt das Telefon von Ariane Lambert, das für Menschen reserviert ist, die Opfer einer Straftat geworden sind. Die Rechtsanwältin leitet die Cottbuser Außenstelle des Weißen Rings, der sich als Anlaufstelle für Kriminalitätsopfer und ihre Angehörigen versteht. Bundesweit hat der Weiße Ring 420 Außenstellen mit 3000 ehrenamtlichen Mitarbeiten. In Cottbus kümmern sich Ariane Lambert und elf weitere Ehrenamtler um Ratsuchende, die unter körperlichen, seelischen oder wirtschaftlichen Folgen einer Straftat leiden. Rund 60 Mitglieder unterstützen den Weißen Ring Cottbus durch ihre Beiträge, durch die sich die Arbeit hauptsächlich finanziert.

"Wir helfen zum Beispiel Frauen, die unter häuslicher Gewalt zu leiden haben, eine neue Bleibe zu finden, oder Stalking-Opfern beim Umzug oder dabei, eine neue Telefonnummer zu bekommen. Wir begleiten unsere Klienten zur Polizei, zu Behörden oder Gerichtsterminen oder wir vermitteln sie an Beratungsstellen, Hilfsorganisationen oder Therapeuten, die weitergehende Unterstützung leisten können", beschreibt Ariane Lambert das Leistungsspektrum des Weißen Rings. "Wir helfen auch, wenn keine Anzeige bei der Polizei erstattet wurde. 80 Ratsuchende konnten wir im vergangenen Jahr unterstützen", erklärt sie. Es komme auch schon mal vor, dass Straftaten vorgetäuscht würden, um sich finanzielle Hilfe zu erschleichen. "So einen Fall hatten wir 2013 auch. Aber dass sind wirklich die Ausnahmen", sagt Ariane Lambert.

Die Erfahrung zeige, dass es Opfern von Straftaten schwerfalle, mit anderen Menschen über die Tat und deren Folgen zu sprechen. "Am häufigsten haben wir es mit häuslicher Gewalt, mit Körperverletzungen an Frauen und Kindern bis hin zu sexuellen Übergriffen durch Ehemänner und Väter zu tun. Deutlich zugenommen hat in unserer Erfahrung das Stalking, das mittlerweile ein Straftatbestand ist. Wir beraten die Betroffenen, wie sie sich wehren können. Denn die Polizei kann in solchen Fällen meist wenig tun", sagt die Anwältin, die sich hauptberuflich und im Ehrenamt für Opfer starkmacht.

Wenn ihr Telefon klingelt, hört sie sich das Anliegen des Betroffenen an und berät dann mit ihren Mitarbeitern, wer von ihnen sich des Falls annimmt. "Wir verstehen uns als Ersthelfer für Opfer. Innerhalb von 24 Stunden setzt sich ein Mitarbeiter des Weißen Rings mit dem Anrufer in Verbindung. Dann sind zwar auch Formulare auszufüllen, aber in erster Linie hören wir erst einmal zu und besprechen mit den Betroffenen dann, wie ihnen in ihrer Situation am besten geholfen werden kann", erklärt Ariane Lambert. "In der Regel dauert die Begleitung durch den Weißen Ring ein bis zwei Monate. "Einige Fälle ziehen sich aber bis zu einem Jahr hin, zu Beispiel dann, wenn ein Gerichtsverfahren zu durchlaufen ist."

Alle Mitarbeiter des Weißen Rings werden intensiv geschult, bevor sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit aufnehmen. "Demnächst beginnen in Cottbus zwei weitere Mitarbeiter ihren Dienst. Weitere wären uns sehr willkommen", betont Ariane Lambert.

Zum Thema:
Der Weiße Ring hilft durch: Menschlichen Beistand und persönliche Betreuung nach einer Straftat Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht Vermittlung von Hilfen anderer Organisationen Telefonhotline: bundesweit unter 116006 oder in Cottbus 0151 55164691