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| 02:34 Uhr

Erste Cottbuser Feuerwehrleute waren Turner

Steigercorps vor dem Depot am Kaiser-Wilhelm-Platz.
Steigercorps vor dem Depot am Kaiser-Wilhelm-Platz. FOTO: Carl Metzner
Cottbus. Brandschutz, Hilfeleistung, Katastrophenabwehr – die Feuerwehr ist aus unserem modernen Leben nicht wegzudenken. Dabei ist ihr Einsatz häufig mit Risiken für Gesundheit und Leben sowie dem Verzicht auf Freizeit verbunden. In Cottbus ist das seit 1863 so. Am 16. Februar begeht die Feuerwehr hier ihren 150. Gründungstag. Ulrike Elsner

Die Feuerwehrgeschichte ist noch relativ jung, die Geschichte großer Brände hingegen reicht weit in die Vergangenheit zurück. Eine Häufung von Bränden hat auch in Cottbus den Anstoß für die Gründung der Feuerwehr gegeben. Mit einer Festveranstaltung am 16. Februar begehen Berufsfeuerwehr und freiwillige Wehren dieses Jubiläum. An diesem Tag soll auch eine neue Ausgabe der Cottbuser Blätter erscheinen. Ihr Titel: "Vom Löschen und Retten - 150 Jahre Cottbuser Feuerwehr".

Brände in Wort und Bild

"Der Feuerwehrhistoriker Dietmar Rische hat viel Material dafür zusammengetragen", sagt Steffen Krestin, Leiter der Städtischen Sammlungen. So würden die großen Cottbuser Brände in Text und Bild ebenso vorgestellt wie die aktuellen Standorte der Berufsfeuerwehr sowie der freiwilligen Wehren.

Eine Berufsfeuerwehr gibt es überhaupt erst seit dem Jahr 1947. "Sie ist am 15. April 1947 auf Befehl der sowjetischen Militäradministration und des Ministeriums des Innern gegründet worden", ist von Steffen Krestin zu erfahren.

In den ersten Jahrzehnten hingegen baute die Feuerwehr auf Freiwillige, vor allem auf den 1861 gegründeten Turnverein. Das ist die Vorgeschichte: In den Jahren 1861/62 hatte es in Cottbus einige größere Brände gegeben, die sich rasch ausbreiteten. Die Behörden beschlossen deshalb, die Feuerbekämpfung neu zu organisieren. "Zuerst war beabsichtigt, eine Art Berufsfeuerwehr ins Leben zu rufen", sagt Steffen Krestin. Schließlich habe aber der Turnverein dem Magistrat angeboten, eine Feuerwehr zu bilden. In einem Schreiben an den Magistrat erklärte er sich bereit, zwei Spritzen mit den dazugehörigen Nebengeräten zu besetzen. Die Spritzen waren vorhanden. Zur Beschaffung des übrigen Bedarfs bewilligten die Stadtverordneten im Oktober 1862 rund 500 Taler, wofür zehn Hakenleitern, zwölf Steigergurte, zehn Helme, ein Rettungsschlauch und ein Gerätewagen angeschafft wurden.

Am 16. Februar 1863 wurde im Hotel "Zum goldenen Ring" die Freiwillige Turner-Feuerwehr gegründet. Das erste Feuerwehr-Depot entstand 1868 am Neustädter Platz.

Architekturdenkmal Feuerwache

1930 wurde die neue Feuerwache in Betrieb genommen. Nach den Worten von Steffen Krestin handelt es sich um ein "Architekturdenkmal der Neuen Sachlichkeit" von großer Bedeutung. Die Wehr hatte zu dieser Zeit nach Recherchen von Dietmar Rische rund 150 Mitglieder. Im Jahr 1925 hatte die Stadtverwaltung der Cottbuser Freiwilligen Feuerwehr auch das Krankentransportwesen übertragen. Vorhanden waren damals vier Krankenmobile.

Ein Name ist allen Cottbusern ein Begriff: Ewald Haase. Nach ihm ist die Straße benannt, an der die 1930 erbaute Feuerwache steht. Doch wer Ewald Haase war, weiß kaum jemand. Dietmar Rische klärt auf: Seit 1897 war Ewald Haase Vorsitzender das 9. Unterverbandes des Provinzial-Feuerwehrverbandes. Von 1898 bis 1901 war er stellvertretender Oberführer der Freiwilligen Feuerwehr, 1901 bis 1928 Oberführer und von 1928 bis 1930 Ehrenoberführer. Am 5. Oktober 1915 übernahm Ewald Haase die Leitung der Geschäftsstelle des Provinzial-Verbandes. Am 31. Mai 1930 starb Ewald Haase. Die Stadt belohnte sein unermüdliches Schaffen mit der Ernennung zum Ehrenbürger und beschloss weiterhin, die Straße vor der neuen Feuerwache Ewald-Haase-Straße zu nennen.

Aus dem Veranstaltungskalender:

16. Februar, 16 Uhr: Festveranstaltung "150 Jahre Feuerwehr Cottbus" im Barbarasaal des Vattenfall-Gebäudes

31. August, 10 bis 16 Uhr: Tag der Feuerwehr in der Feuerwache 1 an der Dresdener Straße

2. Oktober: Nachtpokal im Löschangriff, Veranstalter: Ortswehr Merzdorf

17. November, 10 Uhr: Kranzniederlegung am Feuerwehrdenkmal am Neustädter Platz zum Abschluss des Jubiläums "150 Jahre Feuerwehr Cottbus"